Auf der Suche nach “Net-Credibility” und einem potenten Käufer

“Die Netzeitung steht zum Verkauf und putzt sich heraus – gerade noch rechtzeitig” – so beginnt heute eine umfangreiche Zustandbeschreibung des Online-Mediums in der “Süddeutschen Zeitung”: Nach der “optischen Entschlackung” von Anfang der Woche werden ein paar inhaltliche Neuerungen angekündigt, von denen aber keine umwerfend klingt.

Unklar bleibt auch, wie sich die Netzeitungs-Mannschaft verstärkt auf Internet-Themen stürzen will: Heißt das, aus Blogs abschreiben? Und was soll dann die “Net-Credibility” sein, die sich die Netzeitung selbst zubilligt? Damit sind schon andere auf die Nase gefallen. Die entsprechende Passage in der “SZ” ist ziemlich verquast – aber vielleicht liegt das ja auch daran, dass die neuen Netzeitungs-Chefs Ehlert und Angele selbst noch nicht genau wissen, was sie eigentlich wollen/sollen.

Vieles, was durch den Mit- und Selbermach-Kosmos des Web 2.0 – also durch Internet-Tagebücher (Blogs) und Diskussionsforen – schwirrt, könnten Redakteure aufbereiten. “Rückübersetzen ins Web 1.0‘”, sagt Angele. Aus einer Gerüchteküche mit vielen Köchen eine Story machen. Angele: “Eine Zeitung aus dem Netz für das Netz.” Die Idee ist nicht ganz neu. Man kann das parasitären Journalismus nennen. Ehlert nennt es Lokaljournalismus: “Die Netzeitung hat den größten Lokalteil der Welt: das Internet.” Und sie bedient sich des größten Reporterpools: der Nutzer des Web 2.0. Deren Geschichten erscheinen unter dem Namen des Redakteurs, mit dem Zusatz: “Für das Web ediert von …”. Das verspricht zumindest: ausgewählt, geprüft, überarbeitet.

Als mögliche Käufer der Netzeitung nennt die “SZ” David Montgomery und Holtzbrinck – trotz möglicher kartellrechtlicher Bedenken: “Käme entweder Holtzbrinck oder Montgomery zum Zug, würde die Netzeitung ein Verlagsportal werden, auf dem es mehr um Synergien als um Credibility ginge. Andererseits scheint eine Zeitungsexistenz online ohne die Kraft der gedruckten Worte, die Printunternehmen einbringen, schwer möglich”, urteilt der “SZ”-Autor. Klar ist: Noch hat die Marke Netzeitung einen Namen – aber sie kämpft mit schwindenden Ressourcen einen Kampf gegen Gegner, die kräftig aufrüsten. Wenn sie sich nichts einfallen lässt, wird sie weiter abgehängt: Da braucht man nicht einmal Spiegel Online als Vergleich heranzuziehen, die nachdrängenden Medienhäuser reichen.

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