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Müde Mediendienste

Eigentlich ist es nur eine Marginalie: Der Branchendienst “w&v” meldete gestern auf seiner Website: “Web 2.0: Stern startet Online-Bildagentur für Jedermann”. Ja und? Das hatten wir hier schon vor drei Wochen, etwas ausführlicher, kommentiert; wie in alten Web 1.0-Zeiten gelernt, haben wir sogar die so genannten Hyperlinks aktiviert (bei diesem w&v-Artikel ist dies nicht der Fall). Wir sind wohlgemerkt ein Non-Profit-Angebot.

In den letzten Wochen habe ich mir einige einschlägige Angebote für Medienschaffende mal etwas genauer angeschaut, bei manchen schaudert es einen, wie hemmungslos Pressemitteilungen übernommen werden. Eigene Recherchen, eigenes Bewerten, Formulieren – häufig Fehlanzeige. Und dabei richten sich doch gerade diese Dienste an andere Medienleute.

Und dann schaue ich mir eben auch Medienblogs an, die arbeiten zwar unregelmäßig, unberechenbar, sporadisch bei der Themenauswahl – aber dort werde ich viel mehr überrascht, da wird tacheles geprochen, da bekomme ich eben kein 08/15-PR-Blabla und manchmal gehts auch viel schneller. Von der Verlinkung untereinander und den Leserkommentaren ganz abgesehen. Da ist noch mehr drin. Für manche Blogger. Ob mancher altgediegene Mediendienst da noch eine Zukunft hat, bezweifle ich.

Umfrage zum Thema nutzergenerierte Videos

Jan Schmidt macht auf eine wissenschaftliche Umfrage aufmerksam (via Metablocker) und schreibt:

Patrick Rohrmeier studiert an der LMU und schreibt seine Diplomarbeit zum Thema “User Generated Content”, wobei er sich insbesondere auf Videoinhalte konzentriert (die bspw. bei Youtube eingestellt werden). [... ] Jetzt hat er mir den Link zu einer Online-Befragung geschickt, bei der es vor allem um die Motive geht, Videoinhalte online zu veröffentlichen.

Zur Umfrage (kurz, aber viel klicken) geht es hier. Tatsächlich wird viel nach Motiven der Nutzer gefragt – und wenig nach den Inhalten der Videos.

Reporterwelt – neues Blog der Weltreporter

Eben erhielt ich folgende Mail:

“Lieber Blogger-Kollege,
ab sofort ist REPORTERWELT online, das globale Blog des Korrespondentennetzes Weltreporter.net. Unter www.weltreporter.net/blog berichten wir über das Journalistenleben im Ausland, internationale Medienereignisse und die Auslandsberichterstattung in den deutschen Medien. Ziel ist die Verkleinerung der Welt. Mit besten Grüßen aus China, (…)”

Ganz kurz draufgeschaut. Und für gut befunden. Allein ein Beitrag von Martin Ebbing überzeugt mich schon. Also bitte mal reinschauen!

12 Millionen Leserreporter: “Bild” führt den Volks-Presseausweis ein

Gestern haben wir noch über den Presseausweis für “Bild”-Leserreporter spekuliert – heute macht das Boulevardblatt schon ernst damit: An allen Verkaufsstellen liegen die “Bild-Presseausweise” heute kostenlos aus. Zwar nur aus Pappe, aber trotzdem dem Original relativ ähnlich. Es bestehe keine Verwechslungsgefahr mit den “ordentlichen Presseausweisen” für hauptberufliche Journalisten, sagte “Bild”-Sprecher Tobias Fröhlich der Netzeitung. Die Ausweise seien eine “Werbeaktion für die Zeitung”. Weder in der Zeitung noch auf der Website wird übrigens auf diesen Ausweis hingewiesen.

In der “Bild”-Bundesausgabe heißt es heute: “BILD wird jeden Tag von 12 Millionen Menschen gelesen. BILD will alle 12 Millionen zu Leser-Reportern machen – und aus Augenzeugen Zeitzeugen!” Auf die gestrige Kritik des DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken geht “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann ausführlich ein:

“Diese Aussage zeigt die unerträgliche Arroganz mancher Journalisten gegenüber ihren Lesern. Die Wahrheit ist: Bislang bestimmten ganz allein Journalisten den Inhalt von Zeitungen und Zeitschriften. Das ist jetzt vorbei: Jetzt machen Leser als Leser-Reporter und Bürger-Journalisten mit! Der Leser-Reporter bringt den Journalismus nicht in Misskredit, sondern ist eine fundamentale Erweiterung journalistischer Arbeit. In Zukunft wird diese Arbeit der Leser-Reporter immer wichtiger. Ganz einfach deshalb, weil die Amateurfotografen – insbesondere bei unvorhergesehenen Ereignissen – als Augenzeugen dort längst zur Stelle sind, wo Profis in der Regel erst hinreisen müssen.”

Auf das BILDblog wird in nächster Zeit wohl viel Arbeit zukommen.

Drah Di net um, der Paparazzi geht um

Auch beim viel geschmähten österreichischen Boulevardblatt “Kronen Zeitung” gibt es jetzt Leserreporter. Das übliche Repertoire ist gewünscht:

“Ob Außergewöhnliches oder Seltsames, ob Kriminelles oder Skurriles: Einfach Foto machen und an die “Krone” senden! Wir machen unsere Leser zu Reportern!”

Damit es keinen Ärger gibt, sichert sich die “Krone” ab:

“(…) erklärt der Einsender, dass er das Foto selbst gemacht hat, damit in niemandes Rechte eingreift und dass er Krone.at bzw. die Kronen Zeitung in jedem Fall schad- und klaglos hält. Im Falle der Abbildung anderer Personen erklärt der User, dass er das Recht hat, diese Abbildungen zur Verfügung zu stellen.”

Zu verdienen gibt es allerdings nur 50 Euro für ein Foto, bei der “Bild” sind es 500 Euro. Von eigenen “Krone”-Presseausweisen nach dem Vorbild der “Bild” ist noch nicht die Rede.

“Vom Ärger der Leser profitieren”: Dossier “Leserdialog Online” der Initiative Tageszeitung

Auf 13 PDF-Seiten beschäftigt sich ein kostenloses Dossier der Initiative Tageszeitung e.V. (ITZ) damit, wie Medien vom Ärger ihrer Leser profitieren können. Was sich vielleicht etwas eigenartig anhört, ist im Grunde ganz plausibel: Es geht darum, die Meinungen, Informationen, Wünsche und Beschwerden der Leser aufzugreifen.

Die ITZ stellt drei Möglichkeiten hierzu vor:

  • Online-Bürgerforum – Zeitung bietet Forum für Bürgerbeschwerden
  • Ombudsmann-Modell – Zeitung setzt sich aktiv bei Bürgerbeschwerden ein; Zeitung als Vermittler bei Beschwerden über Dritte (Behörden, Firmen); Leseranwälte – bei Beschwerden über die Zeitung
  • Bürgerjournalismus – Zeitung bindet User als “Content”-Lieferanten ein
  • Das Dossier zeigt dies anhand von Beispielen, allerdings scheint die Zusammenstellung manchmal etwas willkürlich, lückenhaft und vor allem zu unkritisch. Trotzdem ist diese neue ITZ-Serie, die künftig monatlich unter dem Namen “ITZ-mehrWERT” erscheint, für Interessierte ein nützlicher Ratgeber.

    Video-Encoding, Studie

    Eine aktuelle Studie der Indiana University-Purdue University Indianapolis ist eine gute Entscheidungshilfe für Redaktionen, die künftig Videos in ihr Angebot integrieren wollen. Fünf verschiedene Encoding- und Streaming-Technologien werden darin im Hinblick auf Qualität, Usability und Kosten miteinander verglichen.

    Am besten geeignet sei die relativ unbekannte VX30-Technologie, da sie ohne einen speziellen Player auskommt (die Videos werden über ein Java-Applet abgespielt), der Encoder zügig arbeite und die Kosten sehr gering seien.

    In kurzen Tutorials erklären die Macher der Studie, welche Parameter man wählen sollte, um Videos mit den verschiedenen Technologien zu kodieren.

    Ein paar weitere Infos zur Studie habe ich hier aufgeschrieben.

    (via)

    Presseausweis für “Bild”-Leserreporter

    Es erinnert zunächst an selige “Yps”-Zeiten oder an die Klamaukaktion mit dem selbstgebastelten Blogger-Ausweis: Die “Bild” will ihren Leserreportern (siehe unser Beitrag “Mitmachjournalismus, böser”) in Zukunft einen eigenen Presseausweis ausstellen. Dies erfuhr der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) aus einer nicht genannten Quelle im Springer Verlag. Weiterlesen…

    “Leg los, Stephanie!”

    Sieht auf den ersten Blick aus wie damals Viva, ist es aber nicht, obwohl es auch aus Köln kommt: Die Boulevardzeitung Express experimentiert mit einer eigenen kurzen Videonachrichtensendung im Netz (via Epiblog).

    Auffällig an der ersten Folge von “Schneller! Der Express-Info-Kick” (abgesehen vom abstrusen Namen): Bis auf die Sequenzen mit Moderatorin Stephanie Lichius im On und den “Zuschauer des Tages” (“Ich bin der Walter, und das ist das Wetter.”) arbeitet man nicht mit Video, sondern mit Fotomaterial (tw. leicht animiert). Außerdem wird auf die gedruckte Ausgabe verwiesen (“Mehr lesen Sie …). Sympathisch: Im Abspann gibt’s gleich ein paar verpatzte Moderationsszenen.

    “Es wird noch nicht alles perfekt sein”, erklärt Onlinechef Thomas Kemmerer zum Start: “Schreiben Sie uns ruhig kritische E-Mails, lustige E-Mails!” (an tv@express.de).

    Interview mit einem anonymen WAZ-Blogger

    Im Medienschungel interviewt einen anonymen (und selbst bloggenden) WAZ-Redakteur über die ersten Erfahrungen im Verlag mit der neuen Online-Chefin Katharina Borchert. Was “WAZsolls” zu erzählen hat, ist ganz interessant (auch wenn’s angesichts von vier Wochen Erfahrungszeit nicht so viel sein kann) und sehr differenziert. Im Gegensatz etwas aufgesetzt konfrontativen (oder turimäßig kumpelhaften, evtl. witzig gemeinten?) Fragen, über die sich auch der Interviewte wundert:

    WAZsolls: Ist es gewollt, dass Deine Fragen vielfach schon die Richtungen der Antwort vorgeben? Das kenne ich nämlich von einem Kollegen, der immer empört ist, wenn die Befragten nicht in die Falle gehen.

    Zumindest meinen Geschmack trifft der Fragestil hier nicht (und das bitte nicht als billige Retourkutsche interpretieren, nur weil der Mediendschungel mich unlängst in einem Posting tadelte).

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