Wie weiblich sind Weblogs?

Von Fiete Stegers am 2. August 2007

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In Blogs und Blog-Kommentaren bestimmen Männer den Ton. Besonders, wenn die Diskussion ums Bloggen selbst geht, ist von Frauen kaum etwas zu hören. Stimmt der Eindruck? onlinejournalismus.de sprach darüber mit Jan Schmidt. Ein Mann – aber einer, der es wissen muss.

Jan Schmidt ist Sozialwissenschaftler an der Universität Bamberg und hat mehrere umfangreiche Studien über die deutsche Blogosphäre durchgeführt.

Wie stark sind Frauen in der Blogger-Gemeinde wirklich vertreten?

Das hängt ein bisschen von den Studie ab, die man sich anschaut. In unserer eigenen Studie, die allerdings nicht repräsentativ ist, haben wir einen Frauenanteil von 45 Prozent festgestellt. Vermutlich ist das noch ein bisschen zu niedrig. Es gibt eine Studie von Kollegen aus Bochum, die eine Inhaltsanalyse von zufällig ausgewählten Weblogs gemacht haben. Sie haben festgestellt, dass zwei Drittel der Blogs von Frauen kommen. Man wird es nie ganz genau sagen können, da es kein zentrales Verzeichnis von Blogs gibt, aus dem man eine Stichprobe ziehen könnte. Aber ich denke, dass Verhältnis ist mindestens ausgeglichen – im Long Tail sind Frauen vermutlich sogar in der Mehrheit.

Unterscheidet sich das Blogverhalten von Männern und Frauen?

Das ist eine schwierige Frage. Es ist so, dass es Unterschiede zwischen den sogenannten A-Bloggern und dem Long Tail gibt. Und tendenziell ist es so, dass Männer in der A-List überrepräsentiert sind, während im Long Tail mehr Frauen bloggen. Das hat jetzt erst mal nichts per se mit dem Geschlecht zu tun, sondern damit, dass Männer vielleicht eher daran interessiert sind, über Themen zu schreiben, die eine Relevanz für größere Gruppen haben – wie Technik, wie die Blogsphäre selber, wie Politik. Bei Bloggerinnenfinden wir hingegen einen höheren Anteil, die sagen, dass sie eher persönliche Journale sschreiben oderihre Gedanken reflektieren. Das hat natürlich etwas damit zu tun, dass Tagebuch schreiben - was ja eine Grundströmung des Bloggens ist - seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrhunderten, eine weibliche Kulturtechnik ist. Das pflanzt sich in der Blogosphäre fort.

Aber der Diskurs über und in der Blogosphäre wird weitgehend von Männern bestimmt.

Jan SchmidtDen Eindruck habe ich auch. Wenn es um Fragen des Bloggens geht - „Was tun wir hier überhaupt? Ist das etwas revolutionäres?“ – dann beteiligen sich sehr viel mehr Männer am Diskurs. Sicher nicht ausschließlich. Aber als wir uns für unsere Studie angeguckt haben, wer 2006 die Autoren der Top-100-Blogs waren, hatten wir einen Männeranteil von 75 Prozent, obwohl wahrscheinlich insgesamt mehr als die Hälfte der Blogs von Frauen geführt werden. Auch beim Kommentieren in Konversationen über das Bloggen sind Männer überrepräsentiert.

Beim Kommentarverhalten an sich ist es aber nicht so, dass Frauen dabei unbedingt friedlicher sind. Mich hat kürzlich noch eine Strickbloggerin darauf hingewiesen, dass es auch in der Strickblog-Szene Flame-Wars und Abmahnungen gibt. Das sind genau die gleichen Dynamiken wie anderswo, weil sie weniger mit dem Thema zu tun haben und mehr davon abhängen, wie computervermittelte Kommunikation abläuft.

Stimmt der Eindruck, dass auch bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Blogs, Online-Medien und Onlinejournalismus die meisten Protagonisten Männer sind? Denken wir an die führenden Forscher wie Christoph Neuberger, Klaus Meier, Lorenz Lorenz-Meyer …

Ja, aber das hat wohl eher damit zu tun, dass Wissenschaft auch stark geschlechtlich strukturiert ist. Der Anteil von Frauen nimmt immer mehr ab, je höher man in der akademischen Hierarchie kommt. Wenn ich mir allerdings angucke, wer auf Konferenzen präsentiert und mit wem ich beruflich in Kontakt stehe, ist das Geschlechterverhältnis ausgeglichener. Ich kenne viele Kolleginnen, die sich in Abschlussarbeiten und Promotionen mit Blog-Themen auseinander setzen.

Wo geht die Entwicklung von Blogs insgesamt hin?

Wir sehen ja bereits, dass die Blogosphäre im deutschsprachigen Raum weiter wächst. Das führt zu Differenzierungen, so dass es gar keinen Sinn mehr macht, von dem Weblog zu sprechen. Wir werden im Verlauf dieses Jahres mehr kommerzielle Versuchen sehen, Weblogs in Marketing und Werbung einzubinden. Wir werden mehr Blogs in den Angeboten klassischer Massenmedien sehen. Die WAZ-Gruppe steht damit in den Startlöchern, und ich denke, dass auch kleinere regionale Zeitungen damit experimentieren werden. Aber auch im Long Tail und in den Bereichen, wo Blogs tatsächlich eine Alternative zum Journalismus sind, wird es Wachstum geben. Weblogs werden auch verstärkt Bestandteil von größeren Plattformen werden, die Menschen die Möglichkeit bieten, sich und ihre Interessen im Netz zu präsentieren: das MySpace-Modell.

Update: In den Kommentaren zu diesem Artikel hat u. a. Bloggerin Creezy ausführlich ihre Sicht des Themas dargestellt.

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de:

im sonstigen Internet:

16 Antworten zu “Wie weiblich sind Weblogs?”

  1. Jan Schmidt sagt:

    Habe ich bei der Frage nach dem unterschiedlichen Blogverhalten wirklich “Stratosphäre” gesagt? Oder ist das ein Typo und es müsste Blogosphäre heißen? :)
    Ich hab’s gleich mal geändert. (-; Thomas Mrazek

  2. Fiete Stegers sagt:

    Na, sowas - da war die automatische Rechtschreibprüfung noch nicht im 2.0-Zeitalter angekommen.

  3. Karrierebibel sagt:

    Ich hätte dazu noch eine andere These: Bloggen kostet Zeit und ist relativ einsam. Frauen aber schätzen die persönlichen Kontakte und Gespräche. Ergo nutzen sie ihre Freizeit eher im Realspace.

  4. bittersweet choc sagt:

    in deutschland sind die männlichen diskutierer (in erster linie die sogenannten a-blogger), die über das bloggen an sich und überhaupt schreiben, in den blogcharts dominant, weil sie a) seinerzeit zu den early adoptern gehörten und sich über diese lange zeit natürlich ordentlich traffic und verlinkungen aufbauen konnten und b) sie sich zu gern untereinander beweihräuchern, verlinken und meinungen zulassen. das gilt auch im andauernden streit zwischen den herren donalphonso und spreeblick et. al - obwohl der diskurs in seiner hysterie und zickigkeit sehr weibliche züge angenommen hat.

    frauen werden von den oben angesprochenen alpha-tierchen ausnahmslos zu diesen themen nicht gewünscht. klarer fall von blogchauvinismus. der beweis dafür wird auch beim portfolio des blogvermarkters adical erbracht. wenn man sich das ansieht, bekommt frau schnell den eindruck, dass es sich ausschliesslich um die seilschaften der genannten early adopter (spreeblick, wirres …) handelt. frauen seien keine dabei, es seien einige angefragt worden, aber die wollten laut sascha lobo/adical nicht teilnehmen).

    es wird zeit, dass sich ein anderer vermarkter auftut, der auch anderen nicht adical-verseilschafteten blogs die chance gibt, geld zu verdienen.

    und wenn man sich ansieht, wer bei den re:publicas, next07 oder beim dmk-tagungen auf die bühnen darf, möchte man weinen. hier liegt es meines erachtens nicht am mangel kompetenter frauen. die einzige, die es irgendwie geschafft hat und als alibi-frau hin und wieder mal was ins mikro sprechen darf, ist frau borchert.

    über kurz oder lang wird sich das ändern. jede studie zeigt, dass die weibliche nutzerschaft in zukunft rasant zulegen wird.

    @karrierebibel
    dem würde ich glatt widersprechen. vor allen dingen trifft das nicht mehr auf die jüngere weibliche generation zu.

  5. Violine sagt:

    @karrierebibel
    Dem widerspreche ich sofort. Bloggen ist eine von vielen Arten, Kontakt zu halten. Und es ist schön, nach Hause zu kommen, den Rechner anzuschalten, die Blogrolle samt den Kommentaren durchzulesen und ungestört zu kommunizieren. Ich fühle mich da alles andere als einsam, ich fühle mich in Gemeinschaft mit anderen.

  6. creezyi sagt:

    In Blogs und Blog-Kommentaren bestimmen Männer den Ton. Besonders, wenn die Diskussion ums Bloggen selbst geht, ist von Frauen kaum etwas zu hören. Stimmt der Eindruck? onlinejournalismus.de sprach darüber mit Jan Schmidt. Ein Mann – aber einer, der es wissen muss.

    Der eigentliche Denkfehler fängt doch hier schon wieder da an, dass bei einer solchen Frage ein Mann gefragt wird … (Nichts gegen Dich Jan!) Mann-o-mann!

  7. Jo sagt:

    @creezyi

    Worin genau besteht denn der Denkfehler? Dass man hierzu kein “Alpha-Mädchen” befragt hat, dass natürlich die Situation ganz anders sehen würde (unabhängig von der Realität)?

    Ich lese - neben Genderama - den einen oder anderen politischen Blog (Oswald Metzger, http://alsharq.blogspot.com/, etc.). Dort sind in der Tat objektiv Männer in der Mehrzahl, zumindest was die aktive Teilnahme in Form von Kommentaren angeht. Wenn man also davon ausgeht, dass die Situation so ist, warum soll man dann eine Frau dazu befragen? Aus welchen Gründen sollte diese dann einen besseren Überblick haben als ein Mann?

  8. nachtschwester sagt:

    Tagebuchschreiben eine “weibliche Kulturtechnik”? Das ist aber ein grober Schnitzer, Herr Stegers. Kafka, Böll, Dostojewski, Goethe, Schiller und Thomas Mann fallen mir dazu auf Anhieb ein. Welcher bedeutende Autor, Künstler oder Politiker der letzten Jahrhunderte hat nicht wenigstens zeitweise Tagebuch geführt?

    Besonders, wenn die Diskussion ums Bloggen selbst geht, ist von Frauen kaum etwas zu hören. Stimmt der Eindruck?

    Unbedingt. Dieses eitle um-sich-selbst-Kreisen ödet mich als Frau an. Ich lese die Endlos-Threads auf der BlogBar nicht, die am Ende zu nichts führen, ich blogge lieber oder gehe leben. Das sind Stammtischdiskussionen in der Eckkneipe, da sind Männer auch traditionell unter sich. Dass die “männlichen” Themen Politik, Technik, die Blogosphäre relevanter sein sollen als “Frauentagebücher”, liegt im herablassenden Auge des männlichen Betrachters, das sehe ich wie creezy.

    Möglicherweise entwickelt sich die deutschsprachige Blogosphäre ins Bipolare. Wieso sollte ich mit Dahlmann, Alphonso etc. konkurrieren wollen? Ihre Diskussionen langweilen mich , und sie genügen sich selbst. Wenn ich aber nach Blogs mit literarischem Anspruch suche, fallen mir mehr von Frauen betriebene ein. Frauenblogs sind auch keineswegs unpolitisch. Feministische und sozialpolitische Themen liest man häufig. Die Amerikanerinnen gehen noch weiter: http://www.finanznachrichten.d.....434261.asp Ich wünsche und denke mir, dass wir uns in ein paar Jahren auch im deutschen Sprachraum in diese Richtung organisieren. Sollen die Alphablogger mit ihren “relevanten Themen” ruhig unter sich bleiben, für mich als Frau gibt es viel relevantere.

  9. Fiete Stegers sagt:

    @ creezyi: Die Wissenschaftlerinnen der Bochumer Studie standen leider - vorwiegend aus organisatorischen Gründen - nicht zur Verfügung. Jan Schmidt ist einer profiliertesten wissenschaftlichen Beobachter der Szene.

    @ Nachtschwester: Die genannten Schriftsteller waren womöglich die Alphablogger ihrer Tage. Die sind aber auch schon eine Weile her. Im Long Tail der TagebuchschreiberInnen sind aber “seit Jahrzehnten” Frauen in der Mehrzahl - so habe zumindest ich Jan Schmidts Antwort verstanden, die mir einleuchtend erschien. Vielleicht kann er uns das hier noch mal erläutern.

    Interessanter Gedanke mit der Bipolarität. Aber in welchem Pol entwickeln sich dann Stimmen, die am ehesten hervorstechen und (zumindest dann und wann) ein Massenpublikum erreichen?

  10. Markus sagt:

    Oh je, creezy, da vertippst du dich einmal bei deinem Namen und aus Unkenntnis wirst du in den Folgekommentaren falsch angesprochen. Auch sehr vielsagend. ;-)

  11. nachtschwester sagt:

    “Am ehesten hervorstechen” ist ein subjektives, daher ungültiges Kriterium. Für mich stechen andere Dinge hervor als für Sie oder für Creezy oder für Markus. Wenn sie mit Massenpublikum hohe Klickzahlen meinen, Bittersweet Choc hat oben erklärt, wie die zustandekommen. Vermutlich werden sie wie bisher am “männlichen Pol” bleiben. Die Frage ist, ob man an hohen Klickzahlen Relevanz festmachen will. Ein Blog, das sich beispielsweise als Sprachrohr für afrikanische Frauen zur Verfügung stellt oder Misstände im Gesundheitswesen aufdeckt, ist für mich relevanter, als eines, das immer nur um die Blogosphäre im eigenen kleinen Sprachraum kreist.

  12. creezy sagt:

    @Jo Zum Denkfehler: Ich hätte diesen Artikel nicht online gestellt ohne Jans Ausführungen das Pendant einer weiblichen Bloggerin gegenüber zu stellen. Dabei sehe ich nicht, Fiete, zwangsläufig die Notwendigkeit, dass dies eine Wissenschaftlerin hätte sein müssen. Mercedes Bunz, Nicole Simons, als auch bittersweet choc, Melody von Moving Target – alles langjährige Bloggerinnen der ersten Stunde mit Unmengen an Wissen und Erfahrung zum Thema – um nur einige zu nennen. Es gibt verdammt viele weibliche Blogkompetenz zum Thema, die man hätte fragen können. Ja, da muss man ggfs. etwas mehr recherchieren. Ich will das nicht werten, es wäre nur mein Ansatz gewesen, diese an sich sehr interessante (schade, dass sie wieder einmal mitten ins Bloggersommerloch fällt ;-) ) Diskussion von beiden Standpunkten aufzubereiten. Die Mühe hätte man sich machen können.

    Aus welchen Gründen sollte diese dann einen besseren Überblick haben als ein Mann?

    „Und aus welchen Gründen sollte er den besseren Überblick haben als die Frau?” – hey, das ist doch genau die Farce der Trabbigüteklasse 1 bei diesem Thema.

    Lasst uns warten bis blogcensus ihre ersten Zählungen mit Ermittlung der Geschlechter der gezählten Blogger heraus bringen. Das wird mindestens ein sauberes Pat, wobei ich eher an mehr bloggende Frauen als Männer glaube. In Deutschland werden die Zighunderte Koch-, Strick-, und Scrapbooking- und was weiß ich noch für Blogs des „Mainstreams“ überhaupt nicht wahrgenommen: und das sind primär Frauen. In den (leider) geschlossenen Communities aller Frauenzeitschriften wie Petra, Freundin u. Brigitte bloggen hauptsächlich Frauen. Das ist eine Masse von der die Spitze der Alphablogger nicht mal den Hauch einer Ahnung haben, dass sie überhaupt existiert! Strickblogs in Deutschland haben – davon abgesehen, dass sie sich auch exzellente Flame Wars liefern können – eine Community, die sich sehr stark auch offline trifft. Die sich auch stark daran orientieren über ihre Blogs Incomes zu realisieren. Warum also sollen die in ihren Blogs übers Bloggen im Allgemeinen noch schreiben, wenn sie es im realen Leben bereden?

    Ist von Frauen in der Diskussion „auf den typischen Technik/Marketing/Alpha”-Blogs selber wenig zu hören? Ja, klar. Ich bin ein selbstbestimmter Mensch. Ich entscheide warum, was und worüber ich blogge. Ich entscheide auch mit wem ich blogge. Ich entscheide auch mehr oder weniger, wen ich auf mein Blog lasse bzw. dulde und ich entscheide auch, ob ich Werbung auf mein Blog lasse oder nicht. Die Entscheidung habe ich bereits für mich getroffen. Ich brauch da nichts mehr diskutieren. Basta. Habe ich ein Interesse daran meine Meinung nun jeden als Dogma zu präsentieren? Nö. Keine Zeit. Keine Lust. Meistens jedenfalls nicht.

    Das aber genau tun die Jungs, die sich immer noch mit ihrem Blogstatus der grauen Vorzeit identifizieren und immer dieselben ollen Kammellen zur Ansprache bringen. Müssen wir uns das geben? Nö. D. h. nicht, dass ich nicht gerne einer Argumentation von z.B. Don Alphonso folge, ich denke auch gerne darüber nach – nur seine Weisheit muss nicht meine Meinung sein – und ich bin es nach anderthalb Jahren müde, mir immer den selben Psalm anzuhören, nur weil ein paar ewig (männliche) Gestrige den vergangenen Zeiten der schönen intimen Bloggeraltzeit nachjammern. Ich blogge um zu bloggen, nicht um zu diskutieren all night long. Die Lebenszeit ist knapp. Man weiß ja nie wann mal Schluss ist. ;-)

    Wie schon gesagt: Frauen bloggen lieber und diskutieren hier und dort über relevante Themen. Da gehören im übrigen die gleichen Themen sehr wohl dazu. Die Diskussionen gibt es in meinem Blog, inklusive meiner Meinung und die meiner Leser, die durchaus auch kontrovers sind. Aber wir reden da einmal all acht Monate darüber, wenn es hoch kommt und jut ist. Mensch, wir sind doch keine Wiederkäuer. Das Geheimnis ist: mal auf den Punkt kommen. Das tun die anderen nicht und weil sich ja nun auch nicht ständig alles neu erfindet, wird’s einfach langweilig.

    Warum wir sonst weniger auf Alpha-Plattformen diskutieren? Viele von denen bloggen doch komplett introvertiert. Bei wirres net (nur ein Beispiel) bringt diskutieren nichts, denn er ist mit sich und seiner Meinung so im Einklang, dass ihm seine Kommentatoren scheiß egal sind. Es ist nicht spannend für mich bei Spreeblick (auch nur ein Beispiel) zu diskutieren, weil dort ebenfalls eher selten auf die Kommentare eingegangen wird. Die lassen mal hier und da ‘nen Fladen zum Thema Blogosphäre „ach, wie ist sie verkommen!“ oder „auch, hach was sind wir für geniale Vorreiter“ fallen, da hüpfen dann dieselben Kandidaten den selben Tanz drum, den sie schon immer getanzt haben, wenn die Fladen der Vorzeit fielen. Das mache ich auch, das haben auch vor mir viele Frauen gemacht, machen sie auch nach mir. Aber einmal reicht doch, oder? Wie oft sollen denn die Themen bitte noch durchgekaut werden? (US-Blogs sind btw. deutlich weiter im Kontext, für mich interessanter.)

    Allenfalls Don Alphonso wäre hier noch ein lohnenswerter Kandidat der hohen Kommentarschule. Dennoch habe ich bei vielen seiner Kommentatoren nur den Eindruck, sie machen sich mit ihrer Meinung mal kurz im Raum breit, markieren und jut ist. Ich kommentiere nur, wenn ich das Gefühl habe, der Diskussion wird tatsächlich Raum gegeben, das wird ihr in den allerwenigstens Blogs der Alphatierchen. Und nur um mich mal wieder zu positionieren? Was bringt mir das? Eben! Trivial mich mit der Wand zu unterhalten, dann bin ich lieber dort unterwegs, wo es Feedback gibt und alsbald dann wieder ein neues Thema: In strunznormalen Blogs, wo wir auch genau die Themen diskutieren, die nur eben soweit den Long Tail (*schnarch*) schmücken, dass natürlich der Super Trouper von Alpha & Co. KG nicht dorthin reicht, um ihnen noch Licht zu machen. Ähem und wo übrigens auch sehr reizende Herren diskutieren, die das Rampenlicht auch nicht sooo dringend nötig haben.

    Ich gehe da völlig konform mit der Nachtschwester. (Für Tippfehler entschuldige ich mich jetzt schon: ist 02:33 Uhr.)

  13. Jo sagt:

    @creezy

    „Und aus welchen Gründen sollte er den besseren Überblick haben als die Frau?” – hey, das ist doch genau die Farce der Trabbigüteklasse 1 bei diesem Thema.

    Aber das habe ich ja versucht zu begründen. ;) Du versuchst deinerseits anschließend, die Begründung mit dem Gegenargument zu entkräften, dass Frauen sehr wohl in gleichem Maße bei den genannten “Alpha-Blogs” mitläsen, aber weniger Interesse daran hätten, auch Kommentare dazu abzugeben (du schreibst zwar nur über dich persönlich, aber ich fasse das so auf, dass du das verallgemeinert verstanden haben willst). Das überzeugt mich aber nicht. :P Subjektive Einschätzungen unterliegen nun mal eher der Gefahr, verzerrt zu sein, als dies bei objektiven Einschätzungen - z.B. indem man im Kommentarbereich einfach nachschaut, wer da seinen Senf dazu abgibt - der Fall ist. Wenn du mir handfeste Zahlen in Form von Auswertungen des Surfverhaltens o.ä. zeigen würdest, könnte ich dem schon eher folgen.

    Und was deine Andeutung angeht, dass Männer sich lieber durch Kommentare ins Rampenlicht stellen als Frauen; das halte ich auch für etwas gewagt. Wie du schließe ich einfach mal von mir selbst auf die Allgemeinheit: Ich gebe meinen Kommentar i.d.R. nur dann und genau dann ab, wenn mich das Thema selbst (sehr) interessiert und ich das Gefühl habe, etwas beizutragen, was bislang innerhalb des Blogeintrages oder in den Kommentaren noch nicht erwähnt wurde. Da ich nicht alle Blogs regelmäßig lese oder manchmal (wie hier) sogar nur aufgrund einer Verknüpfung bei einem bestimmten Artikel lande, kann es natürlich passieren, dass sich der Inhalt von Kommentaren von vorangegangenen Artikeln wiederholt. Das halte ich persönlich aber nicht für so schlimm, ich betrachte eben eher jeden einzelnen Blogeintrag als in sich abgeschlossene Einheit. Dafür, dass sich Inhalte nicht ständig wiederholen, sollte imho eher der Blogautor sorgen. ;) Außerdem gebe ich meine Kommentare de facto immer anonym ab bzw. unter unterschiedlichen Pseudonymen, wodurch ich mich selbst auch nicht gerade in den Vordergrund rücke.

  14. bittersweet choc sagt:

    @nachtschwester + creezy: ihr seid fabelhaft. es gibt nichts hinzuzufügen!

    irgendwie drängt sich bei der topblogger-mannschaft die vokabel “altherrenmief” auf.

    und mir fällt nur ein grund ein, bei denen zu kommentieren: kurzfristige trafficsteigerung für den eigenen blog, aber bitte nur dann, wenn man es dringend nötig hat und das haben wir doch nicht - oder ;)

  15. nachtschwester sagt:

    Herr Stegers: weil die Verfasser von Tagebüchern, die mir, ohne nachzudenken, willkürlich eingefallen sind, nicht mehr leben, gibt es seit Jahrzehnten nur noch Tagebuchschreiberinnen? überlegen Sie noch mal, ob das eine schlüssige Argumentation ist.

    Noch etwas ist mir aufgefallen: Herr Schmidt ordnet dem Gros der Bloggerinnen zwar das Modewort Long Tail zu, aber den männlichen “Bestsellern” die Relevanz. Das hat Chris Anderson, der “Erfinder”, genau andersherum gedacht. Ich fühle mich sehr wohl im Long Tail.

    Hausaufgaben machen nächstes mal, alle beide.

  16. Jan Schmidt sagt:

    @nachtschwester “Herr Schmidt ordnet dem Gros der Bloggerinnen zwar das Modewort Long Tail zu, aber den männlichen “Bestsellern” die Relevanz. Das hat Chris Anderson, der “Erfinder”, genau andersherum gedacht. Ich fühle mich sehr wohl im Long Tail.”

    Das mit der Relevanz ist ein wenig komplizierter, es kommt evtl. im Interview nicht so ganz raus: Ich sage nicht, dass nur die A-List/Bestseller relevant sind, ganz im Gegenteil. Ihnen wird zwar von verschiedenen Seiten höhere Relevanz zugeschrieben, aber die Blogs im Long Tail sind für ihre Autor/innen und das Publikum genauso wichtig.
    Mein Argument ist ja gerade, dass Zuschreibungen von außen oder von innerhalb der Blogosphäre dazu führen, bestimmte Praktiken als banal oder irrelevant abzuwerten (und das sind oft die Praktiken der Frauen oder Teenager) - aber dass man dem Bloggen überhaupt nicht gerecht wird, wenn man sich nur an der A-List oder dem alten “Blogger vs. Journalisten”-Ding abarbeitet. Ich hab das vor einiger Zeit mal thesenhaft zusammengestellt: http://www.bamberg-gewinnt.de/.....chives/713

    Übrigens: Das Museum für Kommunikation in Frankfurt bereitet gerade eine Ausstellung “Vom Tagebuch zum Weblog” vor - unter http://tagwerke.twoday.net/ findet sich das begleitende Blog.

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