Ich möchte Teil einer Online-Bewegung sein

Bewusst wollte ich ein wenig abwarten bevor ich noch mal einmal auf das Blog-Groß-Projekt der WAZ (bzw. vorerst ja: dessen Ankündigung) eingehe. Bei der flüchtigen Lektüre so mancher Blogeinträge (zum Beispiel 50 HZ, zu weiteren durchklicken über Indiskretion Ehrensache, Wirres oder Print To Internet) zum Thema machte sich nämlich ein etwas seltsamer Unterton bemerkbar.
Die Community freut sich mit der zur WAZ-Online-Chefredakteurin beförderten Bloggerin Katharina „Lyssa“ Borchert, gratuliert, schreibt Lobendes über die Anerkennung für die Szene-Kollegin und das noch längst nicht gestartete Projekt – ganz so als sei der eine oder andere unter mangelnder Aufmerksamkeit leidende Blogger ein wenig geblendet davon, wenn richtig wichtige Leute aus den alten Medien ihm im gefütterten Umschlag die Einladung zum „Strategietreffen“ schicken und dort die gleichen Web2.0-Buzzwörter in den Mund nehmen wie man selbst.

Denn trotz aller der großen Pläne und Worte – warum sollte denn gerade das WAZ-Projekt abheben? Alles, was nach reiner Community, nach MySpace oder Flickr klingt, können die Originale besser – auch wenn die WAZ vielleicht potenziell ein großes Zeitungspublikum erschließen könnte, sind die Leser eben gerade nicht die Early Adopters, die so etwas dankbar aufgreifen.

Bleiben die (thematische und/oder) lokale Lücke und die crossmediale Lücke. Also genau der Ansatz, den die Rheinische Post fährt. Aber auch die RP hat es trotz dieses frühen Startes nicht gelungen, damit bisher irgendwie nennenswert über ihr Print-Verbreitungsgebiet und einen Teil ihres Print-Publikums herauszustoßen – warum sollte also einer noch so ambitionierten WAZ-Geschichte mehr gelingen?

Auf meiner Seite bleibt auf jeden Falle eine gehörige Menge Old-Media-Skepsis gegenüber den Plänen. Die WAZ kann und muss sich crossmedial modernisieren, aber allzu viel sollte man nicht erwarten. Denn als besonders innovativ hat sich der Konzern in den letzten Jahren nicht gerade hervorgetan – kein mutiger Einstieg bei einer deutschen Qualitätszeitung, stattdessen Langeweile im Kerngeschäft und ebenso stumpfe, aber gewinnträchtige Lizenz-Titel und Aufkäufe in Osteuropa.

Jetzt gibt es in der Blogosphäre ein bisschen Gegenfeuer als Antwort auf den erfolgreichen WAZ-PR-Event – aus dem Essener Blog Tom’s Diner, wo in einer heftigen (aber schwer zu nachzuverfolgende Diskussion) auf einige Haken bei der Umsetzung noch so großer Online-Pläne im behäbigen WAZ-Konzern aufmerksam gemacht wird (mehr inzwischen auch bei Thomas Knüwer und in der Diskussion in der Dezentrale. Und auch über die RP munkelt der nicht immer verlässliche Don Alphonso, dass dort im Gegensatz zum großen Lob von Opinio, wie es es Online-Chef Oliver Eckert uns (und anderen) gegenüber noch kürzlich im Munde führte zumindest die monatliche Print-Magazin-Version gestrichen würde und künftig nur noch eine wöchentliche Zeitungsseite mit Opinio-Beiträge erschiene (wie bei jetzt.de). Eine Stellungnahme der RP dazu ist angefragt.

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