Treffer, leider versenkt

Zwei Jahre nach dem verheerenden Hurrikan Katrina beschreibt das “Time Magazine” in einem Schwerpunkt die Konsequenzen, die New Orleans und Lousiana aus der Katastrophe gezogen haben. Ein sehr lesenswerter Bericht, dessen Tenor eine vernichtende Kritik an Politikern und dem für den Hochwasserschutz zuständigen Army Corps auf Engineers ist, die auf verhängnisvolle alte Fehlentscheidungen neue folgen lassen. Gewürzt wird der Bericht immer wieder mit trockenen Kommentaren und Zitaten (“Rückzug ist unamerikanisch. Deshalb brauchen wir ein besseres Wort dafür.”), die ihn umso lesenswerter machen. Nachlesen lässt sich der Report in voller Länge auch online. Dort ist er Teil eines noch ausführlicheren Specials, das um zusätzliche Blickwinkel auf das Geschehen erweitert wurde.

Leider hat die Online-Aufbereitung des grandiosen Berichts allenfalls eine 3- verdient. Der im Original etliche Seiten umfassende Text ist im Netz in sage und schreibe acht Teile gegliedert. Wenn über den Daumen gepeilt bei jedem Fortsetzungsteil die Hälfte der Nutzer vor dem Weiterklicken aufgibt, können wir uns ausrechnen, wie viele am Ende noch dabei sind. Dann lieber drei sehr lange Teile. Vor allem aber wird es den Nutzern auch nicht leicht gemacht: Statt knackiger Teaser-Verweise auf den nächsten Abschnitt findet sich über den Texten noch eine verwirrende zweite Navigation, die sich aber auf weitere Artikel des Dossiers (nicht des aktuellen Artikels) bezieht. Unter dem Text werden diese noch einmal über einen nichtssagenden Textlink (Bsp: “Next: Betty Zaheri”) angepriesen. Außerdem gibt es noch eine dritte textbasierte Navigation zu den weiteren Artikeln – rechts an der Seite zwischen lauter Anzeigen und dafür grafisch viel zu unauffällig.*

Schließlich stehen die einzelnen Textteile, im Heft mit tollen Fotos garniert, im Netz als ziemliche Bleiwüsten da: Auf jeder Seite steht ein Bild – jeweils das selbe. Die anderen Fotos sind in eine Bildergalerie ausgelagert worden – an sich keine ganz schlechte Idee. Mir scheint die Programmierung hier jedoch alles andere als ladefreundlich, mein Browser möchte jedes Mal die ganze Seite neu haben statt nur das nächste Foto. Dass die Leute von time.com auch bessere Bildergalerien erstellen können, zeigen sie in einer älteren Galerie zu Katrina (nur schade, dass auch diese von der aktuellen wieder nur über einen wenig aussagekräftigen Textlink angeteasert wird – siehe oben).

Infografik New Orleans bei time.com

Im Netz besser als im Heft: diese Infografik, bei der man diverse Darstellungsoptionen zu- oder abschalten kann. Leider wird auch diese in der Seitennavigation nicht genügend angepriesen.

Genug gemeckert. Zum Abschluss noch mal ein älterer Linktipp bei MSNBC.com.

* Kann sein, dass time.com die Navigationen immer so setzt. Dann sollten sie diese Methode aber mal grundsätzlich überdenken.

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