Zeitungsmeldung -> Agentur -> Online-Artikel -> peinlich

„Lemminge online“ nennt Christoph Schultheis seinen Artikel, in dem er aufzeigt, wie es die vermeintliche Bild-Exklusiv-Meldung über ein Video von Möllemanns Todessprung in die großen Online-Medien (und in die Zeitungen, aber von denen soll hier nicht die Rede sein) schaffte. Die Bild-Zeitung hatte höchstwahrscheinlich (wie üblich) ihre Pressemitteilung an die Agenturen rausgehauen, dpa sprang auf den Zug auf, und dann hängten sich am Morgen die Online-Redaktionen dran. Ohne eigene Recherche und vor allem ohne Blick in die eigenen Archive, kritisiert Schultheis zu Recht. Dabei hätte man doch schon bei der typischen Bild-Formulierung „jetzt bekannt geworden“ misstrauisch werden können.

Ähnliche Übernahmeketten sind in den Online-Redaktionen keine Seltenheit. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle: Agenturgläubigkeit, mangelnde Personalressourcen zur Recherche und Qualitätskontrolle in einer permanent rotierende Nachrichtenmaschine: Während einerseits innerhalb eines Tages jeder kleine Einzelaspekt einer sich entwickelnden Geschichte ergänzt und aktualisiert wird, geraten diese doch leider häufiger als wünschenswert unter die Räder: Bei Themenübergabe/Schichtwechsel in der Redaktion oder wenn ein Thema nach einer Pause wieder aus der Versenkung auftaucht – wie in diesem Fall.

In Online-Redaktionen mit Archiv sind die dabei entstehenden Fehler natürlich besonders blöd. Aber ein intelligentes Tool, dass den Redakteuren ermöglicht, aus einer Vielzahl von Einzelmeldungen im Archiv den tatsächlich letzten Sachstand auf einen Blick zu präsentieren, ist mir leider noch nicht bekannt.

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