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Tagesspiegel, Relaunch

Bei mir ist es häufig der erste Eindruck, der zählt, wenn ich eine Website besuche. Bisher hatte der Tagesspiegel da keine Chance: Die Seite sah im Vergleich zur Konkurrenz langweilig aus. Gelandet bin ich dort nur zufällig über Suchmaschinen.

Der alte Tagesspiegel.

Seit heute Nachmittag ist der neue Tagesspiegel online – und der sieht wirklich gut aus. Auf den ersten Blick erinnert er mich an eine Mischung aus ZEIT und New York Times.

Der alte Tagesspiegel.

Dass sich die Website ein wenig wie Zeitung anfühlt, liegt neben der Farbgebung sicher auch an der Serifenschrift “Georgia”, die fast durchgängig (selbst für die Menüführung) benutzt wird. Und natürlich an den vielen Spalten.

Im Vergleich zur alten Site (den man kaum anstellen kann) ist die Navigationsleiste jetzt nach oben in die Horizontale gewandert – ein Trend, der bei vielen Relaunches der letzten Monate zu beobachten war (außer bei den Machern von Welt Online, die sich bewusst dagegen entschieden haben).

Das Layout ist im Großen und Ganzen zweispaltig, zumindest auf Artikelebene. Hier ist mir persönlich die Hauptextspalte etwas zu breit geraten, durch die langen Zeilen strengt das Lesen auf Dauer schon sehr an. Was auf jeden Fall positiv ist: Die Redaktion will mit ihren Lesern kommunizieren. Die Artikel sind kommentierbar, vorausgesetzt, User überwinden vorher die Registrierungshürde.

Während die rechte Spalte wegen diverser Werbeformen immer gleich groß bleibt, wird die Hauptspalte auf den Centerpages aufgeteilt und macht damit die Teasertexte natürlich wieder viel lesbarer. Klickt man sich in ein beliebiges Ressort (z.B. “Berlin”), öffnet sich in einer mittleren Spalte eine Stichwortsammlung zu aktuellen Themen. Das Ganze funktioniert vermutlich ähnlich wie Tag-Wolken auf diversen anderen Sites, sieht nur eben anders aus.

Multimedia scheint der optischen Gewichtung nach beim Tagesspiegel in Zukunft eine große Rolle zu spielen: Auch hier ist der “Video”-Reiter ganz oben platziert. Außerdem befindet sich auf der Startseite eine große Multimedia-Box mit Teasern zu Videos und Fotostrecken in der Hauptspalte auf der Startseite.

Im Video-Archiv (das in einem POP-Fenster öffnet) befinden sich immerhin schon 20 Produktionen, darunter neben größtenteils redaktionseigenen Stücken auch Episoden des Elektrischen Reporters, die ja auch beim Handelsblatt zu finden sind (wenige Stunden nach dem Relaunch funktionieren die Videos bei mir noch nicht; das wird aber sicher bald behoben sein).

Der neue Tagesspiegel sieht auf jeden Fall gelungen aus und spielt für mich rein optisch in der ersten Liga.

Spreeblick und Videoblogs vom G8

Spreeblick macht ein Social-Media-Experiment und hat einen Twitter-ähnlichen Kanal für Kommentare von und über den G8-Gipfel und die Proteste dagegen eingerichtet, bei dem jeder mitmachen kann.

Spree8 bietet die Möglichkeit, die Geschehnisse vor Ort ungefiltert an die Öffentlichkeit zu bringen – entweder per SMS (0177-6719356) oder per Telefonanruf (030-868704209) als Sprachnachricht.

Ob es auf dem Niveau der VivaPlus-Laufleiste landet, reine Reizüberflutung wird oder ein spannendes Bild aus vielen Einzelteilen wird, lässt sich bisher noch nicht sagen.

Zwei unabhängige Video-Projekte berichten ebenfalls übers Gipfelgeschehen – G8-TV.org aus Sicht der G8-Kritiker und G8Vlog, das ab dem 4. Juni Beiträge mit satirischem Einschlag liefern will.

Von den etablierten Medien bloggen zum Beispiel das ZDF, blog.tagesschau.de wird wohl demnächst folgen. Heute arbeiten tagesschau.de und Spiegel Online mit klassischen Live-Tickern als Ergänzung zu den normalen Meldungen. (Danke an Wolfgang Blau für den Hinweis.)

Und in eigener Sache: Ein Teil des onlinejournalismus.de-Teams wird ebenfalls vor Ort sein – für das Experiment Gipfelblog.de.

Brennende Autos – Google Maps im Lokalen

Vor einigen Monaten habe ich für die „Drehscheibe” (ein monatlich erscheinender Pressedienst für Lokalredaktionen) einen Artikel zum Einsatz von Social Software für Journalisten im Lokalen geschrieben. Darin erwähnte ich auch Google Maps anhand des folgenden Beispiels (gefunden hier bei Onlinejournalismus.de).

Mit Social Software lassen sich freilich keine Straßen-, Finanz- oder Ideenlöcher stopfen. Aber zumindest kann das Thema zusammen mit dem Leser anders angegangen werden. Das zeigt etwa das kalifornische Blatt „The Bakersfield Californian“. Auf der Website dieser Tageszeitung können die Leser selbst die Schlaglöcher im Straßennetz der 300.000-Einwohnerstadt markieren. „Map your most hated pothole!“, fordert die Zeitung ihre Leser zur Mitarbeit an der „Pothole Map“ (www.bakersfield.com/864) auf. In wenigen Sekunden können die Nutzer Informationen auf der Karte eintragen, ohne sich registrieren zu müssen. Wer die Schäden ausführlicher belegen will, kann ein digitales Bild hinzufügen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Die stets aktualisierten Warnhinweise auf dem Stadtplan bieten besten Nutzwert für geplagte Autofahrer. Der Aufwand für die Redaktion liegt praktisch bei Null. Denn die Zeitung nutzt für die Zusammenarbeit mit den Lesern Googles Maps API (www.google.com/apis/maps). Darin ist die ganze Stadt digital aufbereitet, ebenso wie die meisten deutschen Ortschaften.

Inzwischen ist die Pothole Map erweitert worden, die Nutzer können Schlaglöcher jetzt nicht nur auf der Karte anzeigen, sondern auf einem Formular der Stadtverwaltung melden, reparierte Stellen können markiert werden.

Eine Berliner Agentur nahm sich jetzt auf der Basis von Google Maps der brennenden Autos in der Hauptstadt an (via Don Dahlmann). Die Macher merken an, dass die Seite „weder in die eine noch in die andere Richtung politisch motiviert“ sei und dass man sich „ausdrücklich von jeglicher Form der Gewalt“ distanziere. Als Hauptquelle für die Brandmeldungen dienen Polizei und Feuerwehr. Aber auch hier könnten die Nutzer beispielsweise durch eingesendete Fotos beitragen.

Eine interessante Idee, die Darstellung wirkt beeindruckender, dynamischer und informativer als die üblichen Berichte. Freilich könnten Medien damit auch gehörig Stimmung machen, zumal solche dynamischen Angebote ständig aktualisiert werden müssten. Ich bin gespannt, ob Medien hierzulande dies mal ausprobieren; entsprechende Beispiele können Sie gerne hier melden.

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