Myheimat: Stadtgeflüster mit Gewinn
Mit Bürgerjournalismus Geld zu verdienen schien bislang unmöglich. Die Augsburger Internet-Plattform MyHeimat schafft es mit ihren Print-Ausgaben. Weiterlesen…
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Stephen Colbert lässt dem papiertrollenden Internet-Paranoiker Andrew Keen die einzig richtige Behandlung angedeihen – die humoristische. [Video bei Comedy Central] Wir sollten vielleicht öfter gleich die Komiker reinrufen, statt unsere Zeit bei wichtigtuerischen Journalisten-Panels und Kongressen zu verplempern…
“Bei vielen onlinejournalistischen Angeboten wird kritisiert, dass sie die Möglichkeiten der Multimedialität, also die Wahl des jeweils geeigneten Kommunikationskanals, unzureichend ausschöpfen”, heißt es im Wikipedia-Beitrag zum Online-Journalismus. Dem kann ich zustimmen. Manchmal ist es aber auch des Multimedialen zu viel oder die Qualität auf diesen Ausspielkanälen ist einfach schlecht. Das stellt Thomas Hollmann in der aktuellen Ausgabe seiner “Mediennachlese” im Inforadio des RBB fest.
Hollmann nennt Audio-Angebote von Zeitungen und berichtet von seinen Erfahrungen damit:
“Leider nur liest nicht der Autor seinen Artikel vor, sondern ein Computerprogramm wandelt die Schrift in Sprache um. Was eindeutig zu Lasten von Klaus Wowereit geht. Denn der heißt Klaus Wauwereit und trinkt gerne Chaumpagner. Was sich nicht schön anhört. Tragisch wird es, wenn das Zeitungsvorleseprogramm aus MS-Patienten Millisekunden-Patienten macht. Und der Artikel-Roboter in einem fort leiert und falsch betont und Wörter verstümmelt, dass einem das Trommelfell blutet.”
Für Hollmann sind solche Misstöne beispielhaft und er folgert: “Technisch geht es bergab in den Medien”. Als weitere Belege für die These erwähnt er schlechte Bilder bei CNN – “Wichtig ist die kostengünstige Krise, nicht die Qualität ihrer Abbildung”, und Fotos von Leserreportern der “Bild”.
Schuld an der mangelhaften Qualität sei “zu viel mediale Technik in dieser Welt und viel zu viele, die sie ohne Hemmungen” benutzen und verbreiten. Die Folgen seien “fatal”: “Wir gewöhnen uns an einen technischen Standard, der ständig sinkt. Denn wenn die Form wurscht ist, dem ist irgendwann auch der Inhalt egal”. Das klingt doch ein bisschen zu kulturpessimistisch.
Das Gute-Medien-Taxi, das Video-Beiträge über Medien und Medienmacher publiziert, hat ein kleines Video über die Arbeitsweise von Jörg Pfeiffer von km42 (Spiegel Online) gemacht. Ist zwar keine Sensation, aber man bekommt einen Einblick in die Arbeit eines Videoreporters. Bewundernswert fand ich vor allem, dass Jörg seine Beiträge im Hochbett seines Campers am Laptop schneidet.
Die Deutsche Presse-Agentur dpa wird zu Beginn des kommenden Jahres einen Video-Dienst für die Online-Nutzung starten. “Den inhaltlichen Schwerpunkt bilden aus unserer Kernkompetenz heraus nachrichtlich orientierte Stücke aus Deutschland”, sagte dpa-Chefredakteuer Wilm Herlyn am Freitag in Hamburg. Der Dienst unter dem Markennamen “dpa video service” wird aus selbst gedrehtem und zugekauftem Material erstellt.
Inhaltlich betreut wird der Video-Service von Susanne Matthiessen, Geschäftsführerin der dpa-Rufa Rundfunk-Agenturdienste. Dort wurden drei neue Stellen in der Redaktion für den Dienst geschaffen. “Kunden werden künftig werktäglich fünf Videos und Bewegtbildangebote wie beispielsweise Audio-Slide-Shows erhalten, für das Wochenende sind täglich zwei Filme vorgesehen”, sagte Matthiessen.
Das Team wird mit Entertainment und Service, bildstarken Themen, Umfragen und online-affinen Stücken experimentieren.
Offenbar will man sich nicht länger die Butter vom Brot nehmen lassen – bisher greifen deutsche Zeitung für ihre Videoangebote vor allem auf Angebote von Reuters und ZoomIn zurück. Am interessantesten finde ich aber den Punkt mit den Audio-Slideshows: Ein bisher in Deutschland vernachlässigtes Genre, für das dpa aber mit seinem bereits bestehenden Bilderdienst und dpa/Rufa für den Hörfunk die richtigen Ressourcen mitbringt.
Die New York Times hat in der Vergangenheit mehrfach mit Bezahl- und Registriermodellen experimentiert. Jetzt ist, wie bereits vermutet wurde, Schluss mit Paid Content bei nytimes.com. Der Bezahlbereich Times Select für Leitartikel und Kolumnen wird geknickt, auch das Archiv für Artikel ab 1987 ist kostenfrei nutzbar. Seit 2005 hätten sich die Online-Nutzer-Ströme signifikant verändert, deswegen sei es entscheidend, den Zugang zu den Inhalten nicht durch Bezahlbarrieren zu blockieren, heißt es in der NYT-Ankündigung. Und im eigenen NYT-Artikelzum gleichen Thema:
(via Wortfeld). Spiegel Online beschäftigt sich aus diesem Anlass noch mal mit übrig gebliebenen Sonderfall Wall Street Journal, dem Standardbeispiel in “allen Diskussionen über die Möglichkeiten des Online-Publishing als Beweis dafür, dass Bezahlangebote in der Kostenlos-Kultur des WWW eben doch funktionieren”. Rupert Murdoch will dort ja wahrscheinlich auch die Preisschilder entfernen.The Times said the project had met expectations, drawing 227,000 paying subscribers — out of 787,000 over all — and generating about $10 million a year in revenue.
… demnächst wohl wirklich! Immerhin gibt es bei der Online Marketing Messe Düsseldorf (OMD) am 25. und 26. September 2007 eine “Vorschau” zu sehen. “Wenige Wochen vor dem tatsächlichen Start hat die Fachöffentlichkeit die Möglichkeit, einen ersten Blick auf die Zukunft des Online-Lokaljournalismus zu werfen”, heißt es in einer Pressemitteilung der WAZ-Mediengruppe. Auch könnten die Besucher bei der OMD erfahren, wie das Portal dann wirklich heißen werde, “Westeins” sei nur ein Arbeitstitel gewesen.
Außerdem möchte die WAZ-Mediengruppe “neue Werbeformen für regionales Marketing” vorstellen. So werden in Landkarten integrierte Werbemittel und die digitale Version der aus Lokalzeitungen bekannten Beilagen gezeigt.
Zuletzt war es recht ruhig um das Projekt geworden, dessen Starttermin mehrmals verschoben wurde. Der letzte Eintrag im Projektblog Westeins datierte vom 5. Juli 2007. Der anonyme Blogger “Wazsolls”, der offenbar aus der “WAZ”-Redaktion kam, war schon Mitte Mai verstummt. Online-Chefredakteurin Katharina Borchert, der letzte Eintrag auf ihrem Privatblog Lyssas Lounge datiert vom 28. Juni 2007 (sind wir wieder genau!), ist weiterhin an Bord. Wir sind gespannt.
Nein, die Rede ist nicht von Kurt Beck: stern.de schafft es, eine neunteilige Bildergalerie von einem Fotoshooting mit Murat Kurnaz in Berlin zu bauen, in der ständig von Kurnaz’ zeitweilig wallender Haar- und Barttracht die Rede ist. Zu sehen ist diese allerdings nur auf einer abfotograftierten Zeitschrift (Bild Nr. 8), frühere Fotos von Kurnaz sind nicht eingebaut. Textlich begleitet werden die Fotos stattdessen von Platitüden wie: “Der Bart war zum Symbol für Murat Kurnaz geworden”.
Trotz aller vollmundig angekündigten Online-Offensiven (siehe Merkzettel für 2007) doch kein Durchbruch, sondern vor allem Skepsis bei den Vertretern der alten Medien? Darum ging’s bei der ungefähr 1236. Diskussionsrunde zur Zukunft des Onlinejournalismus und der Medien allgemein, diesmal veranstaltet von der dpa-Tochter news aktuell.
Die Diskutanten stellten übereinstimmend fest, dass aus ihrer Sicht der vielfach prophezeite Durchbruch des Onlinejournalismus im Jahr 2007 noch nicht stattgefunden hat und dies auch nicht mehr zu erwarten sei.
So fasst die Pressemitteilung der Veranstalter das Ergebnis zusammen. Dass man das auch anders sehen kann, ist bei Wirres.net unter der schönen Headline “Leidenschaftslos bis zum Umfallen” zu lesen:
thema sollte angeblich lauten „Von der Edelfeder zum Contentlieferanten? – Printmedien im Wandel“. doch davon war eigentlich kaum die rede. was man auf dem podium sah und hörte waren beschwörungsformeln, ratlosigkeit und ein bisschen grossmannssucht.
Der offizielle news-aktuell-Begleit-Blogger Jens Petersen kann diesem offensichtlichen Widerspruch als PRler natürlich nur positives abgewinnen:
Es gibt also noch viel zu tun. Freuen wir uns schon jetzt auf 2008!
(via Jonet).

Konzerne, Parteien, Prominente oder deren Mitarbeiter ändern oft die entsprechenden Wikipedia-Einträge – zu beobachten auch im Fall von „Weltwoche“-Chef Roger Köppel, ehemals Chefredakteur der „Welt“.
Von Michael Soukup
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