Zeit: Chance verschenkt
Über die Bedeutung des Wörtchens interaktiv ist schon viel theorisiert worden – mit schwankendem Erkenntnisgewinn. Festzuhalten bleibt eines: Nicht alles, bei dem man mal ein bisschen mehr klicken kann, ist interaktiv. Deshalb ein kräftiger Rüffel an Zeit Online.
Dort wird derzeit auf der Startseite “Die Stimmen von Jerusalem” als “Rundgang, interaktiv” angepriesen, und das auch noch im Ressort “Multimedia”. Wer dem Teaser folgt, bekommt allerdings nicht mehr geboten als einen kurzen Einleitungstext und eine simple anklickbare Karte mit sechs Stationen, hinter denen sich die porträtierten Bewohner der Stadt verbergen. Hier wurden lediglich die Texte aus dem gedruckten Dossier auf verschiedene Artikelseiten aufgeteilt – die sind zwar spannend zu lesen, aber mehr nicht. Noch nicht einmal einen deutlichen Link zurück zur Karten-Navigation gibt es. Gerade weil ich die Texte im Print schon gelesen hatte, war ich enttäuscht, dass sich hinter dem “interaktiven Rundgang” nicht mehr verbirgt. Wo sind Atmo und O-Töne zum Anhören, wo die Hinweise auf die Text beschriebenen Orte, wo die Routen der Protagonisten durch die Altstadt?
Umumstritten in der Diskussion um Nutzerfreundlichkeit ist nämlich eine andere Weisheit: Ein Link darf keine leeren Versprechen machen. Nutzer dürfen nicht enttäuscht sein, sich nicht getäuscht fühlen. Dann klicken sie nämlich beim nächsten Mal nicht mehr.



