Eine Milliarde SMS- wofür? (Tag 2 der WeMedia-Konferenz in London)

Die Chinesen sind zufrieden mit der Politik ihrer Regierung, die Araber mit ihren Medien. In Indien wird nicht zensiert, und eine Milliarde SMS an die Macher der „Wer wird Millionär“-Show in Indien sind citizen journalism. So könnte man Vormittag des zweiten Tags beim Global Forum zusammenfassen. Falls das für manchen Leser zynisch klingt, so kommt das nicht von ungefähr.

Tag 1 war ja bereits eine große Enttäuschung. Die Tatsache, dass die BBC das Studio zur Verfügung stellt und die Veranstaltung sponsert, hatte ich nicht als Hinweis dafür genommen, dass auf jedem Podium, das von einem BBC-Moderator moderiert wird, ein BBC-Mitarbeiter sitzt, der vom BBC-Moderator jede Gelegenheit bekommt, sich über die BBC und ihr Verhältnis zu nutzergenerierten Inhalten auszulassen. Na ja, ist ja jetzt auch etwas übertrieben. Manchmal durfte auch jemand von Reuters was sagen. Reuters ist der andere Hauptsponsor. So war es nur folgerichtig, dass sich beim WeMedia Fringe, eienr Art Alternativ-/Ergänzungsveranstaltung am Abend, eine Bloggerin in einem „Call to arms“ dazu aufrief, den Podiumssitzern („Suits“, wie der Angelsachse sagt, also Schlipsträger) einzuheizen.

Das wird leider schon allein dadurch unmöglich gemacht, dass nun mal die Suits die Mikrofone kontrollieren, ohne die man bei einer derart großen Veranstaltung eben einfach nicht zu Wort kommt.

Was die Frage nach Blogs und citizen media in China angeht, empfehle ich, den Artikel “Google’s China Problem (and China’s Google Problem)” aus dem New York Times Magazine zu lesen, auf den mich Claus Hesseling kurz vor der Konferenz aufmerksam gemacht hat. Er ersetzt nicht nur die Diskussion, sondern geht weit darüber hinaus, was den Erkenntnisgewinn angeht.

Das Panel zu Asien versprach dagegen, spannend zu werden. Immerhin waren dieses Mal nicht nur Vertreter der MSM (mainstream media) dabei, sondern auch Neha Viswanathan und die Moderatorin Rebecca MacKinnon, beide von Global Voices. Immerhin war zu erfahren, dass SMS-Nachrichten in vielen Ländern eine sehr viel größere Bedeutung haben als Weblogs. Was erstmal mit citizen media nichts zu tun hat, wie Sunil Lulla von Times Global Broadcasting, einem der größten indischen Medienkonzerne, bewies. Er war offensichtlich sehr beeindruckt von der Zahl der SMS, die innerhalb einer Saison an eine bestimmte Fernsehsendung geschickt wurden, nämlich eine Milliarde.

Zum Glück konnte ich in der Pause von Neha Viswanathan noch erfahren, dass SMS etwa in Nepal genutzt werden, um sich zu Demonstrationen zu verabreden. Nach Aussage von Nitin Desai, Special Advisor to the Secretary-General der UN, konnte mithilfe von Demonstrationen, die per SMS „einberufen“ wurden, sogar ein Staatsstreich auf den Philippinen verhindert werden.

Weitere Links bei onlinejournalismus.de

  • Facebook
  • Twitter
  • StumbleUpon
  • Diigo