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Medienmagazin “V.i.S.d.P” landet im Papierkorb und erscheint nur noch als PDF

Das “Magazin für Medienmacher”, “V.i.S.d.P.” erscheint in Zukunft nur noch als PDF. Herausgeber Hajo Schumacher, unter anderem Autor des Muntermachers “Kopf hoch, Deutschland” und als Achim Achilles Kolumnist bei Spiegel Online, sieht’s gelassen. Schumacher teilt den Lesern in der ersten per E-Mail verschickten Ausgabe mit:

“Liebe V.i.S.d.P.-Freunde,
ab sofort sind wir schneller und aktueller, bleiben aber strikt fröhlichkeitsaffin. Statt des Hefts gibt es nun jeden Freitag dieses wundervolle Internet-Magazin, dass man sich auch ausdrucken und sonntags auf der Corbusier-Liege lesen kann.”

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Urlaubsfotos und Heise-Foren in die Nationalbibliothek

Alle deutschen Internetseiten speichern? Dauerhaft? Ein Wahnsinnsprojekt – aber Realität und bereits Gesetz, wie die SZ in einem längeren spannenden Artikel berichtet:

Sisyphos bekam von den Göttern eine Strafe auferlegt: Jeden Tag musste er einen Felsbrocken einen steilen Hang hinaufrollen. Bevor er den Gipfel erreichte, rutschte ihm der Stein aus den Händen, und er musste von vorne beginnen. Seine Aufgabe sollte trotz aller Mühen niemals erledigt sein. Das Gesetz zur Deutschen Nationalbibliothek vom 22. Juni 2006 hört sich an, als wäre es direkt der griechischen Mythologie entsprungen.

Dort steht, dass vom 29. Juni an auch Internet-Publikationen gespeichert werden. Jede einzelne deutsche Webseite. Auch Homepages von Privatleuten. Ein ehrgeiziges Projekt, das 2005 von Christina Weiss, zu dieser Zeit noch Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, ins Kabinett eingebracht wurde. Der Vorschlag geht zurück auf die Generalkonferenz der Unesco im Jahr 2001, die eine Resolution zur Bewahrung des digitalen Erbes annahm.

Die Nationalbibliothek hat bereits angekündigt, die Suche in drei Schritten anzugehen. Zuerst sollen alle Publikationen gesammelt werden, die eine Entsprechung im Printbereich haben – Monografien, Dissertationen, Online-Ableger von Zeitungen etwa. Dann folgen webspezifische Veröffentlichungen wie Forenbeiträge und Weblogs. Im dritten Stadium soll dann das gesamte deutsche Netz archiviert werden. Inklusive jener Homepages, die nicht unbedingt für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Die Seite mit privaten Urlaubsfotos etwa, die man nur seinen besten Freunden zeigen will, muss laut Gesetz ebenfalls archiviert werden

Wer sich das ausgedacht hat, muss verrückt sein, urteilt der SZ-Autor. Was ist mit Paid Content? Bleiben aus juristischen Gründen online entfernte Inhalte in der Bibliothek erhalten? Gipfel der Absurdität: Laut Gesetz (PDF) müssen die “Medienwerke” “in einfacher Ausfertigung“ „vollständig, in einwandfreiem, nicht befristet benutzbaren Zustand“ abgeliefert werden.

Mit Fragen der Archivierung von Online-Medien von der Bewahrung des kulturellen Gedächtnisses bis zu Tücken für Online-Redaktionen beschäftigt sich der Artikel “Die Geister der Vergangenheit” – passenderweise auf einer alten, archivierten Version unserer Website.

9/11 – multimedial

Anlässlich des fünften Jahrestages der Anschläge vom 11. September 2001 in den USA bringen Nachrichten-Sites umfangreiche Dossiers zum Thema. Viele mit eigenen Video-Zusammenschnitten der Ereignisse in New York. Einige mit erlebenswerten Multimedia-Features. Einige Beispiele, kurz kommentiert…

  • wdr.de mit einer Slideshow, teilweise mit Audio-Augenzeugen- oder Reporter-Berichten unterlegt. Schneidender, bedrückender Hintergrund-Sound.
  • SpiegelOnline erzeugt eine ähnliche Stimmung durch cineastische Schrift-Effekte und dramatische Klänge, die allerdings keine Fotos, sondern einige kurze chronologische Video-Clips unterlegen. Das ganze ansprechend im Design, leider fehlt der Hinweis im Teaser, dass man direkt in das Flash-PopUp katapultiert wird.
  • Ein schönes Multimedia-Dossier in dem Format, das bei tagesschau.de immer öfter genutzt wird.
  • oe24.at macht mit einem eigenen Video-Beitrag auf, in dem Österreicher schildern, wie sie den 11. September erlebt haben.
  • Ein außergewöhnlicher Ansatz bei zdf.de, und sehr umfangreich! In Zusammenarbeit mit dem International Herald Tribune und vielen Lesereinsendungen (Erinnerungen an den Tag des Grauens) entstand ein 3-D-Special, bei dem der User wie durch ein Museum läuft. In den einzelnen Räumen (Themen) verbergen sich hinter den “Bildern” an der Wand Audio-Slideshows und Video-Beiträge. Wem das zu schleppend geht (oder wer sich verlaufen hat), kann über die Sitemap schnell alles erreichen.
  • nytimes.com bringt neben dem wie üblich üppigen Grafik-Video-Foto-Audio-Mix einige interessante Features und besetzt damit einige Randthemen und Geschichten rund um den 11. 9.

Relaunch bei Spiegel Online

Ohne große Vorankündigungen hat Spiegel Online heute im Laufe des Nachmittags den Schalter umgelegt und sein neues Layout veröffentlicht. Relaunch Nr. 6 in der Geschichte von SpOn wirkt aufgeräumt und zeitgemäß. Die wichtigsten Änderungen hat SpOn-Chef Blumencron zusammengefasst.

Die Website ist weiterhin optimiert für eine Bildschirmauflösung von 800 Pixeln in der Breite. Werbung fehlt bisher, wird aber vermutlich in absehbarer Zeit wieder in voller Größe am oberen und rechten Bildschirmrand zu sehen sein, sodass eine Auflösung von 1024 Pixeln vorausgesetzt werden dürfte, um in den vollen Genuss zu kommen.

Die Navigationsleiste befindet sich nun am Seitenkopf und nicht mehr am linken Rand. Ein Trend, den viele Redaktionen bei ihrem Relaunch berücksichtigen und der durch die letzte Eyetrack-Studie bestätigt wurde. Spiegel Online hatte ja bereits vor zwei Jahren das Layout auf Artikel-Ebene angepasst: Die Navigation wanderte damals in ein Pull-Down-Menue am oberen Bildschirmrand, die Inhalte darunter wurden dann in zwei breiteren Spalten dargestellt (was mehr Raum für neue Werbeformen schaffte).

Auch in der aktuellen Version werden die Inhalte in zwei Spalten dargestellt. Auf der Centerpage ist die Hauptspalte etwas breiter, was auch größere Teaser-Fotos ermöglicht. Diese werden zwar noch spärlich eingesetzt, sind aber aktuell (6.9., 18:47 Uhr) zum Beispiel auf der Netzwelt-Centerpage zu sehen. Auf Artikel-Ebene ist die Hauptspalte etwa 100 Pixel schmaler, was für eine lesefreundlichere Formatierung des Textes sorgt.

Video und Multimedia-Elemente werden nach dem Relaunch stärker hervorgehoben: Der zweite Hauptnavigationspunkt heißt auch “Video”, sollte aber doch besser mit “Multimedia” beschriftet sein. Denn klickt man darauf, werden auch Punkte wie “Fotostrecken” aufgeführt.

Beibehalten wurde auch das farbige Leitsystem durch die Ressorts. Mit jedem Klick in eine andere Rubrik ändert sich jeweils die Farbe am Seitenkopf. Einigen Usern mag das als Orientierung dienen. Zu beobachten aber ist, dass andere Redaktionen sich von solchen Systemen wieder verabschieden, wie zum Beispiel n-tv.de. Dort zeigt sich die Site seit einigen Tagen quer durch alle Ressorts in einer Einheitsfarbe.

RSS-Feeds liefert SpOn nach wie vor leider nur als Schlagzeilen – keine Teaser, keine Bilder. Deutlicher hervorgehoben wird jetzt das Forum, doch eine Kommentierfunktion für zumindest einige Artikel (wie es beispielsweise stern.de vor einiger Zeit eingeführt hat) wäre schöner gewesen.

Unter der Haube setzt Spiegel Online nicht auf zeitgemäßes XHTML, sondern HTML 4.01 – allerdings wurde das Layout nicht mehr mit blinden Tabellen gebaut. Wer sich die Site mit größerer Schrift anschauen will, wird ab bestimmten Schriftgraden trotzdem mit merkwürdigen Überlappungen konfrontiert. Der obligatorische Validierungstest fördert am Tag 1 von Version 7.0 insgesamt noch 242 Fehler an die Oberfläche. Aber das wird vermutlich nach und nach am lebenden Objekt behoben.

Im Relaunch-Forum auf Spiegel Online hat sich mittlerweile eine lebhafte Diskussion entwickelt. Den ersten Meinungen nach scheint das neue Layout aber gut angenommen zu werden. Dem kann ich mich nur anschließen: Spiegel Online Version 7.0 sieht wirklich gut aus.

User-Agent: AboutUsBot Disallow: /

AboutUs.org (bewusst nicht verlinkt) ist einer dieser Dienste, die darauf spezialisiert sind, vollautomatisch Daten zu sammeln. In diesem Fall tragen Roboter jede Menge Informationen über Websites zusammen und bedienen sich bei den öffentlich zugänglichen WHOIS-Datenbanken.

In Deutschland sind diese Daten aber nicht ohne Grund rechtlich geschützt. Wer auf den Seiten der DENIC die Daten einer .de-Domain abfragen möchte, wird auf folgenden Hinweis stoßen:

Sie [Anm.: Die Daten] dürfen nur zum Zwecke der technischen oder administrativen Notwendigkeiten des Internetbetriebs oder zur Kontaktaufnahme mit dem Domaininhaber bei rechtlichen Problemen genutzt und ohne ausdrückliche schriftliche Erlaubnis der DENIC eG weder elektronisch noch in anderer Art gespeichert werden. Insbesondere die Nutzung zu Werbe- oder ähnlichen Zwecken ist ausdrücklich untersagt.

Wem als Betreiber einer Website die Datensammelei nicht geheuer ist, sollte die auf dem Webserver liegende Datei robots.txt um die Zeilen

User-Agent: AboutUsBot
Disallow: /

erweitern.

Da man gegenüber Diensten, die ungefragt und ohne rechtliche Grundlage Informationen sammeln, ohnehin nie skeptisch genug sein kann, sollte man vielleicht noch wirksamere Mittel anwenden. Einige davon sind hier beschrieben.

(via)

Kreise: Die Welt verändert sich

Wer in den nächsten Tagen Veränderungen bei Welt.de beobachtet: Die angekündigte Online-Offensive des Hauses Springer ist es wohl noch nicht, aber ein paar signifikante Operationen am lebenden Objekt seien hier und da zu erwarteten, heißt es “unter zwei” aus Kreisen in der künftigen Rudi-Dutschke-Straße.

(So, und jetzt fünf Euro in die Journalisten-Jargon-Kasse)

OJR/ Dank RSS übersehen

So kann es einem gehen, wenn man nur den RSS-Feed abonniert hat, man selten auf die eigentliche Website geht und obendrein Sommerpausenphänome hinzukommen: Das Online Journalism Review der University of Southern California, so etwas wie die wichtigste US-Publikation zum Onlinejournalismus, hat sich bereits vor längerem eine Blog-Optik verpasst – mir war das vollkommen entgangen. Weiterlesen…

OhMyNews startet Japan-Ausgabe

Die südkoreanische Website OhMyNews – das Vorzeigebeispiel des Bürgerjournalismus im Netz – hat erstmals ins Ausland expandiert: Seit ein paar Tagen gibt es ein eigenes OhMyNews-Portal für Japan.

Ronda Hauben hat dazu einen englischsprachigen Text bei OhMyNews geschrieben: Demnach sollen die Citizen Reporter in Japan abgesehen von Ausnahmen verpflichtet sein, unter ihrem Realnamen zu publizieren. Außerdem versuche das Portal eine möglichst neutrale Stellung in der Medienlandschaft einzunehmen.

oe24.at, erste Eindrücke

oe24.at, das Online-Angebot der neuen Tageszeitung “Österreich”, hinterlässt unter technischen Gesichtspunkten einen ersten überzeugenden Eindruck. Deutlich zu erkennen ist der multimediale Ansatz: Die Redakteure arbeiten aus einem Newsroom heraus sowohl für das Print- als auch das Online-Angebot.

Leider hatte ich die erste Ausgabe der Zeitung noch nicht in der Hand. Wohl aber Markus Schmeiduch, der in seinem Blog schreibt:

Auch sehr gut finde ich die starke Verschmelzung von Internetauftritt und Printzeitung. Hier wird vorgelebt, was seit Jahren diskutiert wird. Überall Verweise auf ergänzende Inhalte im Online-Auftritt. Vor allem sinnvolle Ergänzungen. Interviews als Podcast, etc.

Die Optik der Website ist wie immer Geschmackssache. Mit weißem Hintergrund und schwarzer Schrift macht man selten etwas falsch, ansonsten ist viel Rot im Spiel. Passend zu den Erkenntnissen aus der letzten Eyetrack-Studie wurde die Navigationsleiste am oberen Bildschirmrand untergebracht.

Über die Einteilung der Navigation lässt sich streiten. Übergeordnete Punkte sind “News”, “Life” und “Video”. Weil Videos ganz offensichtlich eine große Rolle bei oe24.at spielen und diese prominent in der Navigationsleiste hervorgehoben werden, kommt es zu merkwürdigen Dopplungen: Wer Sportnachrichten will, findet diese sowohl unter “News/Sport” als auch unter “Videos/Sport”.

Direkt unter der Navigationsleiste sticht die Aufmacher-Animation ins Auge: Im Abstand von einigen Sekunden werden verschiedene Bilder samt Schlagzeilen eingeblendet, die sich ressortweise abwechseln. Ein Design-Trend, über den wir vor kurzem berichteten. Das Flash-Plugin wird dabei vorausgesetzt. Wer es nicht hat, bekommt trotzdem eine Animation zu sehen. Die sieht dann zwar nicht mehr ganz so schön aus, funktioniert aber auch – allerdings nur mit eingeschaltetem Javascript. Wer auch das nicht hat, sieht statt eines Aufmachers nur eine große, weiße Lücke.

Der Inhaltsbereich ist dreigeteilt: In der Mitte eine mit etwa 300 Pixeln lesefreundlich dimensionierte Spalte für die Artikel, links eine schmalere für weiterführende Infos und Umfragen, rechts eine etwas breitere Spalte, in der ebenfalls zusätzliche Infos sowie Werbung Platz finden.

Inhaltlich ist oe24.at Boulevard mit etwas höherem Niveau als die Konkurrenz “Krone”, schreibt Frank Patalong:

Der Themenmix balanciert zwischen ernsthaften Nachrichten und “human touch”, was keine Schwäche ist: Gerade im Web erwarten das auch die Leser.

Wie die Leser allerdings mit Meldungen wie diesen umgehen, ist eine andere Frage. Gerade in die Rubrik “Digital” mischt sich schon nach dem ersten Tag der eine oder andere Text, der nach Schleichwerbung riecht (weil nicht nur sehr wohlwollend über ein Produkt geschrieben, sondern gleichzeitig auch die exklusive Bezugsquelle angegeben wird). Man kann so etwas natürlich als Service für die User interpretieren – die Grenzen sind da bekanntermaßen fließend.

Videos scheinen bei oe24.at wesentlicher Bestandteil der redaktionellen Arbeit zu sein. So werden beispielsweise Gespräche im Newsroom mit Studiogästen aufgezeichnet, eigene Berichte gedreht, sogar eine aus dem Newsroom moderierte Nachrichtensendung gehört zum Programm – davon könnten sich die Online-Auftritte vieler Fernsehsender eine Scheibe abschneiden.

(Kleiner Hinweis am Rande: Die eingebetteten Videos sollten nicht sofort anfangen zu laden, wenn man die Seite aufruft. Das nervt alle User, die mit einem Volumentarif surfen. Außerdem lässt es die Kosten für den Traffic explodieren.)

Unter der Haube setzt oe24.at auf zeitgemäßes XHTML 1.0. Am Code wird in den nächsten Tagen vermutlich noch gefeilt werden: Der Markup-Validator des World Wide Web Consortiums findet im Augenblick noch rund 100 Fehler auf der Startseite. Und die recht häufig auftretenden 404-Fehler hinter einigen Menuepunkten werden bald wohl auch der Vergangenheit angehören.

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