Mitmachjournalismus, böser
Wenn ein Bild sehr gut ist oder einmalig, landet es auf der Titelseite. Ist ein Text langweilig, wird er höchstens vom Autoren und den Betroffenen gelesen. – Für Citzen Journalism gilt das gleiche wie für professionellen Journalismus. Im Guten aber auch eben auch im Schlechten, worauf in den letzten Tagen zahlreiche Medienberichte über “Bürger-Paparazzi” aufmerksam machten.
Angestoßen hatte die Diskussion das Bildblog, das u. a. einen Medienrechtler nach den möglichen rechtlichen Folgen für Leserreporter fragte, die Fotos nach Bild-Vorstellungen (“Blitzte für Sekunden der Busen eines prominenten Stars unter der Bluse hervor? Wurden Sie Zeuge eines Großbrandes oder eines Unfalls?”) beisteuern, ohne sich über das Presserecht und die Privatsphäre Betroffener Gedanken zu machen und so möglicherweise unbedacht selbst in Schwierigkeiten geraten. Nach zog u. a. Zapp nach und berichtet auch über Odonkor und Podolski, die gegen von Bild veröffentlichte Leserfotos rechtlich vorgehen wollen. Außerdem kritisiert das NDR-Medienmagazin die Readers Edition als PR-anfällig und berichtet wie die FAZ über ein Experiment der Saarbrücker Zeitung, die Handy-Fotos von Lesern annimmt.
“Mitmachjournalismus schadet der Zeitung”
“Stuttgarter Hauptbahnhof, Bahnsteig bis Rolltreppe – das bedeutet zehn Kids mit Fotohandy”, zitiert Turi2 Harald Schmidts Erfahrungen aus dem Spiegel. Der DJV – wen wundert’s – sieht “Leserreporter kritisch”:
(Pressemitteilung)Der Deutsche Journalisten-Verband warnt vor einer Aufweichung journalistischer Standards durch die so genannten Leserreporter. „Es entwertet die Arbeit von Redaktionen“, sagte DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, „wenn ambitionierte Amateure die Aufgaben professioneller Journalisten übernehmen. Der Mitmachjournalismus schadet auf Dauer dem Qualitätsprodukt Zeitung.
Eric Sundeloft, Stanford-Forscher und “Reuters Digital Media Fellow” meint hingegen im Interview mit PBS Mediashift:
I really see an opening here for citizen contributions. The key here is that the media organizations need to realize they are losing control. They can’t really control [the news] now because people are posting this stuff to other blogs. I think it would be better to merge traditional reporting with citizen media rather than have a [totally] new media.
onlinejournalismus.de steht Citzen Journalism prinzipiell aufgeschlossen gegenüber. Aber wir haben auch schon häufiger auf die Tücken hingewiesen. So hat Roman Mischel vor einiger Zeit auf Urheberrechts- und Haftungsfragen bei Zuschauer-Beiträgen am Beispiel N24 aufmerksam gemacht und Fabian Mohr meinte angesichts eines Paparazzi-Projekts mit GoogleMaps-Unterstützung: “Gawker Stalker ist hinter der amüsanten Fassade einfach krank – wie auch andere Google-Map-Mashups, die mit Personendaten um sich werfen.”).
Noch eine aktuelle Ergänzung: Medienrauschen kommentiert “Bürger-Paparazzis: Ein Mem erobert das Sommerloch”. Dann kann ja noch ein bisschen was kommen.




Onlinejournalismus hat nen ganz grossen Vorteil: Die Rückkopplung ist schon eingebaut. Man kann den Autor mit wenig Aufwand fragen oder Anmerkungen machen.
Informationen (insofern es welche sind) finden so besser zueinander.