Online-Video und Zeitungen

Flash-Videoplayer auf Nachrichtenseite (Foto: Mischel)

„Video“ war eines der Schlagwörter 2006. Und wie aus Branchenkreisen zu hören ist, wollen einige Online-Redaktionen im kommenden Jahr beachtliche Summen investieren, um ihre Berichterstattung mit bewegten Bildern zu bereichern. Grund genug für eine Momentaufnahme: Wie setzen deutsche Online-Redaktionen, deren Ursprung im Print liegt, heute Video ein? Ein kurzer Überblick.

Vorab folgendes: In diesem Text geht es nicht um die Video-Aktivitäten der Online-Ableger von Fernsehsendern, sondern ausschließlich von Tageszeitungen und Wochenzeitschriften.

Auf den meisten Websites deutscher Tageszeitungen spielt sich in Sachen Video heute noch nichts ab. Als Grundlage für diesen kurzen Überblick habe ich mich bei Alexander Svenssons Wiki „Features von Zeitungs-Websites in Deutschland“ bedient. Darin werden zurzeit insgesamt 101 deutsche Tageszeitungen sowie vier Wochenmagazine/-zeitungen systematisch auf verschiedene Kriterien überprüft, u.a. ob dort Videos angeboten werden.

Zoom.in – Videos von der Stange

Insgesamt 26 Tageszeitungen, darunter lokale Größen wie die Rheinische Post, die WAZ, die Leipziger Volkszeitung, aber auch überregionale Zeitungen wie Die Welt oder die Frankfurter Rundschau, nutzen das Video-Netzwerk des niederländischen Dienstleisters zoom.in. Nach eigenen Angaben produziert zoom.in „täglich ca. 150 Nachrichtenvideos in acht Sprachen aus den Rubriken Inland, Ausland, Börse, Sport, Film, Besonderes, Trends und Unterhaltung“. Neben dem deutschen Markt ist das Unternehmen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Spanien und Italien aktiv.

Die Qualität der zoom.in-Videos ist sehr unterschiedlich, was wohl daran liegt, dass sie aus einem Pool von ganz verschiedenen Autoren zusammengekauft werden. Ausgeliefert werden die Filmberichte ausschließlich als Streams im Windows-Media-Format (WMV), die stets in einem javascript-gesteuerten Popup-Fenster starten.

Weil auf allen Websites, die zoom.in nutzen, ein und dieselben Berichte zu sehen sind, kommt es vor, dass auch jede Menge Unnützes darunter ist. So wird zum Beispiel ein Video über die Sperrung der A2/A31 am Autobahnkreuz Bottrop sowohl beim Hamburger Abendblatt als auch bei der Ostthüringer Zeitung vorübergehend als Topmeldung im Ressort „Inland“ eingeordnet. Für die dort lebenden User dürfte der Nachrichtenfilm allerdings kaum einen Wert haben.

Umfragen – unterhaltsam und schnell produziert

Einige Tageszeitungen, wie etwa der Münchner Merkur, haben daher neben dem zoom.in-Material noch exklusiv Produziertes – wenn auch nicht aus der eigenen Redaktion – im Programm. Hinter der „Frage des Tages“ verbirgt sich, wie der Name verrät, eine Straßenumfrage zu einem tagesaktuellen Thema.

Aus redaktioneller Sicht sind Umfragen in mehrfacher Hinsicht eine gute Wahl: Sie sind kurzweilig und gleichzeitig Werbung auf der Straße für das eigene Produkt (die Befragten werden sicher wissen wollen, wo sie hinterher auftauchen, zumal sie – wie beim Münchner Merkur – auch noch eine Grußbotschaft loswerden dürfen). Zudem sind Umfragen im Zweier-Team schnell produziert. Schade nur, dass das offenbar im August gestartete Format beim Münchner Merkur so langsam wieder einzuschlafen droht.

Videos wie von Hobbyfilmern

Eine Hand voll Lokalzeitungen unterhalten inzwischen Rubriken mit ganz eigenen, teils regelmäßig produzierten Videos. In der Qualität unterscheiden sich diese zum Teil deutlich.

Wie man es am besten nicht machen sollte, zeigen zum Beispiel die Nürnberger Nachrichten in ihren „Videoclips Regional“. Schon bei der Einbindung der Videos gibt es erhebliches Verbesserungspotenzial: Ein kurzer Teaser, manchmal auch ein ganzer Artikel, daneben ein Thumbnail samt Link auf eine WMV-Datei – ohne Angaben über Format, Länge, Download-Zeit etc.

Was also passiert, wenn User das Vorschaubild anklicken, lässt sich kaum prognostizieren und dürfte von Anwender zu Anwender – je nach Betriebssystem und Ausstattung – variieren. Im Idealfall startet nach dem mehrere Megabyte schweren Download das Video.

Wer es soweit geschafft hat, wird sich anschließend fragen, was das soll: Der Informationswert der Videos geht gegen nahezu null, was vor allem daran liegt, dass es sich um einen unkommentierten Zusammenschnitt von Bildern handelt – also im Grunde genommen Rohmaterial, genauso wie es von TV-Nachrichtenagenturen an Sender geliefert wird, die damit Beiträge produzieren. Ohne Kontext sind solche Bilderteppiche so gut wie wertlos.

Kein Off-Sprecher

Ganz ähnlich sehen die offenbar ersten Gehversuche beim Trierischen Volksfreund aus. Zwar werden die WMV-kodierten Videos dort direkt in die Seiten integriert, aber auch hier gibt es niemanden, der einen Off-Text über die Bilder spricht. Der Zuschauer wird mit den Impressionen allein gelassen.

Wer sich einige der Volksfreund-Videos genauer anschaut, wird sehr schnell den Amateur-Charakter der Aufnahmen bemerken. So zeigt beispielsweise das Video über eine Bombenevakuierung in Bitburg nach rund zwei Minuten für längere Zeit die Beine einer Frau, die sich gerade mit ihrer Nachbarin unterhält. Als Zuschauer wird man das Gefühl nicht los, dass die Kamera hier wohl versehentlich weitergelaufen sein muss. Nur: Warum hat das niemand herausgeschnitten? Oder besser: Warum wurde es in das Video hereingeschnitten?

Fragend zurückgelassen werden User zuweilen auch beim Südkurier, wo die Einbindung der aktuelleren Videos über einen modernen Flash-Player zwar technisch auf dem Stand der Zeit efolgt. Doch inhaltlich sieht’s ziemlich mau aus. Beim Treffen der Staatsoberhäupter in Meersburg, einem echten lokalen Highlight also, sieht man nichts weiter als sehr verwackelte, unscharfe Aufnahmen, die nicht kommentiert werden. Auf der gefilmten Konferenz hatte Bundespräsident Horst Köhler sicher einiges zu erzählen. Doch im Video landet nur eine triviale Aussage. Mehrwert für den Aufwand des Nutzers: null.

Interessanter für User aus der Region dürften da schon die (ebenfalls WMV-kodierten) Videoclips bei der Deister- und Weserzeitung sein, zumindest die Clips aus September 2006. Dort findet sich eine Auswahl an Interview-Mitschnitten mit den Hamelner Oberbürgermeister-Kandidaten direkt nach der Wahl. Für Interessierte Bürger sicher ein nützlicher Service.

Doch der überwiegende Rest der seit Februar 2005 geführten Video-Galerie ist ähnlich anspruchslos wie beim Südkurier oder dem Trierischen Volksfreund: Ohne Off-Kommentar sind sie bloße Belege des Dabeigewesenseins, für den Zuschauer ergibt sich kein Mehrwert.

Lokale Nachrichten im Film

Von ganz anderem Kaliber sind die Videos der Ostfriesischen Nachrichten: Gut gedreht, sauber geschnitten, ansprechend getextet und überzeugend gesprochen. Da scheint jemand sein Handwerk zu verstehen und Spaß daran zu haben, was an einigen Details in den Videos zu erkennen ist: Wo es die Situation zulässt, wird vom Stativ gedreht; Schwenks sind nicht unmotiviert und wackeln auch nicht; Gesichter von O-Ton-Gebern werden mit einer Kamerakopfleuchte aufgehellt; der Ton wird so wichtig genommen wie das Bild. Und: Text und Bild ergänzen sich.

Die so hoch gelegte Messlatte erreicht die Badische Zeitung mit ihrem Angebot nicht. Dort sind Videos (im WMV-Format) seit Anfang 2004 Teil der Berichterstattung. Mehrere Autoren berichten seitdem mehr oder weniger regelmäßig.

Einige der Videos sind nett getextet und einfallsreich gedreht bzw. geschnitten, andere wiederum wirken wie erste Gehversuche von Hobbyfilmern beim Offenen Kanal: Bildanschlüsse stimmen nicht, die Vertonung klingt fad wie ein langweilig abgelesener Text.

„Live vom Kartoffelfest“

Bei lokalen Ereignissen wie dem jährlichen Kartoffelfest oder dem Weihnachtsmarkt greifen schonmal die Redakteure des Delmenhorster Kreisblatts zu Kamera und Mikrofon. Doch auch hier laufen lange Bildstrecken meistens ohne Kommentar und sollen ausschließlich von der Atmo leben.

Absolut sinnvoll hingegen sind die Mitschnitte von Pressegesprächen mit hochrangigen Politikern, die zu Gast sind. Da ergeben sich jede Menge Verknüpfungsansätze zwischen dem Printprodukt und der Website.

Technisch ist die Video-Rubrik des Delmenhorster Kreisblatts auf dem neuesten Stand: Die Clips sind direkt in die Seiten integriert und werden über ein Flash-Interface abgespielt.

Lokale Nachrichtensendungen

„Schneller!“ heißt eine Nachrichtensendung, die seit August täglich (außer am Wochenende) auf der Website der Boulevard-Zeitung Express zu sehen ist (wir berichteten). Mit dem lockeren Moderationsstil wird ganz offensichtlich eine jüngere Zielgruppe anvisiert. Beim Anspruch täglich aktuell zu sein, muss der Express Kompromisse eingehen: Weil die Rechte an Bewegtbildmaterial meistens fehlen, muss die Redaktion auf Fotos zurückgreifen. Damit das nicht ganz so statisch aussieht, werden die Fotos mal ein wenig gezoomt bzw. über bestimmte Ausschnitte geschwenkt.

Ähnlich sieht es bei der Nachrichtensendung Rheinblick des Kölner Stadt-Anzeigers (KSTA) aus. Mit deutlich seriöserem Anstrich hebt sich die Sendung zwar vom Express ab, doch an bewegten Bildern mangelt es oft auch hier.

Darüber hinaus hat die kürzlich gestartete KSTA-Video-Offensive noch einige andere bemerkenswerte Formate in petto. „Chris on Tour“ ist beispielsweise eine Art Videoblog (zumindest wird es dort Videoblog genannt; es fehlt aber z.B. die Möglichkeit zu kommentieren), das jeden Donnerstag mit einer neuen Episode an den Start geht.

„Geschichten mitten aus dem Alltag, die trotzdem nicht alltäglich sind“ lautet das Motto von Chris on Tour. Die Machart ist schnell erklärt: Man nehme einen Kameramann sowie einen Reporter, der fast ständig im On zu sehen ist und am jeweils gewählten Ort durch die Story führt, also Leute auf der Straße anspricht und nach ihrer Meinung fragt. Insgesamt also leichte, unterhaltsame Kost, die handwerklich solide gemacht ist.

Auch bei den anderen Formaten, die der Kölner Stadt-Anzeiger im Programm hat (eine Nachrichtensendung rund um den 1. FC Köln sowie eine wöchentliche Straßenumfrage), fallen mir zwei Dinge auf:

  1. Musik ist ein gern genommenes Gestaltungsmittel der Redaktion. Von den komplizierten Bedingungen zur Musiknutzung lässt man sich offenbar nicht abschrecken.
  2. Die Videos können zwar mit einem Flash-Player abgespielt werden, die Kodierung ist aber miserabel (zu erkennen an den mosaikartigen Klötzchen, wenn schnelle Bewegungen oder Bildwechsel stattfinden). Offenbar werden die Clips mit dem Sorenson Spark-Codec komprimiert, um sie noch kompatibel zum Flash-Player in der Version 6 zu halten. Zeitgemäß wäre aber eine Kodierung mit dem On2 VP6-Codec, auch wenn die Wiedergabe solcher Videos erst ab Flash in der der Version 8 unterstützt wird.

Die Überregionalen – Handelsblatt ist Vordenker

Schaut man sich den Aktivismus an, den die lokalen Zeitungen an den Tag legen, fragt man sich: Was machen eigentlich die großen Spieler am Markt?

Ob bei der Frankfurter Allgemeinen oder dem Sternüberall dasselbe: Nachrichten-Videos der Agentur Reuters. Und auf den Seiten der Süddeutschen Zeitung spielt Video eigentlich auch keine große Rolle. Nur ab und zu finden User den ein oder anderen Clip, meistens Reuters-Videos, manchmal auch exklusiv Produziertes.

Beim Düsseldorfer Handelsblatt wird die Rubrik Video-News ebenfalls ausschließlich mit Material von Reuters gefüllt.

Darüber hinaus experimentiert die Zeitung aber auch mit eigenen Formaten, zum Beispiel dem „Elektrischen Reporter“, der sowohl auf der Website der Zeitung zu sehen ist als auch im gleichnamigen Video-Blog. Dabei handelt es sich um längere Interviews mit Vordenkern des Internets. Die Machart ist – wie vieles – Geschmackssache: Nach einem fetzigen Intro folgt eine Anmoderation von Mario Sixtus, anschließend dann ein längeres Gespräch (wobei die Fragen des Reporters leider nie zu hören sind, da sie durch Texttafeln ersetzt werden).

Vorbildlich ist die Art und Weise der Distribution: Neben einem sofort abspielbaren Flash-Video auf der Website werden alle möglichen Download-Formate angeboten. Wer den Elektrischen Reporter beispielsweise über iTunes für seinen iPod abonnieren möchte, kann das genauso tun wie Episoden in sein eigenes Blog einbinden. Denn jeder Teil wird über die üblichen Video-Portale wie YouTube oder Sevenload vertrieben. Sympathisch: Das Material wird unter Creative Commons-Lizenzbedingungen veröffentlicht. Wer also damit weiterarbeiten möchte, darf das unter bestimmten Umständen auch tun.

Desweiteren bietet das Handelsblatt Beiträge aus der TV-Sendung „Made in Germany“ an, das von der Deutschen Welle produziert wird – Videos von hoher Qualität also, die zu einer Zeitung mit Schwerpunkt Wirtschaft gut passen.

Das interessanteste Experiment ist aber wohl das mobile Video-Blog, von dem sich Handelsblatt.com-Chef Julius Endert „spannende Gespräche und Reportagen“ erhofft. Die Idee dahinter ist eigentlich naheliegend: Handelsblatt-Reporter haben ein UMTS-fähiges Handy dabei, können damit also – nahezu egal, wo sie sich gerade aufhalten – auch ein Video aufzeichnen und es an die Redaktion senden. Das bisherige Zwischenergebnis lässt von „spannenden Reportagen“ wenig vermuten – aber das Ganze steckt ja auch noch in den Kinderschuhen. Was sich übrigens auch technisch bemerkbar macht: Video- und Audiospur laufen nicht synchron.

Die Video-Offensive der Wochen-Zeitschriften

Als Spiegel Online Ende 2005 Stellen unter anderem für seine neu zu gründende Video-Redaktion ausschrieb, war das Echo überwältigend. Heute, fast ein Jahr später, kann sich die Aufbauarbeit dort sehen lassen. „Video“ ist einer der Top-Navigationspunkte der Website.

Dort sind neben den obligatorischen Nachrichten-Videos von Reuters (die unter anderem ganz normal in Artikel oder auf Center-Pages eingebunden werden wie Fotos, wir berichteten) auch jede Menge Eigenproduktionen zu finden. Inzwischen beschäftigt Spiegel Online zwei festangestelle Video-Redakteure, die – wenn es ein Thema erfordert – selbst schneiden und vertonen. Als Grundlage dient dabei meist zugeliefertes Material von Nachrichten-Agenturen bzw. wissenschaftlichen Organisationen wie in diesem Beispiel. Ist kein Bewegtbild-Material vorhanden, dann müssen eben Fotos herhalten.

Für die täglich mehrmals aktualisierte Nachrichtensendung, die prominent auf der Startseite rechts oben platziert ist, kooperiert Spiegel Online mit Spiegel TV. Die Machart ist klassisch: Nach einer Anmoderation folgen kurze Nachrichtenfilme, jeweils unterbrochen durch einen Trenner, dann folgt eine Abmoderation. Kurz und bündig, schnell auf den Punkt.

Zudem kauft Spiegel Online auch fremde Formate ein. Prominentestes Beispiel ist sicher das Video-Blog Ehrensenf, das in der Rubrik „Netzwelt“ zu sehen ist. Während der Fußball-Weltmeisterschaft gab es jeden Tag eine unterhaltende Video-Kolumne von Carsten van Ryssen, bekannt aus dem TV-Magazin Polylux, zu sehen.

Welchen Nutzwert Formate wie etwa Matusseks Kulturtipp bieten, lässt sich wohl nur herausfinden, indem man sie einfach ausprobiert. Und selbst wenn sie in die Hose gehen – Unsummen wurden für die Produktion ja nicht ausgegeben. Zwar scheint hin und wieder ein Kameramann an der Herstellung beteiligt zu sein, doch offensichtlich kommt es auch beim Spiegel mal zu personellen Engpässen.

In solchen Fällen muss sich der Protagonist eben selbst um die Technik kümmern, mit allen denkbaren Nebenwirkungen (Bücherregal im Hintergrund scharf, Kopf im Vordergrund unscharf, Ton hallig). Aber vielleicht macht auch gerade das die neuen Formate aus: Dass sie eben viel authentischer wirken als Hochglanz-Fernsehen.

User haben Verständnis für billige Kulisse

Dass Studiokulisse bei den neuen Online-Formaten ruhig auch mal ein bisschen billig aussehen darf, sieht auch Jochen Wegner so. Dafür habe der User Verständnis, sagte der Focus Online-Chef in einem Vortrag auf dem Burda Video Day 2006.

Zurzeit feilen die Münchner an diversen neuen Formaten. In der Rubrik Digital-Videos wird zum Beispiel kurz das neue Windows Vista vorgestellt. Allerdings auf eher unterhaltsame Weise, wobei eine Experte aus der Redaktion seine Einschätzungen abgibt. Der Ansatz könnte ähnlich sein wie bei Matusseks Kulturtipp bei Spiegel Online: Charakterköpfe aus der Redaktion treten vor die Kamera und schaffen sich eine Art Fangemeinde.

Eine Gadget-Serie hat Focus Online bereits im Programm: In Schmidts Warentest werden jede Woche Produkte aus der Technik-Welt vorgestellt. Gadgets im Bewegtbild zu zeigen, ist angemessen: Zu sehen, wie etwas funktioniert, kann eine der Stärken von Video sein. Insgesamt ist die Sendung solide produziert: Gute Kameraführung, Ausleuchtung, Ton – an alles wurde gedacht.

In den anderen Video-Rubriken bei Focus Online geht es etwas drunter und drüber: So mischt sich in die Finanzen-Videos, die meistens mit Nachrichten-Filmen von Reuters bestückt werden, auch schonmal ein Video mit alten Werbespots. Derselbe Mischmasch findet in der Rubrik Auto-Videos statt. Unter den Gesundheits-Videos überwiegt ebenfalls Reuters-Material, es finden sich aber auch Perlen wie dieses Video über das Zahlen-Genie Rüdiger Gamm – leider ohne einen Hinweis darauf, von wem es stammt.

Zeitlose Videos bei der Zeit

Von wem die Videos im Online-Angebot der Zeit stammen, wird dort stets genannt. Unter anderem fallen dort zwei Autoren, Lennart Laberenz und Christoph Hartmann, auf. Ihre Video-Reportagen (z.B. Kamerad Nachbar) sind keine Schnellschüsse, sondern dokumentieren sorgfältige Recherche. Die beiden Autoren selbst kommentieren nicht aus dem Off, sondern lassen ausschließlich ihre Protagonisten sprechen. So entsteht ein sehr authentisches Bild der Region oder der Menschen, über die sie gerade berichten.

Die Zeit archiviert ihre Video-Beiträge sorfgältig. Dort verschwindet nichts nach drei Tagen, sondern es wird nach und nach eine Galerie aufgebaut, die mit den einmal angekauften Beiträgen auch morgen noch funktionieren soll.

Technisch setzt die Zeit auf Quicktime mit MPEG4-kodierten Videos – die Audio- und Videoqualität ist also kaum zu übertreffen. Das aktuellste Video allerdings wird über einen Flash-Player abgespielt. Da auch hier die Bild- und Tonqualität sehr gut ist, dürfte es mit dem On2 VP6-Codec bei recht hohen Bitraten kodiert worden sein.

Fazit: Warm anziehen, liebe Fernsehmacher

Was sich einige Lokalzeitungen in den vergangenen Monaten aufgebaut haben und was im Augenblick bei den größeren Namen professionalisiert wird, wirft den bisher gewohnten Bewegtbild-Konsum über den Haufen. In Großbritannien wurde es bereits gemessen, die Ergebnisse werden analog anwendbar sein auf den hiesigen Markt: Online-Video verändert Sehgewohnheiten, und damit auch das Geschäft der Fernsehsender nachhaltig.

Und damit wohl auch die Berufsbilder im Journalismus. Vielleicht wird es künftig tatsächlich so üblich sein, wie es Jane Stevens im Online Journalism Review vor mehr als vier Jahren beschrieb: Dass Zeitungs-Reporter ihre Videokamera dabei haben und sie so selbstverständlich einsetzen wie einen Notizblock.

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