G8-Qualitätsjournalismus im Netz: Wer schläft wo?
Von Thomas Mrazek am 6. Juni 2007Die gedruckte Ausgabe der “Süddeutschen Zeitung” weist auf ihrer Titelseite täglich auf ein besonderes Thema bei Sueddeutsche.de hin. Manchmal ist das ganz nützlich. Heute lautet der Hinweis: “Wer schläft wo? Eine interaktive Graphik zum Gipfel in Heiligendamm”.
Erst mal das Gute: Die grafische Aufbereitung ist sauber, das Flash funktioniert einwandfrei. Was gibt’s zu sehen: Die Hotels, in denen die acht Staatschefs die nächsten Tagen residieren. Jedes Haus kann angeklickt werden, dann erscheint ein bebildertes Informationsfenster, welches an ein Quartettkärtchen erinnert, beispielsweise so:
Grand Hotel
Fakten: 34 Doppelzimmer - 16 Suiten - Nelson Bar
Gäste: Tony Blair, Nicolas Sarkozy
Es ist einfach ohne jeglichen Informations- oder Nutzwert, völlig witzlos und unpointiert. Herrje, soll so ein - mit Verlaub gesagt - Quatsch Qualitätsjournalismus online sein? Glaubt man mit solchen scharf recherchierten und multimedial aufbereiteten Informationen vielleicht irgendeinen Zeitungsleser zu häufigeren Besuchen bei Sueddeutsche.de zu verleiten? Es kann einem die Lust eher verleiden.
Humorlos in Sache G8-Berichterstattung ist heute auch Stefan Niggemeier, der selten so Gl8 hat. Ebenso stinkstiefelig ist Christian Jakubetz, der über Tagesspiegel Online meckert.
6. Juni 2007 um 13:59
Zumal, wenn man schon so einen Blödsinn anbietet, man doch wenigstens alle ACHT Staatsgäste und ihre Unterkunft anzeigen sollte. Ich entdecke da aber nur 5…
Und die Frage stellt sich auch mir: was hab ich von der Information? Ist sie für die Bewertung des Gipfels wichtig? Nein.
6. Juni 2007 um 14:23
@Stefan: Schlechte Recherche. Von mir.
Hm, die anderen Gäste sind halt irgendwo anders untergebracht, äh, waren bei Redaktionsschluß noch nicht angereist oder was ich was; interessiert doch niemanden, solche Korinthenkackerei macht doch die dolle Idee kaputt, herrje. (-;