Hans-Jürgen Jakobs und der “Journalismus in Gefahr” - ein Nachdenkstück zum Mitklicken

Von Thomas Mrazek am 19. Juli 2007

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Ein Auszug aus dem lesenswerten Leitartikel “Medienstandort Deutschland: Journalismus in Gefahr” von Sueddeutsche.de-Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs, ebendort und in der “SZ” veröffentlicht. Ich habe mir die Mühe gemacht, den Textauszug mit einigen “Höhepunkten” aus dem Angebot von Sueddeutsche.de zu garnieren.

“Im Mediengeschäft aber geht es nicht nur um den Wohlstand gieriger Anleger, sondern um die Wohlfahrt der Bürger. Wer weniger informiert wird über Politik, Wirtschaft oder Kultur, der weiß auch weniger Bescheid bei der nächsten Wahl. Wer nur noch mit Dampfgeplauder, Seifenopern und Schmonzetten eingedeckt wird, hält die Welt für ein ewiges Oktoberfest. Die res publica aber braucht Menschen, die mitdenken, mitfühlen, mitmachen.”

Nachtrag 10. Juli 2009
“Der Bundesverband deutscher Zeitungsverleger erklärt uns in dieser Pressemitteilung, warum in Deutschland eine Zeitungskrise wie in den USA quasi undenkbar ist”, schreibt der Trierer Medienwissenschaftler Peter Schumacher und seziert eine BDZV-Pressemitteilung auf ähnliche – sehr lesenswerte – Weise: “Zeitungskrise? Nicht bei uns!”.

9 Antworten zu “Hans-Jürgen Jakobs und der “Journalismus in Gefahr” - ein Nachdenkstück zum Mitklicken”

  1. gis sagt:

    Ganz grosses Kino ;) Danke!

  2. Chat Atkins sagt:

    Hihi - das haben wir ja gerne: Vorn den Schlips gerade rücken - und hinten Bremsstreifen inner Unnerbüx …

  3. Bücherwürm sagt:

    Ganz großes Kino? Darunter verstehe ich was anderes. Ich halte das Posting eher für kleinkariert und besserwisserisch. Wer sueddeutsche.de vorwirft, (auch) klick-trächtige Unterhaltungsthemen zu präsentieren, hat von der Ökonomie des Webs nichts verstanden. Da die User selbst für Premium-Inhalte nichts zahlen wollen, müssen Angebote wie sueddeutsche.de auch populäre Themen wie Knut bringen. Und das hat mit dem Untergang des Journalismus nichts zu tun. Das Gegenteil von Wahrheit ist die Lüge, nicht die Unterhaltung.

  4. Johann sagt:

    Wenn Unterhaltung so daher kommt, dann ist sie aber verlogen.

    Nicht jede journalistische Plattform muss zwingend jedes Thema abdecken. Wenn die Süddeutsche in der Printausgabe eine Panorama- oder Leute-Seite betreibt, auf der man erfährt, was wer unten drunter trägt, dann ist das völlig in Ordnung. Der Spiegel macht das genau so – und das sei beiden von herzen gegönnt.

    Wenn sich einige Online-Redaktionen aus bestimmten Themen raushielten und sie der BZ, dem Kurier, der Bild, der Sonstwas-Illu überließen, dann wären Leser, die wirklich Informationen suchen und informiert werden wollen, auch nicht dermaßen enttäuscht von den immer seichter dahinplätschernden Angeboten.

    Wenn Spiegel Online allenernstes über das Klima berichtet mit Worten wie “Horror-Klima!”, “Klima-Schock!” und das auch noch jedes Mal mit Ausrufezeichen, dann gewinnt die Einschätzung von Franziska Augstein nach dem Tod ihres Vaters eine ziemlich unappetitliche Dimension: “Der Spiegel ist ein geschwätziges Blatt unter vielen geworden.” – Das gilt in weitaus höherem Maße für das Online-Angebot. Und eben auch für sueddeutsche.de.

    Das hat auch mit der Ökonomie des Webs nichts zu tun. Die genannten Online-Angebote pushen ihre Page impressions mit Bildergalerien und Quiz-Seiten in die Höhe und sind durchaus profitabel. Zusatzangebote wie “Immo Suche”, “Parship” o.s.ä. bringen auch Profite und sind schlimm genug.

    Ich wiederhole: Es muss, auch im Web, nicht immer alles überall und immer verfügbar sein! Guten Journalismus zeichnet eben aus, dass nicht die Meldung “Paris Hilton im Knast” von der Agentur übernommen wird, sondern dass diese Information für den Leser eingeschätzt, bewertet und in einen Zusammenhang gerückt wird, damit der seinerseits besser entscheiden kann, was er davon hält. Und solche Angebote gibt es nicht mal in den Printausgaben. (Auch nicht auf der einen (SZ) oder den drei (Spiegel) Medienseiten.

  5. Thomas Mrazek sagt:

    Lieber “Bücherwurm” (komisch, das manche Leute zwar den Lauten geben, aber sich dann nicht mal mit richtigem Namen zu Wort melden, aber sei’s drum), tja, da bin also “kleinkariert” und “besserwisserisch” und hab von der “Ökonomie des Webs” in all den Jahren nichts verstanden. Ende der Polemik.

    Sehr wohl müssen und sollen meiner Meinung nach klickträchtige Unterhaltungsthemen präsentiert werden, aber alles muss sowohl was Quantität als auch was Qualität betrifft, ein bestimmtes Maß haben. Und hier hat Sueddeutsche.de meines Erachtens unter Hans-Jürgen Jakobs (den ich als Journalisten sehr schätze und gerne lese) eben nicht das richtige Maß gefunden. Übrigens habe ich mit ihm auch darüber gesprochen, siehe Interview auf dieser Seite: “Vielleicht waren wir zu zögerlich”.

    Ist es schlimm, dass einem Herrn Mrazek das aufstösst, dass er sich vielleicht ab und zu mal darüber mokiert. Nein. Aber die Mehrheit der Nutzer reagiert da vielleicht viel intelligenter als ich, die erkennen diesen faulen Zauber nämlich auch, die machen sich aber nicht einen Kopf darüber (warum auch) und bleiben in Zukunft einfach solchen Angeboten fern oder besuchen sie seltener. Auch die Auswirkungen auf das Image der Marke “Süddeutsche Zeitung” würde ich nicht unterschätzen.

    Ich hätte in der halben Stunde, in welcher ich diesen Beitrag geschrieben habe, garantiert auch für jeden Begriff einen wunderbaren Leyendecker-, Kistner-, Jakobs- oder Prantl-Text finden können, vielleicht sogar schon eine Vorabversion, die ich erst am nächsten Tag in der Zeitung habe. Ja, da habe ich mehr oder weniger zum Nulltarif meine Freude dran (ich kaufe die Zeitung übrigens trotzdem täglich). Dass Nutzer nichts für Premium-Inhalte zahlen wollen, haben wir hier und einige Andere schon vor vielen Jahren erkannt und publiziert. Wie man es besser machen könnte? Ich weiß es auch nicht. Da kann man nun mal nur “rumprobieren”, freilich nicht auf so eine grobschlächtige Art und Weise wie bei diesem Medium. Da hätte ich mir einfach mehr Kreativität, mehr Pfiff erwartet.

  6. Harald Mandl sagt:

    Sehr schön.

    Hier kann man wunderbar die Spanne ausmessen, die zwischen dem Selbstbewußtsein von Print-Journalisten, die sich mit ihren Artikeln nie direkt den Publikumsreaktionen stellen mussten, und der gnadenlosen Mechanik von Klickquoten im Web liegt.

    Besonders erheiternd ist es, wenn ein solcher Printjournalist plötzlich Klickquoten liefern muss, aber seine Rhetorik noch nicht umgestellt hat.

  7. Am Ende des Tages sagt:

    PR-Lesetipps 6…

    - Schon ein paar Tage alt, aber immernoch lesenswert. Thomas Mrazek von onlinejournalismus.de entlarvt die hochtrabenden Ansprüche von Hans-Jürgen Jakobs, seines Zeichens Chefredakteur von sueddeutsc……

  8. Tom sagt:

    Genial !
    Weiter so.

  9. sohbet sagt:

    Ist es schlimm, dass einem Herrn Mrazek das aufstösst, dass er sich vielleicht ab und zu mal darüber mokiert. Nein. Aber die Mehrheit der Nutzer reagiert da vielleicht viel intelligenter als ich, die erkennen diesen faulen Zauber nämlich auch, die machen sich aber nicht einen Kopf darüber (warum auch) und bleiben in Zukunft einfach solchen Angeboten fern oder besuchen sie seltener. Auch die Auswirkungen auf das Image der Marke “Süddeutsche Zeitung” würde ich nicht unterschätzen.

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