In eigener Sache: Dokumentarfilm “Alltag Überwachung”
Von Roman Mischel am 12. Juni 2006Video-Trailer zum Dokumentarfilm “Alltag Überwachung”, Länge: 4:07 Min., ca. 15 MB. Vielen Dank an Juho “Blamstrain” Hietala für die Musik.
Updates:
- Novmeber 2007: Der “Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung” hat in Berlin bis zum 15. November den “Kleinen Überwachungsladen” eingerichtet. Während dieser Zeit wollen die Speicherungsgegner dort auch mehrmals “Alltag Überwachung” zeigen, in dem die die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung und die Auseinandersetzung darum eines der Hauptthemen sind.
- September 2007:Am Sonntag, 9. September, findet im Glashaus Jena unter dem Titel “Auf dem Weg zum Überwachungsstaat“ ein Informationsabend - organisiert von Vertretern des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Freiheitsredner“ - statt. U. a. wird unser Film “Alltag Überwachung” gezeigt.
- Juli 2007: Am Mittwoch, 4. Juli, sind wir zu Gast im Leipzig bei der ersten Ausgabe des Salon Surveillance und stellen dort u. a. unseren Film vor. Hier ist die Einladung für alle Interessieren (PDF).
- März 2007: Alltag Überwachung ist bei tagesschau.de nicht nur als vierteiliges Videodossier im Dezember 2006 veröffentlicht worden, sondern kann dort inzwischen auch im MPEG4-Format heruntergeladen werden (in vier Teilen oder in der Komplettfassung, ca. 350 MB).
- März 2007: Kurz-Rezension bei Phlow.net
- Januar 2007: Am Samstag, 13. Januar, wurde “Alltag Überwachung” in der Sendung “Blogspiel” auf DeutschlandRadio Kultur vorgestellt. Die Sendung ist auch als Audio abrufbar.
Ganz vorab: “Alltag Überwachung” ist ein 45-minütiger Dokumentarfilm. Darin gehen wir einer Frage nach, die sich angesichts immer neuer Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung stellt: Leben wir mittlerweile in einem Überwachungsstaat? “Alltag Überwachung” ist eine freie Produktion, die teilweise mit einem Recherchestipendium finanziert wurde. Gesucht wird noch ein TV-Sendeplatz (Kontakt für Redaktionen)
Worum geht es?
Ob staatliche Behörden oder Privatwirtschaft, ob sichtbar oder im Verborgenen, ob durch Kameras an öffentlichen Orten oder durch Zugriff auf bereits vorhandene Daten aus dritter Hand wie bei Telefon- und Internetkommunikation - immer mehr Informationen werden gesammelt, über jeden von uns.
Ob Richtlinie des EU-Ministerrats zur Vorratsdatenspeicherung, Vorstoß des Bundesinnenministers zur Mautauswertung für die Fahndung oder Pläne für das neue Polizeigesetz in Schleswig-Holstein – Stück für Stück werden die gesetzlichen Grenzen zu Ungunsten des Einzelnen ausgeweitet. Die Begründung: wachsende Bedrohung durch Terrorismus und Kriminalität.
Ob die neuen Maßnahmen dies effektiv bekämpfen können, bleibt fraglich. Sicher ist: Telefon- und Bankgeheimnis sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung werden aufgeweicht. Mit Maut- und Handy-Daten können schon heute Bewegungsprofile erstellt werden. Der Festplattenspeicherplatz kennt kein Ende – und was einmal digital vorhanden ist, kann vernetzt werden.
Die Bürger lassen es geschehen – kein Vergleich zum Widerstand gegen die Volkszählung in den 80er Jahren. Sie nehmen keine Bedrohung durch wachsende Datensammlungen wahr, ordnen leichtes Unbehagen der Bequemlichkeit unter oder begrüßen sie sogar. Im Internet machen viele mehr über sich öffentlich, als die Volkszählung jemals fragte. Es gibt nur eine relativ kleine Zahl aktiver Überwachungsgegner, die versuchen, die Öffentlichkeit aufzurütteln. Erreicht haben diese aber bisher kaum etwas.
Von geschätzten 400.000 Überwachungskameras in Deutschland über Funkchips in biometrischen Pässen, WM-Tickets und dem Einkaufskorb der Zukunft bis zur von der EU verordneten Speicherung der Telefon-, Handy- und Internet-Daten aller 450 Millionen Europäer – an welchen Stellen im alltäglichen Leben entstehen Datenspuren? Wo sind die weitergehenden Forderungen von Ermittlern und Innenpolitikern sinnvoll, wo Effekthascherei? Sind wir auf dem Weg in den Überwachungsstaat? Polizei und Innenpolitiker, Überwachungskritiker und Betroffene, Datenschutzbeauftragte und Wissenschaftler kommen zu Wort.

“Wir kommen gar nicht umhin, vermehrt Videoüberwachung einzusetzen. Das ist ein ganz substanzieller Sicherheitsgewinn. Will ich der Belastung entgehen, aufgezeichnet zu werden oder will ich mehr Sicherheit gegenüber Straftaten? Mein Eindruck ist, dass sich ein großer Teil der Bürger in diesem Lande für die Sicherheit entscheidet.”

“Das muss man mir erst mal zeigen, wo ein U-Bahn-Anschlag verhindert wurde. Mit Technik kann man nicht alles lösen. Hier werden Bedrohungsszenarien hochstilisiert, um Videoüberwachung durchzusetzen.”

“Mit der Vorratsdatenspeicherung werden Instrumente geschaffen, über die sich auch eine Stasi gefreut hätte.”

“Vom Polizeistaat sind wir weit entfernt. Die Gefahren liegen ganz woanders, das sind die privaten Datensammler…”

“Von Komplettüberwachung kann noch nicht die Rede sein, aber die Konzerne speichern ganz, ganz viele Daten, die für den Staat oder zum Beispiel für Versicherungen von Interesse sein können. Wenn meine kompletten Einkäufe über ein Jahr hinweg gespeichert werden, dann sagt das sehr viel aus: Ob Kinder im Haus sind, ob ich Alkohol und Chips einkaufe oder in der Frischeabteilung.”
Interesse? Kontakt für Redaktionen:
Roman Mischel, Tel. 0231-1370163
mischel [at-nospam] onlinejournalismus.de
Fiete Stegers, Tel. 0170-3420315
stegers [at-nospam] onlinejournalismus.de
Die Autoren
Roman Mischel und Fiete Stegers sind als freie TV- und Online-Journalisten u. a. für NDR, n-tv, tagesschau.de tätig. Für die Plattform onlinejournalismus.de wurden sie mit dem Grimme Online Award 2003 ausgezeichnet. Für die Produktion von “Alltag Überwachung” erhielten sie ein Recherchestipendium des Kontext-Programms, mit dem ein Teil der Reise- und Recherchekosten finanziert wurde (hinter dem Kontext-Verein steht das Unternehmen Eon Ruhrgas).
13. Juni 2006 um 18:49
sieht sehr interessant aus, der trailer. ich bin gespannt wie der film umgesetzt wurde.
13. Juni 2006 um 21:00
Ich hoffe, den Film irgendwann irgendwo zu sehen. Sollte sich keine Redaktion finden, wäre eine Veröffentlichung im Internet unter CC-Lizenz erstrebenswert. :)
14. Juni 2006 um 10:55
Eigentlich wäre phoenix doch eine gute Anlaufstelle. Zumal die immer wieder kritische Berichte - grade zur Thematik Überwachung - senden.
Erst neulich habe ich wieder einen auf Phoenix gesehen, der auch sehr gelungen war.
14. Juni 2006 um 11:30
@kix. wie hieß der Film bzw. wann wurde er gesendet? Über Infos würde ich mich sehr freuen.
zum Beitrag. 400.000 Kameras in Deutschland - aber nicht im öffentlichen Raum und Polizei-kontrolliert - denn da sind es erheblich weniger…
grüße
nilz
14. Juni 2006 um 14:18
klingt sehr interessant der film. ist eigentlich schonmal überlegt worden, solche beiträge per spenden an die www-öffentlichkeit zu verkaufen? (à la Blender oder als bezahlter bittorrent download?)
gerade bei solchem Thema, das sicherlich der hackeraffinenaffinen internet-demographie zuspielt, würde sich der Versuch aus meiner Sicht anbieten.
17. Juni 2006 um 12:52
@nilz: kix meint vermutlich den film “wer hat meine daten?“, eine swr-produktion, die offenbar auch bei phoenix wiederholt wurde.
zu den 400.000 kameras: das ist eine schätzung, die nicht von uns stammt, sondern aus einem beitrag des buchs “bild - raum - kontrolle: videoüberwachung als zeichen des gesellschaftlichen wandels”. die zahl bezieht sich auf alle öffentlich und privat betriebenen überwachungskameras.
21. Juni 2006 um 07:53
Hallo,
Ein äußerst interessanter Beitrag, der hoffentlich bald in voller Länge im TV zu sehen sein wird. Ein kleiner Hinweis: Alvaro ist Europaabgeordneter der FDP und nicht der FPD.
Viel Erfolg mit der Doku!
mfG
Tim
21. Juni 2006 um 15:01
Danke für den Hinweis. Da waren die Finger im Avid Title-Tool schneller als die Augen. Im Film ist er selbstverständlich von der FDP und nicht der FPD.
2. November 2006 um 17:31
Hallo, gab es diesen Film denn bisher im TV oder ist er anderweitig verfügbar?
3. November 2006 um 18:04
Hoi Daniel,
der Film wird am Sonntag (5. November) in Bielefeld (Bunker Ulmenwall) um 15:00 Uhr im Rahmen einer Public Domain des FoeBuD e.V. gezeigt. Wenn du in der Nähe bist … :)
21. Dezember 2006 um 10:20
Der Film ist als vierteilige Videoserie bei tagesschau.de erschienen.
6. Januar 2007 um 19:57
Hallo, ich wäre doch sehr interessiert an dem Film, leider gibt es allerdings für mein Betriebssystem keinen funktionierenden Flash-Player… Also die Frage: Gibt es den Film auch irgendwo als Non-Flash Version? Ich wäre sehr dankbar dafür!
7. Januar 2007 um 12:45
An weitere Veröffentlichungsarten ist gedacht, aber noch nichts entschieden.
Ist das Betriebssystem Linux (Flash-Player nur in Version 7)? Das hat halt nicht nur Vorteile.
7. Februar 2007 um 19:05
Hi,
bei mir spielt der Film leider nicht ab, sowohl unter Linux, als auch unter Windows (Version 9). Gibt es da irgendeinen Trick, oder geht es im Firefox einfach nicht? Wenn ich auf starten klicke habe ich trotzdem keinen Netzwerkverkehr.
7. Februar 2007 um 20:08
Der Film ist nur abspielbar, wenn das Flash-Plugin ab Version 7 im Browser installiert ist. Die aktuelle Version gibt es auf den Seiten des Herstellers Adobe.
11. März 2007 um 17:41
Hallo, meinen Glückwunsch zu dem beeindruckenden, bedrückenden 4-Teiler!!
Ich hätte ausserdem eine Frage : Wie lautet denn der Musik-Track von Blamstrain der im Trailer beim Intro läuft??
Mit freundlichen Grüßen
Stefan .
12. März 2007 um 09:39
Der Titel lautet “Goodbye P10″.
14. Oktober 2007 um 08:53
Ich habe euren Film gesehen und bin entsetzt! Entsetzt darüber, das unsere Grundrechte nach und nach Ausgehebelt werden. Bisher war ich der Meinung, das dies allein in den USA der Fall ist. Ich bin aber auch enttäuscht von eurem Film, weil er einen wichtigen Aspekt nicht beachtet hat, auf den ich selbst erst vor wenigen Tagen gestoßen bin. Suchmaschinen, die Konzerne dahint und deren eindeutige absichten. Google stürmt da allen voran, gefolgt von Yahoo und MSN. Wäre sicher eine Recherche wert und würde einigen die Augen öffnen beim Surfen.
2. November 2007 um 22:56
im text steht: ” ‘Alltag Überwachung’ ist eine freie Produktion, die teilweise mit einem Recherchestipendium finanziert wurde.” frei ist hier ja sicherlich im sinne von freier recherche. wie sieht das denn aus mit der lizenzierung? darf man den film öffentlich zeigen - zB im rahmen einer aufklärungsveranstaltung gegen die vds? oder muss man da lizenzgebühren oder gar gema zahlen?
3. November 2007 um 14:24
“Frei” ist nicht im Sinne der Open-Source-Bewegung gemeint, sondern als unabhängig von einer Redaktion oder einem Sender (und eben auch ohne deren finanzielle Rückendeckung) produziert.
Wer an einer Aufführung interessiert ist oder Senderechte erwerben möchte, kann sich an uns wenden. Wir freuen uns natürlich und klären dann gerne die Bedingungen. Kontakt siehe oben.