Archiv für April 2007

NDR geht in die Breite

Von Fiete Stegers am 26. April 2007

In aller Kürze: Die Kollegen des NDR haben ihrer Startseite (aber noch nicht mit allem, was dahinter liegt) ein neues Gesicht verpasst, das moderner wirkt und mehr Platz für großformatige Fotos lässt. Hinter den Kulissen wird ein neues CMS eingesetzt.

Nachtrag: Das Blog “Design Tagebuch” hat sich die Site bereits genauer angesehen.

Kress.de: Kein privates Surfen bei Bauer

Von Thomas Mrazek am 25. April 2007

Leider kann ich nur den Anreißer zitieren, mehr will Kress.de den Internet-Nutzern kostenlos nicht geben:

Aufgeregte Diskussionen bei der Verlagsgruppe Bauer in Hamburg. Der Verlag will den Angestellten verbieten, das Internet oder E-Mails in der Firma auch privat zu nutzen.

In vielfacher Hinsicht wäre dies für ein Medienhaus ein Armutszeugnis und schädlich.

Nachtrag

Und doch gibt’s was online bei Kress, im Kress-Redaktionsblog (Danke für die Hinweise im jonet und hier):

“In Hamburg gab es mal den Spruch, das sozialste am Bauer Verlag sei seine Nähe zum Hauptbahnhof. Eine aktuelle Dienstanweisung des Hauses ist nicht dazu angetan, dieses Negativ-Image zu zerstreuen. Peter Heinlein schreibt in “Bild Hamburg“, dass der Verlag es verbieten will, dass während der Arbeitszeit privat im Internet gesurft wird oder E-Mails geschrieben werden. Bauer-Mitarbeiter haben gegenüber kress bestätigt, dass ein solches Verbot ausgesprochen werden soll.”

Eyetrack 2007

Von Fiete Stegers am 24. April 2007

Ich bin gespannt auf die Ergebnisse der Studie Eyetrack 2007 des Poynter Instituts. Vor kurzem stand im Online Journalism Review etwas über das Design der Studie und erste Erkenntnisse. Wie in den Vorgängerstudien wurden die Augenbewegungen der Nutzer aufgezeichnet - allerdings wurden diesmal Online-Medien, Zeitungen im traditionellen und im Tabloid-Format miteinander verglichen, die Zahl der Probanden und der Nutzungsvorgänge ist erheblich höher als früher.

Zwei Vorab-Ergebnisse: Online-Leser lesen durchaus intensiver als Print-Leser, wenn sie sich erst mal entschieden haben, eine Story überhaupt zu lesen (Den Unterschied zwischen linearen Von-vorne-nach-hinten-Lesern und solchen, die überfliegen und scannen, gibt es aber in beiden Medien.). Und: User bleiben besonders an Karten hängen.

Ausführliche Ergebnisse sollen im Sommer kommen, dann hoffentlich wieder so extensiv aufbereitet wie beim letzten Mal.

Links zum Thema

Lange Durststrecke bei Sueddeutsche.de

Von Thomas Mrazek am 23. April 2007

Hui, das hört sich aber alarmierend an. Es läuft doch so prima bei Sueddeutsche.de, heißt es immer wieder (Pressemitteilung vom 05.04.07: “Sueddeutsche.de erstmals über 80 Mio. PIs”). Aber es ist ja nichts Schlimmes: Die Münchner feiern den Tag des Bieres mit einer “Durststrecke” der angeblich “100 besten Biere der Welt”, von Hopfenkaltschale Nummer 1 bis 100 kann geklickt werden (mein Expertentipp, bei Nummer 4 können Sie schon aufhören). Ja, und? Wenn die Leute so blöd sind und viel anklicken - warum soll man das nicht anbieten, mag man vielleicht jetzt einwenden. Und jetzt kommen Sie mir nicht mit Qualitätsjournalismus. Und außerdem: Etwas lustiger kann’s auch mal zugehen, Prost! (Der Autor des Bierbuches heißt übrigens Michael Rudolf und nicht Rudolf Michael, aber bei so lustigen Inhalten kann schon mal was durcheinander geraten).

Unter anderem über solche “Taschenspielertricks” berichtet sehr praxisnah ein aktuelles Gutachten der Friedrich-Ebert-Stiftung (einer der beiden Autoren wies uns in einem Kommentar darauf hin). Die Autoren folgern:

“Die hohen Klickzahlen der Newsportale übertünchen einen wichtigen Aspekt: Die wenigsten Klicks der verlegerischen Sites gehen auf redaktionelle Inhalte zurück. Die meisten Portale und wohl auch Zeitungen generieren nicht einmal ein Fünftel ihrer Zugriffe aus originären redaktionellen Texten. Das Gros der Klicks ist dem Einsatz von Bildergalerien, dem Zugriff auf Wertpapierdepots, Partnerbörsen, Aktienkurs-Abfragen, Job-Datenbanken geschuldet, die allesamt in die Klickstatistik einfließen. So haben die offiziell verbreiteten Einschaltquoten nur bedingten Aussagewert über die tatsächlichen Vorlieben der Kunden.” (S. 60)
“Das ambivalente Beispiel »Spiegel Online« zeigt, dass selbst das unangefochtene Leitmedium zu Taschenspielertricks greifen muss, um gegen die unjournalistischen Unterhaltungsportale bestehen zu können. (…) Ansprüche und Grundsätze des klassischen Qualitäts-Journalismus werden in der Folge weiter erodieren. Dieser Prozess kann noch drei, fünf oder acht Jahre dauern. Dann spätestens werden sich etliche Leser ermattet abwenden von den aufgeregten, hyperventilierenden, sensationsgeilen Sites der Unterhaltungsportale und ihrer journalistischen Klone.” (S. 81)

Studie: Klicks, Quoten, Reizwörter: Nachrichten-Sites im Internet – wie das Web den Journalismus verändert: Gutachten im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung / Steffen Range; Roland Schweins, Berlin 2007. Download: PDF-Datei, 120 Seiten, 2,3 MB. Die beiden Autoren betreiben ein Weblog und versprechen darin: “Werkkanon macht sich stark für Qualitätsjournalismus im Web. Werkkanon entlarvt, wo Quote Qualität aussticht.”

Zum Thema bei onlinejournalismus.de:

Nachtrag 26.04.07
Unser Autor Klaus Meier, Professor an der Hochschule Darmstadt, kritisiert die vorgenannte Studie im Blog Journalismus-Darmstadt.de unter anderem als ein “kulturpessimistisches Haudraufgutachten”. Die Autoren antworten darauf in ihrem Blog Werkkanon.

Quälende Langeweile auf blog.tagesschau.de

Von Fabian Mohr am 21. April 2007

Kann, bitte, jemand Herrn Dr. Gniffke diskret zur Seite nehmen und ihm den Unterschied zwischen einem Redaktionsblog und presse.daserste.de erklären?

Das Blog der Tagesschau, eigentlich ein spannendes Projekt, langweilt immer mehr mit Schulterklopfen in eigener Sache und Nichtigkeiten aus dem Redaktions-Alltag. Je mehr ich darin lese, desto weniger bin ich mir auch sicher, ob es überhaupt eine gute Idee ist, wenn Redaktionsleiter über ihr eigenes Produkt bloggen.

Es ist natürlich das gute Recht jedes Chefs, sich, sein Team und den gemeinsamen Output ganz, ganz großartig zu finden. Aber als roten Faden für ein Blog? Irrelevant, verschwendet meine Zeit.

Nun ist es nicht so, dass blog.tagesschau.de nicht auch über die redaktionellen Prozesse berichtet, an deren Ende dann eine Nachrichtensendung mit einer bestimmten Themenauswahl steht. Das sind die spannendsten Beiträge, dafür ist so ein Blog da - aber auch hier irritiert immer wieder, wie vorhersehbar die Texte geschrieben werden, um sicheren Applaus einzufahren:

“Das Video des Amokläufers - nicht bei uns!”

Come on. Das ist eine Sorte Pathos, die die Tagesschau nicht nötig hat.

Noch ein Tipp: Richtet der Produktion doch mal ein eigenes Blog ein. Da kann sie dann über verspätete Flüge und geplatzte Scheinwerfer schreiben.

Auf blog.tagesschau.de würde ich gerne - verlässlich - relevantere Informationen lesen, die mit etwas mehr Distanz verfasst wurden. So, wie ich es von Public Eye oder The Editors gewohnt bin.

Disclaimer: Ich habe bei mehreren Gelegenheiten für tagesschau.de als freier Autor gearbeitet und schätze tagesschau.de sehr, bin deswegen mittelschwer befangen.

Wuschelmann erklärt die Welt

Von Fiete Stegers am 19. April 2007

Ja, ich habe es angeklickt. Aber ob es sonst noch wer tun wird?

Bei Focus Online gibt es eine Video-Kolumne “Post für Langhans”. Nach einem recht peppigen Vorspann (”Doin’ it again”) marschiert Rainer Langhans (Wikipedia) zu seinem Briefkasten und begrüßt den Focus-Statisten, der ihm kurz zuvor einen Postkarte hereingesteckt hat. Die liest Langhans - und der Rest des Zweieinhalbminüters besteht dann nur noch aus hart aneinander geschnittenen Schnipseln Langhans’.

Format-Experimente - gerne. Aber bitte schnell das nächste hinterherschieben, Focus Online. In diesem Zusammenhang: Digitaler Film schreibt aktuell über “Deutsche Videoblogs - Schmale Basis - einsame Spitze”, quasi als Nachtrag zu Bertram Gugels Diskussionsbeitrag auf der re:publica. (Via netzpolitik:) Viele praktische Hinweise, wie man als Nicht-Profi Internetfernsehen machen kann, liefert ein neuer Guide der Participatory Culture Foundation, die auch hinter dem Videoplayer Democracy steht.

Sueddeutsche.de: „Vielleicht waren wir zu zögerlich“

Von Thomas Mrazek am 18. April 2007

Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs

Im vergangenen Sommer wollte der Verlag die Redaktion noch nach Prag auslagern, jetzt wird personell aufgestockt. Ist jetzt alles im Lot bei Sueddeutsche.de? Wir sprachen mit Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs über dieses Thema, die gefühlte Boulevardisierung von Sueddeutsche.de und die Rechtschreibfehler dort.

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Amoklauf / Roanoke Times / andere

Von Fiete Stegers am 16. April 2007

Der Amoklauf an der Hochschule Virginia Tech hat sich nur rund 36 Meilen vom Standort der experimentierfreudigen Roanoke Times im gleichen Bundesstaat ereignet. Leider kann man gerade nicht sehen, wie die Kollegen das Thema aufbereiten - die Site ist derzeit nicht erreichbar.

Update: Jetzt geht es doch. Erstaunlicherweise nimmt der Amoklauf-Aufmacher auf der Startseite nur wenig Platz ein. Direkt auf der Startsite gibt es eine offenbar mit Soundslides produzierte animierte Bildstrecke mit Augenzeugen-O-Tönen. Der Hauptartikel ist eigentlich mehr ein Blog - er listet in ungekehrt chronlogischer Reihenfolge die Meldungen auf, von der allerersten über Statements aus Krankenhäuser bis zum Hinweis, dass bereits ein Wikipedia-Eintrag zu dem Ereignis existiert. Die Links auf weitere Artikel finden sich in dem Design allerdings nicht so leicht wieder.

Als Unterartikel gibt es bei der Roanoke Times die Statements von Gouverneur und Uni-Rektor. Auf der Startseite wird auch auf eine Karte des Tatortes verlinkt, letztere ist in einem doofen Popup produziert.

Nachtrag 2: Auffallend auch, dass CNN - und damit auch manch anderer Fernsehsender - fast von Anfang an sein Programm mit einem Handy-Video und anderen Augenzeugenberichten bestritten hat, eingegangen über CNNs “I-Reporter”-Programm. Mehr über die (US-)Berichterstattung bei Poynter.

Nachtrag 3, Mitternacht deutscher Zeit: SpOn hat nicht nur mitgeschrieben, was studentische Augenzeugen im Internet und anderen Medien berichten, sondern mittlerweile auch Kontakt zu einem Deutschen vor Ort. Leider fehlt unter dem Teaser auf der Startseite (noch) der Link zum entsprechenden Artikel. Ups, die Hektik …

stern.de hat die gute Idee, den Ort des Geschehen durch Einbindung einer GoogleMap zu visualisieren. Ziemlich sparsam dagegen die Berichterstattung bei heute.de, auch Welt.de hat nur Standard zu bieten, dafür sehr schnell eine fette Bilderstrecke oben im Text, die allerdings wenig aufschlußreich ist. sueddeutsche.de bietet einen langen, viergeteilten Text, der als Pseudo-Reportage geschrieben ist. Der Routine wegen auch bei der Readers Edition geguckt - nix.

re:publica / Bewegtbilder befreien

Von Fiete Stegers am 13. April 2007

Diese Runde auf der “re:publica” war einerseits angesichts des andauernden Boom von Online-Video angenehm unaufgeregt: Keine Lobpreisungen der eigenen Vorhaben durch irgendeinen Online-Chef. Andererseits hieß das aber auch: wenig spannend, weil die Teilnehmer zu häufig einer Meinung waren. Was aus diesem und einem früheren Panel zum Thema hängen geblieben ist.

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re:publica / Alte und Neue Medien

Von Fiete Stegers am 13. April 2007

Einige - nicht wörtliche - Eindrücke von der Hauptdiskussionsrunde der re:publica, Titel: “Die Medien(r)evolution - wie überholt sind die alten Medien, wie innovativ die neuen?”

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