Einschätzungen für 2007, heute: Jan Schmidt
Hat ihn eigentlich schon einmal jemand als Weblogwissenschaftler bezeichnet? Jan Schmidt beschäftigt sich an der Forschungsstelle Neue Kommunikationsmedien in Bamberg und auf seiner eigenen Site intensiv mit Weblogs und Webloggern. Welche Entwicklungen erwartet er 2007 in der Blogosphäre?
Von Jan Schmidt
Schon 2006 hat man gemerkt, dass es “die Blogs” eigentlich nicht gibt, sondern ganz unterschiedliche Verwendungsweisen existieren, die nicht viel mehr gemeinsam haben als die rückwärts chronologische Sortierung der Beiträge. Im kommenden Jahr wird sich dies noch einmal verstärken, denn die Blogosphäre wird weiter wachsen und sich dabei immer mehr ausdifferenzieren. Deshalb dürfte 2007 das Jahr werden, in dem sich die deutschsprachige Blogosphäre endgültig etabliert. Drei Entwicklungen werden besonders dazu beitragen:
Noch mehr Medienorganisationen und Unternehmen werden Blogs, Podcasts, Videocasts etc. in ihre professionelle Kommunikationsarbeit einbinden, also als Kanal zur Verbreitung von journalistischen Inhalten oder Botschaften der Marktkommunikation nutzen. Dadurch werden sie dazu beitragen, dass eine wachsende Zahl von Menschen mit dem Phänomen “Social Software” in Berührung kommt und eigene Inhalte beisteuern wird, ob nun als “Leserreporter” oder enagiert-kritische Kunden.
Die “reflektierte Blogosphäre”, also die Blogger, die sich mit ihrer Rolle und den Konsequenzen des Bloggens für Öffentlichkeiten auseinandersetzen, wird weiter an Bedeutung gewinnen. Damit ist nicht gemeint, dass sich auf einmal alle Blogger einig sein werden und an einem Strang ziehen (wohlmöglich noch einen Bloggerverband gründen….), denn es wird weiterhin auch innerhalb der Blogosphäre jede Menge unterschiedliche Meinungen, Einschätzungen und Auseinandersetzungen geben. Aber das Bewusstsein wird wachsen, dass Blogs einen steigenden Einfluss darauf haben, wie sich Informationen und Meinungen verbreiten, und diese Macht wird bei passenden Gelegenheiten auch strategisch eingesetzt werden.
Schließlich werden auch immer mehr Privatpersonen Blogs nutzen, ohne damit den Anspruch zu verfolgen, Gegenöffentlichkeit oder Alternativjournalismus zu sein. Ihnen geht es vielmehr darum, einfach und unkompliziert andere Menschen an ihren Erlebnissen teilhaben zu lassen, und sie werden deswegen Dienste bevorzugen, bei denen sie multimedial publizieren und möglichst auch ihre sozialen Netzwerke abbilden können. Aus Sicht der professionellen Kommunikatoren und der ‘reflektierten Blogosphäre’ mögen diese Inhalte banal und irrelevant sein, doch eine solche Einschätzung verkennt den besonderen Stellenwert dieser Entwicklung: Hier entsteht ein “long tail” der persönlichen Öffentlichkeiten, die keine allgemeine Relevanz beanspruchen, aber nichtsdestoweniger dem Einzelnen die Möglichkeit geben, seine Interessen und seine Erlebnisse mit anderen zu teilen.
Bisher in unserer kleinen Serie “Einschätzungen für 2007″: Mathias Müller von Blumencron, Christoph Neuberger, Thomas Knüwer




Rück- und Ausblick…
Während im Fernsehen schon im September einschlägige Shows wie “Menschen 2006 (beta)” liefen, wartet der anständige Bloggforscher bis zu den Tagen zwischen den Jahren, um aufs alte Jahr zurück und ins neue Jahr nach vorn zu blicken.
Ei…