Springers Online-Offensive startet mit Torte von Spiegel Online

Das Bemerkenswerteste beim heutigen Start von Springers so genannter Online-Offensive war wohl die Torte, die Mitbewerber Spiegel Online den Berliner Kollegen spendierte. Selbstironisch befassten sich die Springer-Leute mit dieser Geste. Kräftig wurde aber auch die Werbetrommel gerührt:

“In der Nachrichtenzentrale werden künftig alle Inhalte gebündelt. Neben den Printmedien werden Websites und neue Medienkanäle wie Mobildienste, Videos und Podcasts beschickt. Da kommt die Konkurrenz ausstattungsmäßig nicht mit,” protztschreibt Welt.de über den Start des “größten integrierten Newsroom Deutschlands”.

Das neue Welt Online-Portal soll Anfang 2007 starten. Christoph Keese, Chefredakteur der “Welt am Sonntag” und Leiter der Welt Online-Redaktion, meinte in wuv.de: “Wir nehmen Online gleich wichtig wie die gedruckte Zeitung und schützen die Texte nicht mehr bis zum Abend.” Das sei für ihn “fast eine Revolution”. Jeder der mehr als 400 Journalisten der Zeitungsgruppe “Welt/Berliner Morgenpost” werde dadurch zum
Online-Redakteur, schreibt die “Welt” in einer Pressemitteilung.

Wie der Arbeitsalltag im neuen Newsroom aussieht, beschreibt eine dpa-Meldung bei Heise.de:

Eine neue Zentralredaktion im 15. Stock des Springer-Hochhauses in Berlin verteilt die Inhalte auf zwei Internetportale, vier Zeitungen, SMS-Dienste und andere Angebote. (…) Damit es im Großraumbüro nicht drunter und drüber geht, gibt es strenge Regeln: So sind keine Büropflanzen erlaubt, um die Verständigung nicht zu behindern und den Blick auf die riesigen Videoleinwände frei zu halten. Da die Arbeitsplätze von 6.00 Uhr bis 0.30 Uhr wechselnd besetzt sind, darf auf den Schreibtischen nichts liegen bleiben. Die Putzkolonne wirft bis zum Beginn der Frühschicht alles weg, was nicht fest auf dem Tisch verankert ist.”

Mit der Umgestaltung wolle Springer den veränderten Gewohnheiten vor allem junger Menschen entgegenkommen, die mehr im Internet surfen und weniger Zeitung lesen, heißt es in der Meldung weiter. Außerdem wolle der Verlag vom steigenden Online-Werbeumsatz profitieren.

Nachtrag 19.11.06
Zwei Artikel aus der “Welt am Sonntag” beschäftigen sich mit dem Thema: In seinem Beitrag “Da wächst etwas zusammen, überall auf der Welt” hält Christian Meier den integrierten Newsroom für die “Zukunft” des Journalismus. Netter Einstieg übrigens: “Bis vor kurzem hockte das journalistische Prekariat noch in den Online-Redaktionen der Verlage”. Dann gibt es noch eine ausführliche Selbstbeschau: “Wie Deutschlands modernster Nachrichtenraum funktioniert”.

Nachtrag 20.11.06
Auf die negativen Folgen, die dieser Newsroom für Leser und Redakteure haben kann, weist heute die “Berliner Zeitung” in ihrem Artikel “Ein Raum, ein Team – Einfalt?” hin.

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