Zeit.de: Eine transparente Redaktion?

Nachdem ich mich gestern zum Ballyhoo um die überarbeitete Zeit.de-Seite äußerte, ist die Seite heute noch einmal Thema, ein ernsteres: Die Bilder von Misshandlungen Abu Ghraib. Wie soll eine Redaktion mit diesem Material umgehen?

Im Zeit.de-Blog Zeitansage schildert Chefredakteur Gero von Randow, wie schwer sich die Redaktion mit dieser Frage getan hat. Ergebnis: Die Bilder werden nicht auf der Website gezeigt. Ende der Diskussion? Keineswegs, die Leser können sich auch zu dieser Entscheidung äußern.

Nicht, dass sich andere Redaktionen keine Gedanken über solche Fragen machen, aber sie reden in der Regel nicht öffentlich darüber. Und sie wollen nicht unbedingt und unmittelbar an prominenter Stelle die Meinung ihrer Leser dazu lesen. In der Zeitansage kann der Leser direkt mit dem Chefredakteur sprechen und Randow versucht auch zu antworten. Das wirkt sehr authentisch und kommt auch in der Blog-Form ungekünstelt daher. Der Leser fühlt sich ernst genommen.

Diese Form des Dialogs zwischen (Chef-)Redaktion und Nutzern gibt es bei Zeit.de seit Mitte September 2005. Der Blick auf die Klickzahlen dürfte bei diesem Zusatzangebot wohl keine Rolle gespielt haben, ebensowenig handelt es sich um das – zuweilen plump erscheinende und häufig kritisierte – Aufspringen auf den Blog-Zug (siehe hierzu etwa meinen Telepolis-Beitrag: Schwer ist leicht was – Wenn Journalisten auch noch bloggen müssen). Interessieren würden mich und die Leser aber sicherlich noch einige andere Dinge aus dieser “transparenten Redaktion”. Ich sehe schon, das Thema bedarf einer ausführlicheren Bearbeitung; Sie hören/lesen hoffentlich von mir in den nächsten Wochen mehr dazu. (-:

Update 20.02.06: Fabian Mohr setzt sich im Notebook Online-Journalismus mit der Frage “Bilder aus Abu Ghraib – zeigen oder schweigen?” auseinander.

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