Archivierte Einträge für

Wie tickt der Taktgeber?

Früher sahen wir Tagesschau, heute gehen wir ins Internet und klicken auf Spiegel Online. Die Internetseite ist zur neuen Medienmacht geworden: bunt, modern und ein ständiges Spektakel.

Robin Meyer-Lucht analysiert im SZ-Magazin SpOns Rolle in der deutschen Medienlandschaft. Lesenswert.

(Bei der Gelegenheit: Mich würde mal interessieren, ob bei einer heutigen Untersuchung immer noch so viele Kollegen der alten Medien Spiegel Onlines Leitmedienposition bestreiten würden, wie sie es seinerzeit in der Studie von Julia Bönisch abgestritten haben).

Artikel im Archiv verändern?

US-Kollegen (Online Journalism Review, Mindy McAdams, Poynter) diskutieren gerade darüber, ob und unter welchen Umständen eventuell Artikel im Online-Archiv nachträglich geändert oder gelöscht werden dürfen – und wann gerade nicht: Was tun, wenn längst vergangene Geschehnisse das Bild einer Person bei Google dominieren (Bestes Beispiel: Verurteilte mit Recht auf Resozialisierung)? Wie reagieren, wenn jemand kritische Äußerungen über sich unterbinden möchte? Wie “historisch” sollte ein Archiv sein?

Wir haben uns 2004 ausführlich mit dem Thema beschäftigt: Die Geister der Vergangenheit.

Welt Online: Bitte einen Bildredakteur anstellen!

Oder wenigstens den CvD aufwecken: Die üblichen Schönheiten, konstrastiert mit einer detaillierten Kannibalen-Meldung, flankiert einer unpassenden Tomatenblutsuppe und einer Hymne auf die “perfekte Tötungsmaschine.” Ein wenig geschmackvolles Ensemble, was Welt Online uns da heute im Mittelteil der Homepage präsentiert – sowas wird eigentlich nur noch von den traditionellen Kirchen-Meldung/Prostituiertenanzeigen-Kombos des anderen Springer-Blattes übertroffen.

Screenshot Welt Online, 29.08.2007
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Künstliche Duftmarken für Trüffelschweine

Icons der Bookmark-Dienste bei sueddeutsche.de

Etliche Online-Redaktionen haben bei Relaunchs in den letzten Monaten Social-Bookmarking-Dienste in ihr Angebot integriert. Was bringen sie Nutzern, Journalisten und Redaktionen? Die Hoffnungen sind einigerorts nicht unerheblich, die Erfahrungen noch eher verhalten.

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Zuschauer drücken “record”, Politiker sollen antworten

Unter frage.tagesschau.de gibt es die ersten Videos einer Aktion von ARD-Morgenmagazin, Mittagsmagazin und tagesschau.de zu sehen: Zuschauer nehmen ihre Frage auf Video auf und laden diese hoch. Vom 3. bis 5. September sind Spitzenpolitiker in Morgenmagazin und Mittagsmagazin zu Gast und sollen darauf antworten (Guido Westerwelle, Edmund Stoiber, Renate Künast, Ursula von der Leyen, Peer Steinbrück und Kurt Beck).

In den USA hat eine ähnliche Video-Fragestunde ja bereits Eingang in den Vorwahlkampf gefunden. ABC folgte mit einer ähnlichen Aktion – NewTeeVee berichtet über deren magere Resonanz und Manipulationsvorwürfe. Vlogger Zennie Abraham hat sich über die Ursachen Gedanken gemacht: Für die User hätten zu viele technische Hürden bestanden (Video).

Update: Im Tagesschau-Blog sind die Nutzerkommentare zur Aktion bisher überwiegend kritisch.

Google Maps per Code-Schnipsel einbetten

Google Maps hat ein Feature live geschaltet, dass für Onlinejournalisten ausgesprochen nützlich ist: Alle Karten, auch mit Markern, Layern und gezeichneten Linien, können jetzt mit einem kleinen Code-Schnipsel in die eigene Website eingebunden werden. Keine Programmierarbeit mehr nötig, keine API, nichts. Nur die Karte bauen, den Code rüberkopieren – fertig. Eine kleine Beispielkarte (mit Dummy-Text):

Wer es ausprobieren will:

  • Auf maps.google.de gehen
  • Die Karte auf gewünschten Ort und Höhenlevel bewegen
  • Eventuell mit “Meine Karten” weitere Objekte (Marker, Linien, farbige Flächen) hinzufügen, speichern
  • Oben rechts über der Karte auf “URL zu dieser Seite” klicken:
  • Google Maps Embedding

  • Aus dem unteren Feld den Code zum Einbetten übernehmen (mit “iframe width”) und in die eigene Website einbinden (z.B. im Textfeld eines Blog-Eintrags)
  • Eventuell die Größe der Karte anpassen, dazu auf den Link “Eingebettete Karte anpassen und Vorschau anzeigen” klicken, der aktualisierte Code zum Einbinden wird dann direkt in einem weiteren Popup angezeigt.
  • Wir werden in nächster Zeit, davon bin ich überzeugt, viel häufiger interaktive Karten im journalistischen Kontext sehen. Es dauert nur noch wenige Minuten, sie zu bauen und einzubinden – jeder Redakteur kann es. Keine Ausreden mehr.

    Wie Zeitungen eine Video-Redaktion aufbauen können

    Wenn sie es richtig anstellen, haben Zeitungen im Internet die Chance, einen wesentlich besseren Videojournalismus zu etablieren als ihre TV-Konkurrenz, ist der langjährige Videojournalist, Berater und Gründer des viewmagazine.tv David Dunkley Gyimah sicher.

    Im Editors Weblog gibt Dunkley gute und nachvollziehbare Anregungen, wie sich Zeitungsredaktionen auf Videojournalismus einlassen können – und zwar mit realistischem Aufwand.

    Es geht um strategische vorbereitende Fragen, um Personalrekrutierung, Equipment, Trainingsaufbau und -dauer, Arbeitsorganisation und warum Videos von Zeitungs-VJs möglicherweise “besser” sein könnten als die von TV-Spezialisten.

    Nachrichten-Videos auf Weblogs?

    Bertram Gugel betracht, welche Ansätze zur Einbindung von Videos professioneller, journalistischer Anbieter in private Weblogs es gibt. Größtenteils stecken sie auch in den USA noch in den Kinderschuhen, in Deutschland ist es noch Utopie (auch wenn es in der ARD “solche oder ähnliche Überlegungen”* gibt). Gugels Fazit:

    Nachrichten-Videos auf Blogs machen natürlich nur in bestimmten Fällen Sinn und bei vielen thematischen Nischen wird sich wohl kaum ein relevantes Video finden, das eine Geschichte unterstützt.
    [...] Die Chancen für einen entsprechenden Anbieter in Deutschland sind trotzdem enorm: Jeder eingebundene Playlist-Player ist eine Sendestation und erreicht ein spezifisches hoch engagiertes Publikum. Man baut sich mit diesen Playern quasi ein Sendernetz auf das dann zentral angesteuert werden kann und innerhalb kürzester Zeit eine Nachricht ähnlich effektiv verbreiten kann wie dies momentan zentralisierte Nachrichtenportale tun.

    Roman Mischel hatte bei uns schon vor einiger Zeit auf mögliche Probleme bei der Einbindung aufmerksam gemacht.

    * Jörg Sadrozinski (Redaktionsleiter tagesschau.de – und damit auch mein Chef – im Medium Magazin August/September 2007)

    Platz für etwas, das nicht ins TV passt

    Folge-Mag (Screenshot [M]: ojour.de)
    Beim ersten Mal war er seiner Zeit voraus. Diesmal sollte es angesichts des Video-Booms im Netz eigentlich genau der richtige Zeitpunkt sein, dachte Frerk Lintz. Sein neues Projekt ist ein erstklassig produziertes Interview-Magazin, das im Web seinesgleichen sucht. Allerdings bisher auch noch einen Abnehmer.
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    Treffer, leider versenkt

    Zwei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina beschreibt das “Time Magazine” in einem Schwerpunkt die Konsequenzen, die New Orleans und Lousiana aus der Katastrophe gezogen haben. Ein sehr lesenswerter Bericht, dessen Tenor eine vernichtende Kritik an Politikern und dem für den Hochwasserschutz zuständigen Army Corps auf Engineers ist, die auf verhängnisvolle alte Fehlentscheidungen neue folgen lassen. Gewürzt wird der Bericht immer wieder mit trockenen Kommentaren und Zitaten (“Rückzug ist unamerikanisch. Deshalb brauchen wir ein besseres Wort dafür.”), die ihn umso lesenswerter machen. Nachlesen lässt sich der Report in voller Länge auch online. Dort ist er Teil eines noch ausführlicheren Specials, das um zusätzliche Blickwinkel auf das Geschehen erweitert wurde.

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