Archiv für Juni 2007

Macht SpOn den Lokalzeitungen Konkurrenz?

Von Thomas Mrazek am 28. Juni 2007

Die vorgenannte Frage stellt der - übrigens empfehlenswerte - ABZV-Newsletter, weiter heißt es dort:

“Nach Informationen des Branchendienstes text intern überlegt Spiegel.de-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, künftig mit lokalen Inhalten ein Umfeld für regionale Werbung zu schaffen. Denkbar sei auch eine Zusammenarbeit mit Medien-Partnern am Ort.”

Nachtrag 29.06.07
Mathias Müller von Blumencron teilte uns mit: “Wir denken, wie alle Verlage, über viele Projekte nach. Auch über eine Expansion in den Lokalmarkt. Konkreteres gibts leider noch nicht.” Also abwarten.

Automatisch generierte Nachrichtensendung

Von Roman Mischel am 27. Juni 2007

Wenn die Zukunft des Journalismus so aussieht, wird die Luft dünn in den Redaktionen. News at Seven ist eine völlig automatisch zusammengestellte Nachrichtensendung, präsentiert von einem Avatar.

Wie das ganze funktioniert, ist u.a. beim Discovery Channel nachzulesen. Kurz: Ein Computer durchforstet sämtliche Nachrichtenquellen samt Blogs, sucht parallel nach passendem Bewegtbildmaterial und generiert dann einen Text, der passend zu den Bildern vom Avatar vorgetragen wird.

Das Ganze wirkt noch nicht sehr ausgereift, aber wer weiß, wie es in zwei, drei Jahren aussieht.

Fragt sich nur, wer sich von so einer Nachrichtensendung angesprochen fühlt…

(via Chat Atkins in den Blogbar-Kommentaren)

Vollbildmodus bei Spiegel Online

Von Fiete Stegers am 25. Juni 2007

Spiegel Online bietet seine Videos seit heute auch in einem Vollbild-Modus an - als erstes der großen deutschen Online-Medien. In den kommenden Wochen soll das Bild “noch schärfer” werden, “ohne dass Sie längere Ladezeiten in Kauf nehmen müssen.” Chefredakteur Blumencron hatte die neuen Technologien Anfang des Jahres bereits gegenüber onlinejournalismus.de angekündigt: “Die haben uns vom Stuhl gehauen.” Benötigt wird der Flash-Player 9.0.28.0.

Inhaltlich verspricht Spiegel Online erneut mehr eigene Hintergrundberichte und einen weiteren Ausbau der Zusammenarbeit mit Spiegel-TV. Auch ein paar Zahlen verrät SpOn: “Immer mehr User entdecken so die Videowelt von SPIEGEL ONLINE: Allein in diesem Monat wurden bisher knapp acht Millionen Video-Abrufe gezählt.”

Preisverleihung mit Druckkostenzuschuss

Von Fiete Stegers am 22. Juni 2007

Weil in letzter Zeit so viel von angeblichen Mauscheleien bei Preisverleihungen die Rede ist: Der Metablocker von politik-digital nennt beim Deutschen Multimeda Award des namensgebenden Verbandes nicht nur die Preisträger, sondern auch das Kleingedruckte:

Die Teilnahmegebühr für den DMMA beträgt je nach Zeitpunkt der Bewerbung zwischen 250 und 300 Euro. Dabei erhalten Mitglieder des Bundesverbandes Digitale Wirtschaft eine Ermäßigung von 15 Prozent. Zusätzlich müssen die Bewerber im Falle einer Nominierung oder Prämierung eintausend Euro Druckkostenzuschuss für das Jahrbuch
“Interaktive Trends/DMMA 2007″ bezahlen. Darin sollen die ausgezeichneten Multimediaangebote auf einer A4-Doppelseite vorgestellt werden. Nach Angaben des DMMA haben sich insgesamt 368 Unternehmen, Institutionen, Agenturen, Freiberufler und Studenten um den Preis beworben.

Zu den interaktiven Trends gehört offenbar, dass die Preisträger am Tag nach der Verleihung noch nicht auf der Website zu finden sind, sondern die User sie sich auf anderen Websites ersurfen müssen.

Das Verfahren war wahrscheinlich schon seit jeher so oder so ähnlich, aber vielleicht nicht nur mir bislang unbekannt.

“Et es wie et es”: Bierdeckeljournalismus bei DWDL

Von Thomas Mrazek am 22. Juni 2007

Das Medienmagazin DWDL lese ich an und für sich gerne (was sich hinter dem Kürzel DWDL verbirgt weiß niemand, mein Tipp: “Da wirst Du lachen”). Die Redaktion sitzt in Köln, ja, das ist wichtig. Als hehres Ziel nennt man die “Neudefinierung des Branchenjournalismus für die TV- und Medienwirtschaft”. Immerhin existiert das Angebot, das von einer vierköpfigen Redaktion betrieben wird, seit fünf Jahren.

Gestern informierte DWDL über die neuesten Aktivitäten des Kölner Lokalsenders Center.TV: “Center.TV lässt Hobby-Reporter live berichten”, hieß es in der Überschrift. Je nun, es folgt kein guter Text, der beginnt nämlich schon so: “Das nächste Große Ding [sic!] ruft die Centerstone AG (…) aus. Nachdem vom Nutzer generierte Inhalte zunächst zum revolutionären Kern der neuen Medienwelt erhoben wurden, setzt Zalbertus noch einen drauf (…)” Den Rest erspare ich den Lesern. Es könnte sich um eine Pressemeldung von Center.TV halten.

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Arte auf Abruf

Von Fiete Stegers am 21. Juni 2007

Arte bietet ja bereits seit einiger Zeit für französische Nutzer teils kostenpflichtige On-Demand-Videos (siehe Wortfeld). Ab September sollen auch deutschsprachige Videoinhalte in einer Mediathek als Sieben-Tage-Online-Archiv abrufbar (”Arte plus 7″) sein. Laut Arte-Programmdirektor Christoph Hauser könnten diese teilweise ebenfalls kostenpflichtig sein - allerdings sei wohl nur ein Unkostenbeitrag für die Bereitstellung denkbar. Die bisher angebotenen Filme für französische Nutzer scheinen so zwischen 0,99 und 2,99 Euro zu kosten, drei Sendereihen soll es auch jetzt schon für deutsche Nutzer geben.

Abteilung Attacke

Von Fiete Stegers am 21. Juni 2007

Als Reaktion auf die angekündigten Online-Neuerungen der ARD gibt es bei Spiegel Online und in der FAZ gepfefferte Gegenreden. Die FAZ schreibt von der “Enteignung der freien Presse”, ein Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger spricht ebenfalls in der FAZ von der “gebührenfinanzierten Zeitung”. Aktualisiert 26.06.2007

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“Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen”

Von Thomas Mrazek am 18. Juni 2007

Aber hallo, was ist denn das für eine Überschrift. Wer redet denn über solches Zeugs. Habe ich gerade gelesen, beim seriösen Medienmagazin “DWDL” und die haben das heute beim Medienforum NRW in Köln gehört:

“Auch User Generated Content sieht Monika Piel [WDR-Intendantin, T.M.] eher kritisch. Er passe nicht in das Programmprofil des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Wenn sie entsprechende Portale anschaue, dann sehe sie vor allem “Hausfrauen vor verstaubten Gummibäumen, die sich ausziehen” [vermutlich meinte sie Hausfrauen, die sich vor verstaubten Gummibäumen ausziehen, aber so beckmesserisch möchte ich da mal nicht sein, T.M.] und ähnliches, so Monika Piel. Zudem sei die Seriösität der Informationen im Web oft nicht nachvollziehbar.”

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich auch mal äußern, wie sich zuweilen das verbliebene Publikum oder andere Kollegen das Treiben in den Öffentlich-Rechtlichen Anstalten vorstellen. Die größten Elche sind selber welche: Ich hoffe, ich falle am Mittwoch beim Medienforum NRW im Panel Citizen Journalists - Demokratisierung oder Qualitätsrisiko? nicht durch ähnliche Aussagen auf.

Das Schweigen des Chefs oder Keese und andere

Von Fiete Stegers am 16. Juni 2007

Christoph Keese bloggt … - nicht
Er könnte vom Balken herab wider falschen Zeitgeist in der Weltpolitik donnern, scharfzüngig den Zustand der übrigen deutschen Presse sezieren oder uns an den fachlich fundierten, publizistisch beispielhaften Entscheidungen seiner Redaktion teilhaben lassen. Doch “Im Newsroom” herrscht Stille. WamS- und Welt-Online-Chefredakteur Christoph Keese schweigt beharrlich. Aktualisiert 22.06.2007

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“Kommando Heinz Schleußer” erpresst NRW-SPD

Von Fiete Stegers am 15. Juni 2007

Sogar RTL berichtet über die taz - weil die für ihren strauchelnden NRW-Teil jetzt endlich eine klasse Werbeaktion gestartet hat. Das “Kommando Heinz Schleußer” (ehemaliger SPD-Landesminister) hat die Domain www.kraft-2010.de in seine Gewalt gebracht und fordert für die Freilassung mindestens 100 Abos durch SPD-Gremien und -Amtsträger. Sonst werde die Domain an die CDU verscherbelt, heißt es im Erpresserbrief. SPD-Landesschefin Hannelore Kraft will 2010 gegen Ministerpräsident Rüttgers von der CDU kandidieren. Mehr dazu im Pottblog, u. a. Fotos der vermummten Kommandomitglieder, und im taz-NRW-Werbelog, das von einer “Verzweifelungstat” spricht. Auch eine Video-Antwort der SPD gibt es bereits.

Nachtrag 18.06.07, 14.30 Uhr
Laut Welt Online vom 17.06.07 soll Mitte Juli leider Schluss sein:

“Die Regionalausgabe der Berliner Tageszeitung “taz” in NRW soll eingestellt werden. Die Rettungskampagne zum Erhalt der Ausgabe ist damit gescheitert. Statt der erhofften 1000 neuen Abonnenten gingen nur rund 400 Bestellungen für die Zeitung ein.”

Auf dem taz-NRW-Werbelog ist davon noch nichts zu lesen.
Thomas Mrazek