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US-Wahl: TV-Sites top, Blogger lala

Zwei Lehren aus der US-Wahlnacht, die das Project for Excellence in Journalism in einer umfangreichen Analyse gezogen hat:

1. The two most valuable things the news media offers on these fast-moving election nights now is a quick summary of key results for those wanting the headlines and deep veins of data that users can mine on their own. That may explain why TV Web sites fared well.

5. When the system works—voting occurs without widespread problems and the media establishment isn’t faltering—citizen sentinels, bloggers, and other observers, while potentially important watchdogs, have a more restricted role.

Suche nach Perlen weiter erlaubt

Das Landgericht hat gestern die Klagen von SZ und FAZ gegen Perlentaucher abgewiesen (Presseschau), die u. a. urheber- und wettbewerbsrechtliche Argumente angebracht hatten. Die Richter sahen die Resümees und Rezensionsnotizen von Perlentaucher aber “eigengestaltet” und mithin keinen Verstoß an (anonymisiertes Abstract des Urteils als PDF).

Online News Association in Hamburg

Wie berichtet wollen Ulf Grüner (Medienberater und Trainer) und Daryl Lindsey (SpOn English Edition) die Online News Association (ONA) Germany in Hamburg mit Leben füllen. Am 6. Dezember findet von 17 bis 20 Uhr bei Gruner + Jahr eine Veranstaltung statt, bei der Paul Brannan (BBC News) die neue BBC-Abteilung User Generated Content vorstellt, Katie King von der ONA-Konferenz 2006 und über Online Journalism Awards 2006 berichtet.

Anmeldung per Mail an ona-hamburg at ulfgruener.de.

Readers Edition plant auch Zwonull

Die mit großem Trara und bislang verhaltenem Erfolg gestartete Readers Edition, das Citizen-Journalism-Projekt der Netzeitung, will laut Hugo E. Martin in den nächsten Monaten eine zweite Stufe zünden.

Dazu brauchen wir (mein Auftraggeber und ich) qualifizierte, professionelle MitarbeiterInnen (und solche die das werden wollen!) aus den Bereichen:

- Social Media & Software Technologie
- Citizen Journalismus (Text, Audio und Video)
- Community Management, Communication und Marketing Profis
- Webdeveloper, Programmierer, Grafik & Layout

schreibt Medienberater Martin, der seinem Blog den griffigen Namen “HEM on C-Journalismus & Social Media” verpasst hat. Die Netzeitung, auf deren Seiten bisher noch nichts dergleichen zu finden ist, biete deshalb “ab sofort 5 Volontär- bzw. Praxisstellen”, für die die Bewerber gleichwohl neben Engagement auch entsprechende Erfahrung mitbringen sollen.

Über Ausbaupläne von sueddeutsche.de und Focus Online berichtete gestern die Berliner Zeitung.

Holtzbrinck-Journalistenpreis für Zeit-Blogger

Den erstmals in der Kategorie Online verliehenen Georg von Holtzbrinck Preis für Wirtschaftspublizistik 2006 gewann der Finanzmarktkorrespondent der “Zeit”, Robert von Heusinger. Heusinger wurde für die Beiträge “It´s the Credit stupid!” und “Überschätzte Strukturreform – unterschätzter Bau!” auf seinem Zeit.de-Blog Herdentrieb ausgezeichnet.

In der Jury-Begründung heißt es:

“Mit dem Web-Blog [sic] werden neue und spannende Impulse für die wirtschaftspolitische Debatte gegeben. (…) Es mobilisiert interessierte Besucher und Diskutanten, den “Kapitalismus” zu ergründen, sich kritisch mit ihm auseinanderzusetzen und gibt ihnen somit Orientierung in die aktuelle makroökonomische Debatte.”

Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert. “Die Zeit” gehört zur Unternehmensgruppe Holtzbrinck.

Relaunch bei El Pais

El Pais hat eine Relaunch hinter sich: Die Site geht deutlich in die Breite (Fotos auf Artikelebene betrachten) und liegt auch sonst im Trend der jüngsten Relauches: Flash-Videos auf der Startseite, eine Tag Cloud und eine Homepage, auf der mehrere große jeweils quer orientierte Blöcke untereinander stehen. Letzteres sieht bei El Pais erstens ein bißchen nach too much aus und vermittelt zweitens beim Scrollen den Eindruck, man sei bereits am Seitenende angelangt. (via E-Media Tidbits)

Springers Online-Offensive startet mit Torte von Spiegel Online

Das Bemerkenswerteste beim heutigen Start von Springers so genannter Online-Offensive war wohl die Torte, die Mitbewerber Spiegel Online den Berliner Kollegen spendierte. Selbstironisch befassten sich die Springer-Leute mit dieser Geste. Kräftig wurde aber auch die Werbetrommel gerührt:

“In der Nachrichtenzentrale werden künftig alle Inhalte gebündelt. Neben den Printmedien werden Websites und neue Medienkanäle wie Mobildienste, Videos und Podcasts beschickt. Da kommt die Konkurrenz ausstattungsmäßig nicht mit,” protztschreibt Welt.de über den Start des “größten integrierten Newsroom Deutschlands”.

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Online-Leser nur ein Zehntel wert?

Andreas Bittner, Vorsitzender des Fachausschuss Online-Journalisten im Deutschen Journalisten-Verband, weist in einem Beitrag auf der jonet-Mailingliste auf ein Spiegel Online-Interview mit “Economist”-Chefredakteur John Micklethwait hin, dort heißt es:

Tatsache ist: Bisher ist das Prinzip, dass Printmedien Wörter an Leser verkaufen und Leser an Anzeigenkunden. So verdienen sie Geld. Im Internet könnte es genauso funktionieren, allerdings sind dort die Preise noch anders: Im Internet braucht man derzeit zehn Leser, um das Gleiche zu verdienen wie mit einem Leser von Zeitungen oder Zeitschriften. Soll heißen, der Wert eines Online-Lesers beträgt nur ein Zehntel dessen eines Heftkäufers. Das ist sicher eine Herausforderung.

Handwerkszeug heute und morgen

Das Blog der Darmstädter Online-Journalisten macht auf eine Studie aufmerksam, die im Rahmen einer Masterarbeit an der Medill School of Journalism und in Kooperation mit der Online News Association durchgeführt wurde (PDF hier). Gefragt wurde nach den Online-Nachrichtenredaktionen geforderten Fähigkeiten. Befragt wurden einmal ONA-Mitglieder, zum zweiten gab’s eine Selbstrekrutierung über Blogs.

Der Studie zufolge kommt es weniger auf spezifisch online-technische Produktionskompetenzen an, als auf klassische journalistische Fähigkeiten: Aufmerksamkeit fürs Detail, Nachrichtenbewertung, Sprachkompetenz (Grammatik und Stil), die Fähigkeit, unter Zeitdruck zu arbeiten, mehrere Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten etc.

So fasst Lorenz Lorenz-Meyer die Ergebnisse zusammen. So viel hat sich also nicht verändert – diese Prioritäten kamen auch in früheren Studien zutage, wie ich schon seinerzeit bei meiner Studie “Ausbildung für den Online-Journalismus” (2001) festgestellt habe. Lorenz-Meyer merkt an:

Erstaunlich vielleicht, dass Multimedia-Authoring und Audio- und Videoproduktion praktisch noch keine Rolle spielen. Dabei sollte man sich aber klar machen, dass es sich hier nicht um eine Trendstudie handelt, sondern um eine Bestandsaufnahme, die vor ca einem Jahr erhoben wurde.

Und: Audio- und Video-Bearbeitung erhalten jeweils Zustimmungsraten um die 20 Prozent, wenn nach erforderlichen/tatsächlich gebrauchten Fähigkeiten von Online-Journalisten gefragt wird. Damit wird beidem schon ein deutlich höherer Stellenwert eingeräumt als in meiner Befragung von Ausbildungsverantwortlichen seinerzeit. In jedem Fall können wir gespannt sein, wie der Online-Video-Boom im nächsten Jahr weitergeht (Stichwort Focus Online et al). Die Anzahl an Fortbildungsmöglichkeiten für Video-Journalisten wächst im Moment jedenfalls deutlich, so mein Eindruck.

BBC mag das C-Wort nicht

“We don’t call it citizen journalism. ”

Ein starker Eröffnungsatz, besonders wenn er von einem BBC-Vertreter kommt – ist die BBC doch gerade Pionier, wenn es darum geht, Nutzer-Inhalte sinnvoll in ein journalistisches Angebot einzubinden. Das Zitat stammt von Kevin Geary von BBC Interactive, der beim Welt Audio Festival in den Niederlanden einen Vortrag über den Wandel des öffentlich-rechtlichen Senders und Bürgerjournalismus gehalten hat. Die interessantesten Punkte seines Vortrags (laut De Nieuwe Reporter):

  • Die BCC erhält 15.000 E-Mails pro Tag.
  • Die BBC zahlt nur in Ausnahmefällen für User Generated Content (wenn aber etwas “Bürgerjournalismus” heiße, würden die Gewerkschaften Bezahlung für die Journalisten einfordern, meint Geary demnach. Eine steile These?).
  • Videos der Sendung “Newsnight” werden über YouTube häufiger gesehen als über die BBC-Website. Der Sender hat nichts dagegen und ermutigt die Nutzer zum Weiterpublizieren.
  • Rücksprache mit Einsender von Usermaterial für Erlaubnis und Verifizierung ist Standard.
  • Werbung auf der BBC-Website ist geplant.

Die Niederländer haben auch ein Audio-Interview mit Vicky Taylor von BBC Interactive online (auf englisch – mit schönen Skype-Sounds im Hintergrund): “Das letzte Jahr hat den Journalismus verändert. Und das ist erst der Anfang.”

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