Bürgerjournalisten verbessern / Links

Von Fiete Stegers am 11. Juli 2006

Wenn Bürgerjournalismus Erfolg haben soll, gilt für ihn das gleiche wie für den “normalen” Journalismus - er muss interessante Themen in attraktiver Darstellung bieten. Wenn professionelle Medien Bürgerjournalismus integrieren wollen, müssen sie die Citzen Journalists entsprechend anschieben. Das meinen zumindest viele, die sich in den USA mit dem Thema auseinandersetzen.

In Deutschland sieht es in dieser Hinsicht eher sparsam aus: Die RP beschränkt sich im FAQ bei Opinio auf eher technische Fragen. Die Readers Edition der Netzeitung gibt in ihrem Wiki immerhin ein paar grundlegende Tippszum richtigen Artikelschreiben. Auf der anderen Seite das Kontrastprogramm schon seit Jahren bei der BBC: Umfangreiche Digital-Storytelling-Projekte wie Telling Lives (um nur ein Beispiel zu nennen), bei denen die Gebührenzahler in Regionalstudios von Profis bei der Arbeit an eigenen Filmen begleitet werden.

Was sich in den USA tut, ist zwischen diesen beiden Polen:

What would we in the news business teach them? The basics, to start — from how to write a simple news story, to basic ethical standards, to how to use the Freedom of Information Act to get access to public documents and what the public has a right to see.

schriebt Steve Outing im April. Er ist sicher: “This is the kind of thinking we need to be doing in the news business right now.”

Im Folgenden ein kleiner Überblick über einige Projekte, Sites und Initiativen. Manche sind für Profis banal, bei anderen können auch sie noch hier und da etwas lernen, gerade wenn man etwa vom reinen Textjournalismus kommend mit mehrmedialen Experimenten beginnen möchte. Weitere Linkhinweise können in den Kommentaren gerne gemacht werden.

  • OurMedia. Das Learning Center der Citizen-Media-Plattform verfolgt einen multimedialen Ansatz , steckt aber noch in den Kinderschuhen.
  • Center for Interactive Journalism. Das Institut an der Universität von Maryland will Profis und Laien bei der Weiterentwicklung des Journalismus helfen.
  • Media Storm: Gathering Audio. Hilfe für Audioprojekte von den Profis.
  • Online Journalism Review. Wiki-Anleitungen rund um Grundlagen des Onlinejournalismus, denen etwas Wachstum noch sehr gut täte.
  • Center for Citizen Media. Dan Gillmor engagiert sich jetzt nicht mehr bei einer eigenen Plattform, sondern für die Fortentwicklung des Bürgerjournalismus insgesamt.
  • OhMyNews. Diskussion über Theorie und Praxis des Citizen Journalism beim südkoreanischen Vorbild.
  • The Press Gazette/Nokia: Begleitmaterial zu einer Citizen-Journalism-Aktion (PDF)

3 Antworten zu “Bürgerjournalisten verbessern / Links”

  1. 50hz sagt:

    Zumindest im Zusammenhang mit dem WAZ-Projekt gibt es interne Stimmen, die das Wort “Bügerjournalist” inskünftig meiden wollen.
    Wie ich finde vollkommen zur Recht. Damit wird an die schreibenden Bürger ein falscher Anspruch gestellt. Nur selten werden Bürger Lust verspüren, Nachrichten, Interviews oder Reportagen aufzuschreiben. (Einzelfälle wollen wir mal nicht ausschließen.)
    Was Büger jedoch mit großer Lust betreiben werden, ist “aus ihrem Leben” zu berichten. Über ihren Verein, ihre Freizeit, ihren Kiez. Das kann durchaus Nachrichtenwert haben. Aber es wird auch immer subkjektiv gefärbt und meinungslastig sein.
    Stilistische Fragen treten deswegen in den Hintergrund. Wer über “seinen” Verein schreibt, wird schon einen Stil finden, der seinem Verein angemessen ist. “Journalistische” Schreibe könnte bei dieser Stilbildung eher störend wirken.
    Wie wärs, wir nennen die Bürgerjournalisten in Zukunft einfach “Menschen, die ewas zu sagen haben.”

  2. Fiete Stegers sagt:

    Stimmt: Beiträge von Nutzern müssen nicht unbedingt klassischen professionellen journalistischen Regeln folgen, sondern gewinnen möglicherweise gerade durch ihre Subjektivität und Meinung. Aber - ob sich jetzt der Ausdruck “Bürgerjournalismus” durchsetzt oder nicht - sie müssen eben attraktiv sein, und da sind ein paar Grundregeln des journalistischen Handwerks nicht die schlechtesten Anhaltspunkte.

    Das perfekte Antibeispiel: Das klassische Vereinsgruppenfoto der Lokalpresse -außer für die direkt Beteiligten und deren Bekanntenkreis langweilig bis abscheuerregend, egal ob von Profilokaljournalisten oder Bürgerjournalisten gemacht. Beide sollten lernen, wie so ein Motiv auch für andere interessant sein kann.

  3. Peter sagt:

    Fragen wir uns doch mal, warum der Bürger überhaupt schreiben sollte?

    Weil er ein Anliegen hat, also ein Interesse. Eine Sache, die persönlich motiviert und gefärbt ist. Infolgedessen - wie hier kommentiert - meinungsgeleitet und nicht orientiert an journalistischen Kriterien. Das ist ja auch nicht der Anspruch.

    Fragen wir uns weiter, warum der Bürger überhaupt gänzlich ohne Gegenleistung schreiben sollte - zu den professionelleren Kriterien, die er per Anleitung bekommen soll?

    Vor allem dieses “per Anleitung”: Das klingt so ein wenig anch Praktikant, der neu in eine Redaktion kommt. Dem müssen wir nur ein bisschen was erzählen, dann kann er schreiben. Dann kann er gute Themen finden, fundiert seine Recherchen belegen (!) und kreativ formulieren. Dann weiß er außerdem, was den Leser interessiert.

    Genau hier schwingt doch eine ganze Menge Naivität oder Sozial-Romantik mit. Warum Zeit und sonstigen Einsatz investieren für eine Sache, die mich gar nicht ernährt, die mich nur Zeit kostet und ein wenig Anerkennung von einer Handvoll Leser? Es sei denn, ich bin Privatier und kann mir das auch leisten. Aber wer kann das schon?

    Und was ist mit der übrigen nicht-arbeitenden Bevölkerung? Glaubt man allen Ernstes, dass sie ihre Zeit nutzen, schreibend aktiv zu werden? Dauerhaft und kontinuierlich, eine solche Plattform am Leben erhaltend?

    Und was ist mit der arbeitenden Bevölkerung? Sie kommt dann abends heim und bloggt und recherchiert dann noch so ein bisschen für die Readers Edition?

    Ja, sicher liefere ich hier jetzt mehr Fragen als Antworten. Aber diese Antworten müssen jene geben, die vom Bürgerjournalismus schwärmen. Und die sollten runter kommen von einer idealisierten Vorstellung, dass hier der Journalismus von unten nach oben gemacht werden kann, dass sich hier eine neue Form von Demokratie etabliert, dass hier etablierte Medien “hinweggefegt werden”, wie ich es jüngst im Spiegel lesen konnte.

    Natürlich müssen wir Journalisten und Medien unsere Leser mehr einbinden. Ihnen die Möglichkeit zum unmittelbaren Feedback geben, die Chance, sich auch selbst (und ganz ohne uns Journalisten) zu unterhalten, sich zu artikulieren und uns auf die Finger zu klopfen, zu korrigieren, Ansprüche zu stellen, mitzumachen.

    Aber bei aller Euphorie: Mit dem Bürgerjournalismus ist es wie mit allem: Entweder betreibe ich etwas professionell oder ich mache ein Hobby daraus. Ein unverbindliches. Eine Arbeit nach Lust und Laune und Freizeit.
    Ob sich auf diese Weise Bürgerjournalismus betreiben lässt, muss ich mehr als bezweifeln.

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