WeMedia-Konferenz in London, Nitin Desai - Berater von Kofi Annan
Von Matthias Spielkamp am 3. Mai 2006Nitin Desai - Berater von Kofi Annan, hatte einige sehr interessante Bemerkungen, weshalb ich ihn gern ausführlicher zu Wort kommen lasse.
Wenn die Medien erreichen wollen, dass man ihnen vertraut, so Desai, müssen sie nicht nur auf Fehlerfreiheit achten, sondern auch auf Relevanz. Und sie sollten sich nicht auf Fernsehen und das Internet beschränken, denn noch gebe es sehr viele Menschen, die weder Zugang zum einen, noch zum anderen haben. Andererseits gibt es weltweit drei Milliarden Mobiltelefone (die Zahl konnte ich bisher nicht überprüfen), und auch die Rolle, die das Radio in Afrika spielt, finde bisher zu wenig Aufmerksamkeit. Den Hinweis finde ich im Zusammenhang dieser Konferenz, die doch sehr Internet-zentriert ist, einerseits angebracht, andererseits kann ich die Einschätzung nicht teilen. Gerade Sender wie die BBC oder die Deutsche Welle strahlen ja genau deshalb in vielen Sprachen aus, weil sie wissen, dass Radio das Primärmedium in vielen Ländern ist.
Was auf den ersten Blick überraschend erscheinen mag, sei die Erfahrung, dass gewaltlose Demonstrationen häufiger zu Veränderungen geführt haben als gewalttätige Aufstände. Derzeit sei es interessant zu sehen, mit welcher Vitalität Menschen versuchen, ihre demokratischen Rechte auszuüben – das sei auch den neuen Medien zu verdanken.
(Dazu passt gut eine Bemerkung einer Aktivistin von global voices, die darauf hinweist, dass der Zugang zu Informationen in Entwicklungsländern oft völlig unterschätzt werde. So sei es etwa üblich, dass eine Information von einigen Bloggern aufgenommen werde, sich von dort aber per SMS weiter verbreite – eben weil viele Menschen keinen Zugang zum Internet haben.)
In Indien etwa finde eine echte Veränderung statt, weil es nicht immer um die vermeintlich fundamentalen Fragen nach Bürger- und Menschenrechten gehe, sondern darum, Behörden an ihre soziale Verantwortung zu erinnern und damit unter Druck zu setzen, bestimmte Standards durchzusetzen. Die Medien seien auf dieser Ebene nicht besonders aktiv. Dort gebe es immer noch die Struktur, nach der die Meinung von „Insidern“ von innen nach außen verbreitet wird. Diese Tendenz werde durch die weltweite Konzentration im Mediengeschäft verstärkt.
Dieser Tendenz setze das Web2.0 tatsächlich etwas entgegen, da die Investitionen (costs of entry), die nötig sind, um zu Wort zu kommen, viel niedriger seien als bei traditionellen Medien. Die Herausforderung sei, Geschäftsmodelle zu finden, die die Zusammenarbeit, die das Internet ermöglicht, zu verbinden mit verlässlichen Methoden, Fakten zu überprüfen. Derzeit werde über neue „Distributionsmöglichkeiten“ gesprochen wie über neue Wege, Wasser zu verteilen. Dabei werde übersehen, dass sich das, was verteilt wird, ändert.
Keine Antworten also von Nitin Desai, aber wenigstens viele „richtige“ Fragen. Sieht so aus, als könne Kofi froh sein, einen solchen Berater zu haben.
Weitere Links bei onlinejournalismus.de
4. Mai 2006 um 09:30
Für die Mitveranstalterin BBC bloggt ihr Technologie-Redakteur Alfred Hermida.