In eigener Sache: Dokumentarfilm “Alltag Überwachung”


Video-Trailer zum Dokumentarfilm “Alltag Überwachung”, Länge: 4:07 Min., ca. 15 MB. Vielen Dank an Juho “Blamstrain” Hietala für die Musik.

Updates:

  • Novmeber 2007: Der “Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung” hat in Berlin bis zum 15. November den “Kleinen Überwachungsladen” eingerichtet. Während dieser Zeit wollen die Speicherungsgegner dort auch mehrmals “Alltag Überwachung” zeigen, in dem die die EU-Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung und die Auseinandersetzung darum eines der Hauptthemen sind.
  • September 2007:Am Sonntag, 9. September, findet im Glashaus Jena unter dem Titel “Auf dem Weg zum Überwachungsstaat“ ein Informationsabend – organisiert von Vertretern des Arbeitskreises Vorratsdatenspeicherung in Zusammenarbeit mit dem Projekt „Freiheitsredner“ – statt. U. a. wird unser Film “Alltag Überwachung” gezeigt.
  • Juli 2007: Am Mittwoch, 4. Juli, sind wir zu Gast im Leipzig bei der ersten Ausgabe des Salon Surveillance und stellen dort u. a. unseren Film vor. Hier ist die Einladung für alle Interessieren (PDF).
  • März 2007: Alltag Überwachung ist bei tagesschau.de nicht nur als vierteiliges Videodossier im Dezember 2006 veröffentlicht worden, sondern kann dort inzwischen auch im MPEG4-Format heruntergeladen werden (in vier Teilen oder in der Komplettfassung, ca. 350 MB).
  • März 2007: Kurz-Rezension bei Phlow.net
  • Januar 2007: Am Samstag, 13. Januar, wurde “Alltag Überwachung” in der Sendung “Blogspiel” auf DeutschlandRadio Kultur vorgestellt. Die Sendung ist auch als Audio abrufbar.

Ganz vorab: “Alltag Überwachung” ist ein 45-minütiger Dokumentarfilm. Darin gehen wir einer Frage nach, die sich angesichts immer neuer Maßnahmen zur Terrorismusbekämpfung stellt: Leben wir mittlerweile in einem Überwachungsstaat? “Alltag Überwachung” ist eine freie Produktion, die teilweise mit einem Recherchestipendium finanziert wurde. Gesucht wird noch ein TV-Sendeplatz (Kontakt für Redaktionen)

Worum geht es?

Ob staatliche Behörden oder Privatwirtschaft, ob sichtbar oder im Verborgenen, ob durch Kameras an öffentlichen Orten oder durch Zugriff auf bereits vorhandene Daten aus dritter Hand wie bei Telefon- und Internetkommunikation – immer mehr Informationen werden gesammelt, über jeden von uns.

Ob Richtlinie des EU-Ministerrats zur Vorratsdatenspeicherung, Vorstoß des Bundesinnenministers zur Mautauswertung für die Fahndung oder Pläne für das neue Polizeigesetz in Schleswig-Holstein – Stück für Stück werden die gesetzlichen Grenzen zu Ungunsten des Einzelnen ausgeweitet. Die Begründung: wachsende Bedrohung durch Terrorismus und Kriminalität.

Ob die neuen Maßnahmen dies effektiv bekämpfen können, bleibt fraglich. Sicher ist: Telefon- und Bankgeheimnis sowie das Recht auf informationelle Selbstbestimmung werden aufgeweicht. Mit Maut- und Handy-Daten können schon heute Bewegungsprofile erstellt werden. Der Festplattenspeicherplatz kennt kein Ende – und was einmal digital vorhanden ist, kann vernetzt werden.

Die Bürger lassen es geschehen – kein Vergleich zum Widerstand gegen die Volkszählung in den 80er Jahren. Sie nehmen keine Bedrohung durch wachsende Datensammlungen wahr, ordnen leichtes Unbehagen der Bequemlichkeit unter oder begrüßen sie sogar. Im Internet machen viele mehr über sich öffentlich, als die Volkszählung jemals fragte. Es gibt nur eine relativ kleine Zahl aktiver Überwachungsgegner, die versuchen, die Öffentlichkeit aufzurütteln. Erreicht haben diese aber bisher kaum etwas.

Von geschätzten 400.000 Überwachungskameras in Deutschland über Funkchips in biometrischen Pässen, WM-Tickets und dem Einkaufskorb der Zukunft bis zur von der EU verordneten Speicherung der Telefon-, Handy- und Internet-Daten aller 450 Millionen Europäer – an welchen Stellen im alltäglichen Leben entstehen Datenspuren? Wo sind die weitergehenden Forderungen von Ermittlern und Innenpolitikern sinnvoll, wo Effekthascherei? Sind wir auf dem Weg in den Überwachungsstaat? Polizei und Innenpolitiker, Überwachungskritiker und Betroffene, Datenschutzbeauftragte und Wissenschaftler kommen zu Wort.

August Hanning
“Wir kommen gar nicht umhin, vermehrt Videoüberwachung einzusetzen. Das ist ein ganz substanzieller Sicherheitsgewinn. Will ich der Belastung entgehen, aufgezeichnet zu werden oder will ich mehr Sicherheit gegenüber Straftaten? Mein Eindruck ist, dass sich ein großer Teil der Bürger in diesem Lande für die Sicherheit entscheidet.”

Michael Arzt
“Das muss man mir erst mal zeigen, wo ein U-Bahn-Anschlag verhindert wurde. Mit Technik kann man nicht alles lösen. Hier werden Bedrohungsszenarien hochstilisiert, um Videoüberwachung durchzusetzen.”

Alexander Alvaro
“Mit der Vorratsdatenspeicherung werden Instrumente geschaffen, über die sich auch eine Stasi gefreut hätte.”

Ralf Stegner
“Vom Polizeistaat sind wir weit entfernt. Die Gefahren liegen ganz woanders, das sind die privaten Datensammler…”

Rena Tangens
“Von Komplettüberwachung kann noch nicht die Rede sein, aber die Konzerne speichern ganz, ganz viele Daten, die für den Staat oder zum Beispiel für Versicherungen von Interesse sein können. Wenn meine kompletten Einkäufe über ein Jahr hinweg gespeichert werden, dann sagt das sehr viel aus: Ob Kinder im Haus sind, ob ich Alkohol und Chips einkaufe oder in der Frischeabteilung.”


Interesse? Kontakt für Redaktionen:

Roman Mischel, Tel. 0231-1370163
mischel [at-nospam] onlinejournalismus.de

Fiete Stegers, Tel. 0170-3420315
stegers [at-nospam] onlinejournalismus.de

Die Autoren
Roman Mischel und Fiete Stegers sind als freie TV- und Online-Journalisten u. a. für NDR, n-tv, tagesschau.de tätig. Für die Plattform onlinejournalismus.de wurden sie mit dem Grimme Online Award 2003 ausgezeichnet. Für die Produktion von “Alltag Überwachung” erhielten sie ein Recherchestipendium des Kontext-Programms, mit dem ein Teil der Reise- und Recherchekosten finanziert wurde (hinter dem Kontext-Verein steht das Unternehmen Eon Ruhrgas).

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