re:publica / Bewegtbilder befreien

Diese Runde auf der “re:publica” war einerseits angesichts des andauernden Boom von Online-Video angenehm unaufgeregt: Keine Lobpreisungen der eigenen Vorhaben durch irgendeinen Online-Chef. Andererseits hieß das aber auch: wenig spannend, weil die Teilnehmer zu häufig einer Meinung waren. Was aus diesem und einem früheren Panel zum Thema hängen geblieben ist.

Mario Sixtus wies auf das Verbreitungskonzept seiner Video-Reihe “Elektrischer Reporter” hin, der nicht nur beim Auftraggeber Handelsblatt zu finden ist, sondern zusätzlich über Videoplattformen gestreut wird: “Man sollte als Anbieter von Bewegtbildern den Nutzern möglichst wenig Hürden bei der Verbreitung in den Weg stellen. Auch die Creative-Commons-Lizenz ist es auch etwas, was die Reichweite fördern kann.”

Sixtus’ Videos stehen seit Anfang an unter einer CC-Lizenz, die die unkommerzielle Weiterverbreitung und Einbindung in Websites erlauben, aber auch die Neubearbeitung des Bildmaterials für private Zwecke. “Meines Wissens ist das das erste Mal, dass ein großes Medienhaus so etwas macht”, sagt Sixtus. Auf der Handelsblatt-Website nutzen nach seinen Angaben 25 Prozent der User die Streaming-Variante zum Angucken der Videos – stolze 75 Prozent der Abrufe sind aber Downloads.
Live-Kommentare auf der Konferenz - nicht immer ganz zum Thema

Der Fachmann rät zum Sponsoring

Etwas bezahlen würde nach Sixtus’ Einschätzung aber keiner der Zuschauer des Elektrischen Reporters: “Kurze journalistische Filmbeiträge kann man nicht Micropayment finanzieren.” Bertram Gugel erwähnte andere Möglichkeiten, Web-Video-Produktionen abseits der klassischen Medien-Websites zu refinanzieren – Sponsoring oder Product Placement. “Oder man versucht so bekannt zu werden wie möglich und dann über die Marke zu Geld zu kommen – über DVDs, Community oder Merchandising.” (Vermutlich bezog er sich hier eher allgemein auf Filme insgesamt.)

Kreative Basis ist klein

Sixtus verwies noch einmal auf die Chancen, den großen Medienhäusern in der derzeitigen Experimentierphase Konzept für Online-Video-Formate vorzuschlagen: Was online funktioniere, müsse erst herausgefunden werden. Bisher gebe es dafür allerdings in Deutschland nur wenig kreatives Potenzial, aus dem geschöpft werden könne, ergänzte Bertram Gugel. “Wir haben nur eine kleine Basis von Videoblogs, die wirklich regelmäßig Beiträge produzieren und noch weniger, die auch Reichweite haben.” Auf der anderen Seite gebe es bei den klassischen Medien Ankündigungen wie die des ZDF, mittelfristig 50 Prozent der Fernseh-Inhalte im Netz zu stellen – für Gugel Aktionismus. Stattdessen müsse man sich mehr Gedanken über Konzepte machen. Ähnlich hatte sich auch Jochen Wegner zuvor geäußert: “Wir machen bei Focus Online kein Fernsehen, sondern Bewegtbilder, die in texlastiges Gesamtformat eingebunden sind.”

Ernten was Apple sät

Langfristig gingen die Diskussionsteilnehmer aber größtenteils davon aus, dass die sich die Fernsehlandschaft gewaltig ändert und der Übertragungsweg Internet den Inhalte-Produzenten an den Sendern vorbei zum Publikum ebnet.” Thomas Knüwer (Handelsblatt) erwartete dabei einen entscheidenden Anstoß durch ein Gadget aus Cupertino, analog zum iPod: “Apple TV wird mittelfristig das gesamte Fernsehgenre umschmeißen. Die Fernsehsender werden mit Ausnahme von Live-Übertragungen abgekoppelt”. Sixtus war skeptischer: “Ich warte noch auf die Kiste, die das hält, was Apple TV versprochen hat.”

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