WeMedia-Konferenz in London, Tag 1/2

Das Vertrauen in die Medien ändert sich. Allerdings weiß niemand genau, wie.

„Trust“, Vertrauen, war das große Thema des ersten Panels der WeMedia-Konferenz in London, die heute und morgen bei der BBC und bei Reuters stattfindet. Mit dabei viele derjenigen, die in der Szene Rang und Namen haben. Ob das was hilft, lasse ich erstmal dahin gestellt. Die erste Diskussionsrunde hat jedenfalls nicht den Eindruck vermittelt.

Nihal Arthanayake, DJ bei der BBC, Karen Stephenson vom Media Center, David Brain, Chef der Kommunikationsagentur Edelman Europe und David Schlesinger, Global Managing Editor bei Reuters, zerbrachen sich den Kopf darüber, wie sich das Vertrauen in die Medien geändert hat. Interessant: die Umfrage, die dazu weltweit gemacht wurde. Bei der kam z.B. heraus, dass in China 83 Prozent der Leser der Tageszeitung trauen, doppelt so viele wie in Deutschland. Bedeutet das, die chinesische Presse ist besser als die deutsche?

In Deutschland trauen angeblich 38 Prozent der Leser den Weblogs, so viele wie in Südkorea. 25 Prozent trauen ihnen nicht. In den USA, dem Mutterland des Bloggens, trauen 25 Prozent den Blogs und 38 nicht. Was das bedeutet? Ratlosigkeit. Schlesinger von Reuters jedenfalls ist überzeugt, dass „the message is the message, not the medium“ – und dass es einen „Shakeout“ geben wird, auf lange Sicht nur die Blogs übrig bleiben, die bei ihren Lesern Vertrauen genießen.

Eine Ansicht, die aus dem Kreis der Zuhörer in Frage gestellt wurde. Es gehe doch nur darum, die Medien richtig „dekodieren“ zu können, warf ein freier Journalist ein. Er lese den Daily Telegraph, der in England nur der Torygraph genannt werde (die Tory-Partei ist die konservative). Er sei kein Tory, könne aber eben dekodieren, was er dort lese. Daher seien viele Leser auch zufrieden mit ihrer Zeitung.

Schlesinger dagegen hatte keine Probleme damit, eine Aktion von Reuters, bei der Blogger mit einbezogen wurden, mit den Worten zu beschreiben, dass im Mittelpunkt die „Reuters-Fakten“ standen, und drum herum die „Meinungen“ der Blogger. Der Mann sollte mehr Medienwissenschaften (oder von mir aus auch gleich Philosophie) lesen.

Nicht neu, aber in der Deutlichkeit dennoch interessant, war das Fazit, das Brain (Edelmann) für die PR-Branche zog: die Zeit, in der man von oben herab Unternehmenskommunikation betrieben konnte, sei vorbei. Wer nicht in den Dialog (mit Bloggern und anderen) einsteige, habe verloren. Als Beispiel zur Illustration nannte er die Site I hate Dell, die ich bisher noch nicht kannte und offenbar wirklich ein hervorragendes Beispiel ist.

Megan Knight von der Middlesex University merkte an, dass das System “Wir bauen es auf, und dann werden die Leute schon kommen” nicht funktioniere. Ihre Erfahrung mit Projekten in afrikanischen Ländern sei, dass eine Atmosphäre geschaffen werden müsse, in der die Menschen bereit seien, zu diskutieren und ihre Erfahrungen einzubringen. Die Gefahr sei, dass man versuche, alle Entwicklungsstufen und traditionellen Methoden, diese Atmosphäre zu erzeugen, zu überspringen, weil es auf einmal das Internet gebe.

Fazit: Erstmal nix mit WeMedia in dem Sinne, dass alle mitreden dürfen (bei der Konferenz, meine ich jetzt, nicht global ;-) ) – eher WeMedia in der gewohnten Art und Weise: Wir sind die Medien, ihr seid die Zuschauer. Aber keine Sorge, es kommt noch schlimmer…

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