Archivierte Einträge für

“Magische Schwerter für Al Kaida”

Bisher haben wir uns hier immer um das Thema Second Life gedrückt – aus gutem Grund. Im Zuge der sich abzeichnenden Fantasy-Offensive deutscher Medienblogs und weil’s ein sonniger Sonntag ist, doch einmal der Hinweis auf ein Schmankerl:

Bombenanschläge, Attentate – Online-Welten wie Second Life werden zum Tummelplatz von Cyber-Terroristen

Diesen Knaller konnte sich die Berliner Zeitung nicht entgehen lassen, obwohl sie ihren eigenen Artikel gleich vom bekanntermaßen kompetenten BKA entkräften lässt:

Virtuelle Welten seien für Übungen und Anwerbung von Terroristen “generell nicht geeignet”, erklärte das Bundeskriminalamt der Berliner Zeitung. In Second Life könnten sich auch keine handwerklichen Fähigkeiten (Bombenbau oder Nutzung von Waffen) trainieren lassen. Überdies gebe es für die Kommunikation im Untergrund “deutlich komfortablere” Wege wie Internettelefonie oder Web-Portale.

Danke dennoch für die Warnung, immerhin geht dem Artikel eine gewisse Ironie nicht ab. Auch wenn’s natürlich schön wär, wenn die Durchgeknallten dieser Welt künftig sich und anderen nur noch virtuell die Schädel einschlagen würden.

(via Jonet)

Crossmediale Redaktionen in Deutschland

Studenten der Hochschule Darmstadt stellen in einem Dossier für die Ifra die crossmedialen Ansätze in fünf deutschen Zeitungsredaktionen vor: Welt, Handelsblatt, Hessisch/Niedersächsische Allgemeine, Südkurier und Kölner Stadtanzeiger.

Professor Klaus Meier weist noch darauf hin, dass das Semesterprojekt von einem CMS-Hersteller unterstützt wurde und er selbst derzeit ein größeres Forschungsprojekt zum Thema plant.

Soundphotographer.de

Fabian Schweyher, Absolvent des Studiengangs Online-Journalismus an der Hochschule Darmstadt, hat sich in seiner Diplomarbeit mit dem Thema Audio-Bildergalerien auseinandergesetzt. Das will er jetzt in einem Blog namens Soundphotographer fortführen. Selbst steuert Schweyher die Galerie “In den Fängen der Stasi” bei, die noch mal beweist, dass sich Bildstrecken mit Audios gut für historische oder kritische persönliche (= ruhige) Themen eignen.

Widmen will sich Schweyher natürlich auch dem Standard-Werkzeug Soundslides, auf das wir hier auch schon häufiger hingewiesen hatten. (Aktuell gibt es übrigens zum ersten Mal bei tagesschau.de eine damit aufbereitete Umfrage aus Fotos + Tonspur, an der ich beteiligt war.)

Ergänzung: Navigating Slideshows – Ergebnisse einer Eyetracker-Studie im OJR.

Sehr praktisch: Abonnieren von Lieblingsautoren bei der “Zeit”

Ich weiß nicht, wie lange es das schon gibt, es scheint mir ziemlich neu und einmalig (bitte gegebenenfalls berichtigen/ergänzen) zu sein: Bei Zeit Online kann man seine “Zeit”/Zeit Online-Lieblingsautoren mittels RSS abonnieren (sorgfältiger Hinweis und Erklärung hier).

Die übersichtliche Anordnung der Autoren von A bis Z lädt aber auch zum Stöbern ein: Zu jedem Autor finden sich in chronologischer Abfolge dessen bisher online erhältlichen Artikel. So kommt – vermutlich – Leben ins Archiv und es stellt einen echten Nutzwert dar. Von Zeit Online-Chefredakteur Gero von Randow finden sich beispielsweise derzeit 543 archivierte Artikel, da wünscht man sich noch eine spezielle Suchfunktion für Autoren (ja, wir Nutzer sind niemals ganz zufrieden (-; ). Trotzdem: Sehr gut gemacht, das wünsche ich mir auch bei anderen Angeboten.

Nachtrag
“Bei “Mein Focus” kann man auch bestimmte Autoren picken, allerdings nicht als RSS-Feed, sondern nur innerhalb des Angebots. Darauf wies mich “Meise” hin.

Qualitätsjournalismus oder Stefan Niggemeier auf der Flucht?

Endlich hat sich mal ein so genanntes Qualitätsmedium der Abmahnerei von Blogs und anderen Internet-Seiten angenommen, wir hatten neulich kritisiert, dass dies zu selten der Fall sei. Der österreichische “Standard” widmete dem Thema in Print und Online 800 Zeichen, das ist wenig, aber dafür sind umso mehr Fehler in dem Beitrag. Gehen wir den Artikel doch mal der Reihe nach durch.

Die Überschrift:

“FAZ”-Journalist Niggemeier wegen Postings abgemahnt

Nicht ganz richtig: Niggemeier war von 2001 bis 2006 laut seinem Lebenslauf (der ist auch online einsehbar, das kann man also auch ohne zu telefonieren recherchieren) verantwortlicher Medienredakteur bei der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” und schreibt meines Wissens derzeit auf freier Basis für dieses Blatt.

Erster Satz des Artikels:

Stefan Niggemeier, Fernsehkritiker der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung” wurde wegen zweier Postings auf seiner Homepage stefan-niggemeier.de verurteilt.

Jetzt wird’s a bisserl viel, Freunde: Also Niggemeier hat meines Wissens zwar viel Ahnung vom Fernsehen und schreibt auch gerne und oft darüber, aber er ist nicht explizit als “Fernsehkritiker” tätig, und wohl auch nicht (siehe oben) für dieses Blatt. Hui, “wegen zweier Postings auf seiner Homepage stefan-niggemeier.de” wurde er also “verurteilt”. Da nehme ich mal an, dass er die Postings auf seiner Homepage (und nicht seinem Weblog) verfasst hat. Ha, und “verurteilt” wurde er also auch gleich.

Aber der “Standard” bemüht sich Klarheit zu schaffen, das ist redlich – nächster Satz:

Der umstrittene Gewinnspieleveranstalter Callactive fühlte sich durch zwei Kommentare in Niggemeiers-Fernsehblog beleidigt und ließ den Journalisten abmahnen.
Aha, die “Postings” waren also “Kommentare”, hm, vielleicht hätte man dazu schreiben sollen, dass es sich um Leser-Kommentare handelte, wie Niggemeier in seinem Beitrag “In eigener Sache” schrieb. Aus der Homepage wird jetzt ein “Fernsehblog”, was der Sache wohl einigermaßen gerecht wird, genaugenommen ist es ein Medienblog. Interessant wäre es vielleicht für die Leser gewesen, zu erfahren, wo und wie der “umstrittene Gewinnspieleveranstalter Callactive” denn tätig ist.

Der nächste Satz:

Das Landgericht Hamburg erließ eine einstweilige Verfügung, die Niggemeier die in den Kommentaren gemachten Äußerungen untersagt.
Volltreffer: Dieser Satz ist richtig! Steht auch fast genauso auf Niggemeiers Blog.

Jetzt wird’s richtig spannend:

Der TV-Kritiker verabschiedete sich vorerst in den Urlaub, der Blog bleibt einstweilen geschlossen.
Den “TV Kritiker” schenken wir uns, wichtiger ist, dass er sich wohl nur wegen dieser Sache “vorerst” aus dem Staub gemacht hat, so könnte man das lesen. Immerhin verrät uns der “verurteilte” Niggemeier auf seinem Blog etwas von seinen Fluchtplänen: “Ich habe gehört, es gibt ein Leben außerhalb des Internets. Die nächsten zehn Tage gucke ich mal nach, ob das stimmt.” Dass das Blog “einstweilen geschlossen” bleibt, scheint auch nicht zu stimmen, es wird, wie Niggemeier ebenso mitteilte, von einem Vertreter bespielt und war auch in den letzten Tagen nicht offline.

Kommen wir zum letzten Satz:

Callactive geht auch gegen andere Kritiker vor: Die Plattform call-in-tv.de darf nach Gerichtsbeschluss nicht mehr von “verwirrten Anrufern” schreiben.
Ich würde sagen: Ist okay so. Hm, dann dürfen sie halt nicht mehr von “verwirrten Anrufern” schreiben, da wird ihnen wohl auch kein Zacken aus der Krone fallen, mag man als Leser denken. Für den gemeinen Leser etwas deutlicher schreibt es der Medienprofessor Horst Müller bei Blogmedien:
Nach einem Urteil des Oberlandesgerichts München muss der Berliner [der Betreiber von call-in-tv.de, T.M.] mit einer Strafe von bis zu 250.000 Euro rechnen, wenn in seinem Forum noch einmal der Begriff “verwirrte Anrufer” im Zusammenhang mit Anrufsendungen des Endemol-Tochterunternehmens Callactive auftauchen sollte.

Sorry, liebe Kollegen vom “Standard”, aber das war wohl gar nichts.

Twitter – was nun?

Vor drei Monaten fragten wir hier nach potenziellen Einsatzmöglichkeiten von Twitter für Onlinejournalisten. Das war zu der Zeit, als mehrere Redaktionen stolz die Einrichtung eines eigenen Twitter-Kanal vermeldeten. Und nun? Gibt es tatsächlich erfolgreiche Beispiele? Oder ist es eher ein Second-Life-Phänomen des Schnell-auf-den-Zug-Aufspringens gewesen? Oder braucht’s noch mehr Zeit?

Meine persönliche Erfahrung: Wir haben Twitter beim G8-Gipfelblog als eine Art Ticker auf der Homepage integriert. Für kurze News und belanglose Schnipsel war es eine nette Ergänzung, tatsächlich spürte man auf der Macher-Seite auch einen leichten Suchtfaktor. Aber wirklich notwendig war die Twitter-Integration in diesem Fall nicht – und wir sind auch ganz schnell wieder von der Droge heruntergekommen.

“Hausarrest” für Blogger: Medien und Berufsverbände schweigen

“Unbequeme Blogger unter Hausarrest zu stellen [wie etwa in China, T.M.], ist in Deutschland gesetzlich nicht möglich. Hierzulande gibt es subtilere Methoden – wer sich kritisch im Internet äußert, muss damit rechnen wirtschaftlich ruiniert werden”, schreibt Horst Müller bei Blogmedien.

Er schildert den Fall von Marc Döhler, dem Betreiber der Website Call-In-TV, der mittlerweile “nach eigenen Angaben finanziell am Ende” sei. Weiter erwähnt Müller, dass Stefan Niggemeier, “der sich häufig und besonders mit dem Fall in seinem Blog beschäftigt hatte”, nun wegen zwei Kommentaren in seinem Blog letzte Woche eine einstweilige Verfügung des Hamburger Landgerichts erhalten hat.

Diese Fälle sind weitestgehend bekannt. Müller konstatiert jedoch, dass “die deutsche Bloggerszene offenbar fassungs- und sprachlos” sei. “Kommentarfunktionen wurden am Mittwoch und Donnerstag gleich reihenweise abgeschaltet.” Er kritisiert das Blogger in Deutschland kaum mit Unterstützung rechnen könnten: “Weder aus der Politik, noch von den Leitmedien (…) Warum sollten sich die so genannte etablierten Medien und deren Berufsververbände auch für unliebsame Konkurrenten ins Zeug legen, die ihnen dazu auch noch regelmäßig selbst auf die Finger schauen, so wie Stefan Niggemeier in seinem Blog?”

Nachtrag:
Vielleicht kann ich ja meinen Verband, den Deutschen Journalisten-Verband (DJV), davon überzeugen, neben Professoren und Polizisten auch einen betroffenen Blogger zu seinem Zukunftskongress im September einzuladen – schließlich lautet das Leitthema dieser Veranstaltung: “Ethik 2.0 – Schöne neue Online-Welt?” Ich bin selbst ehrenamtlich im Bayerischen Journalisten-Verband, einem Landesverband des DJV, als Sprecher der Online-Journalisten tätig.

Nachtrag 15.08.07
Stefan Niggemeier wurde erneut von Callactive abgemahnt. Er kommentiert dies u.a. so:

“Hätte Callactive mit diesem Vorgehen Erfolg, wäre das meiner Meinung nach das Ende der offenen Diskussion in Foren und Blogs, in den Leserkommentaren von Online-Medien und im Internet überhaupt.”

Reichweitenmessung und ihre Tücken

Je nachdem, welches Werkzeug man zur Reichweitenmessung seiner Website einsetzt, welche Berechnungsgrundlage dies anwendet und was es herausfiltert, kann es erheblich Abweichungen geben. Das IVW-Pixel ist da in Deutschland noch die verlässlichste Währungseinheit – ob die Messung nach Klicks die reine Wahrheit ist, ist dagegen eine ganz andere Frage. In den USA streicht deshalb Nielsen Netratings die Bedeutung der auf einer Website verbrachten Zeit heraus – verlässt sich dabei allerdings auf ein User-Panel, nicht auf tatsächliche Server-Daten der Angebote.

Ausführlich mit der ganzen Thematik beschäftigt sich Mark Glaser bei Media Shift/PBS, der seine Serie “The Problem with Web Measurement” nennt (Teil 1, Teil 2). Eigentlich sei es ein Wunder, dass sich angesichts der diversen fehlerhaften Messmethoden überhaupt jemand auf Werbeschaltungen im Web einlasse, meint Glaser.

Brückeneinsturz in Breitwand und Farbe

Wie bei allen größeren Nachrichtenereignissen mit US-Relevanz lohnt sich der Blick über den großen Teich. Wie wurde die Nachricht dort aufbereitet?

CNN hat natürlich ein dickes Paket. Interessant: Die ersten Bilder kamen erneut von einem Bürgerjournalisten. Und der hat CNN.com gleich mit ordentlichen Fotos für eine ganze Galerie versorgt. Außerdem gibt es eine Info-Grafik zur Brücke mit Vorher-Nachher-Ansichten.

USA Today bietet u. a. eine Infografik, in der einzelne Detailfotos im Gesamtzusammenhang verortet sind.

Die New York Times hat eine Sammel-Newsstory. Diese verweist vor allem auf die zahlreichen weiteren Beiträge im eigenen Angebot – vom Podcast eines Times-Reporters über Kurzmeldungen bis hin zu Videos, aber es finden sich auch Hinweise auf offizielle Statements im Netz und User- und Blogger-Meinungen. Augenblickblich macht die Times statt mit einem normalen Foto mit einer 5-teiligen Bilderstecke auf, die die bauliche Struktur der Brücke erläutert, aber einen nicht wirklich vom Hocker haut. Auch eine weitere Infografik ist eigentlich nur eine banale Karte.

Nachtrag: Wired-Artikel zu “Internet-Reaktionen”.

Wie weiblich sind Weblogs?

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In Blogs und Blog-Kommentaren bestimmen Männer den Ton. Besonders, wenn die Diskussion ums Bloggen selbst geht, ist von Frauen kaum etwas zu hören. Stimmt der Eindruck? onlinejournalismus.de sprach darüber mit Jan Schmidt. Ein Mann – aber einer, der es wissen muss.
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