12 Millionen Leserreporter: “Bild” führt den Volks-Presseausweis ein

Von Thomas Mrazek am 31. August 2006

Gestern haben wir noch über den Presseausweis für “Bild”-Leserreporter spekuliert – heute macht das Boulevardblatt schon ernst damit: An allen Verkaufsstellen liegen die “Bild-Presseausweise” heute kostenlos aus. Zwar nur aus Pappe, aber trotzdem dem Original relativ ähnlich. Es bestehe keine Verwechslungsgefahr mit den “ordentlichen Presseausweisen” für hauptberufliche Journalisten, sagte “Bild”-Sprecher Tobias Fröhlich der Netzeitung. Die Ausweise seien eine “Werbeaktion für die Zeitung”. Weder in der Zeitung noch auf der Website wird übrigens auf diesen Ausweis hingewiesen.

In der “Bild”-Bundesausgabe heißt es heute: “BILD wird jeden Tag von 12 Millionen Menschen gelesen. BILD will alle 12 Millionen zu Leser-Reportern machen – und aus Augenzeugen Zeitzeugen!” Auf die gestrige Kritik des DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken geht “Bild”-Chefredakteur Kai Diekmann ausführlich ein:

“Diese Aussage zeigt die unerträgliche Arroganz mancher Journalisten gegenüber ihren Lesern. Die Wahrheit ist: Bislang bestimmten ganz allein Journalisten den Inhalt von Zeitungen und Zeitschriften. Das ist jetzt vorbei: Jetzt machen Leser als Leser-Reporter und Bürger-Journalisten mit! Der Leser-Reporter bringt den Journalismus nicht in Misskredit, sondern ist eine fundamentale Erweiterung journalistischer Arbeit. In Zukunft wird diese Arbeit der Leser-Reporter immer wichtiger. Ganz einfach deshalb, weil die Amateurfotografen – insbesondere bei unvorhergesehenen Ereignissen – als Augenzeugen dort längst zur Stelle sind, wo Profis in der Regel erst hinreisen müssen.”

Auf das BILDblog wird in nächster Zeit wohl viel Arbeit zukommen.

2 Antworten zu “12 Millionen Leserreporter: “Bild” führt den Volks-Presseausweis ein”

  1. politik.netzkompetenz.at » “Leser-Reporter” bei der Bild-Zeitung sagt:

    […] Kritische Anmerkungen dazu bei “Journalismus Online” und Bildblog. […]

  2. Bild Leserreporter - Fotografie und Bildjournalismus sagt:

    […] Die große Mehrheit der Fotos hat keinen Nachrichtenwert, sondern ist Klamauk oder Fotos von (B-) Promis. „Manchmal werden [die Leserreporter] auch Zeitzeugen. Halten das vertraute Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel mit US-Präsident George Bush fest. Oder dokumentieren den Brand der Luther-Kirche in Hannover.“, schreibt die Bild. Wirklich außergewöhnliches Material fehlt allerdings. Die „fundamentale Erweiterung journalistischer Arbeit“ die Bild-Chef Kai Diekmann prognostiziert hat, ist also bis jetzt nicht eingetreten. […]

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