Müde Mediendienste
Von Thomas Mrazek am 31. August 2006Eigentlich ist es nur eine Marginalie: Der Branchendienst “w&v” meldete gestern auf seiner Website: “Web 2.0: Stern startet Online-Bildagentur für Jedermann”. Ja und? Das hatten wir hier schon vor drei Wochen, etwas ausführlicher, kommentiert; wie in alten Web 1.0-Zeiten gelernt, haben wir sogar die so genannten Hyperlinks aktiviert (bei diesem w&v-Artikel ist dies nicht der Fall). Wir sind wohlgemerkt ein Non-Profit-Angebot.
In den letzten Wochen habe ich mir einige einschlägige Angebote für Medienschaffende mal etwas genauer angeschaut, bei manchen schaudert es einen, wie hemmungslos Pressemitteilungen übernommen werden. Eigene Recherchen, eigenes Bewerten, Formulieren – häufig Fehlanzeige. Und dabei richten sich doch gerade diese Dienste an andere Medienleute.
Und dann schaue ich mir eben auch Medienblogs an, die arbeiten zwar unregelmäßig, unberechenbar, sporadisch bei der Themenauswahl – aber dort werde ich viel mehr überrascht, da wird tacheles geprochen, da bekomme ich eben kein 08/15-PR-Blabla und manchmal gehts auch viel schneller. Von der Verlinkung untereinander und den Leserkommentaren ganz abgesehen. Da ist noch mehr drin. Für manche Blogger. Ob mancher altgediegene Mediendienst da noch eine Zukunft hat, bezweifle ich.
18. September 2006 um 16:32
Vielleicht sollte man einmal eine Liste der Schlagwörter aufstellen, die bei den Mediendiensten verwendet wurden, um den Erfolg des Internets zu “verschleiern”:
Paid Content … Verlängerung des erodierenden Abomodells ins Internet, gescheitert an der einfachen Regel, dass bei 99 % free Content die restlichen 1 % fast nie so gut bzw. exklusiv sein können, dass es sich betriebswirtschaftlich rechnet
Crossmedia … multimediale Angstblüte, gescheitert an der ebenso einfachen Tatsache, dass Menschen sich Internetadressen nicht merken können, zum Aufschreiben zu bequem sind und Bookmarks / Favoriten bei jedem Rechnerwechsel verlieren (ausser Journalisten, die sind gewohnt ihre Quellen zu archivieren)
Konvergenz … findet statt, jedoch über das Leitmedium Online
10. November 2006 um 18:18
“Müde Mediendienste”: Eine ähnliche Feststellung macht der Mittweidaer Medienprofessor Horst Müller in seinem Angebot Blogmedien: “Claqueur für Springer und Co. Der ehemals kritische Mediendienst Kress liefert heute vorwiegend PR für Großverlage”.