“Gemeinschaft und Bier” in Bild und Ton
![Schützenfest in Meschede sauerlandthemen.de (Screenshot [M]) Schützenfest in Meschede bei sauerlandthemen.de (Screenshot [M])](http://www.onlinejournalismus.de/wp-content/uploads/2007/10/screenshot_meschede-copy.jpg)
Die Böller donnern, der Spielmannszug marschiert, die Schützenbrüder loben das frische Pils am Vormittag – Andreas Beer, sonst Text- und Bild-Journalist, hat bei einem Sauerländer Schützenfest auch das Mikro für Atmo und O-Töne dabeigehabt. Dem Gesamtwerk tut das äußerst gut. Solche Audio-Bildergalerien sind als Darstellungsform in Deutschland bisher kaum verbreitet – obwohl hier eigentlich so Zeitungsjournalisten mit verhältnismäßig wenig Aufwand Multimedia produzieren können – gerade im Lokalen. Andreas Beer schildert im Interview seine Erfahrungen.
Wie ist die Audio-Bildergalerie zum Schützenfest in Meschede entstanden? Hatten Sie von Anfang an ein Soundslides-Projekt gedacht oder war es eher ein Nebenprodukt?
Als ersten ernsthaften Einsatz für die Software von Joe Weiss hatte ich mir eine Reportage über eine Klinik-Clownin vorgenommen. Da das gleichzeitige Hantieren mit Kamera und Mikrofon und die anschließende Produktion Übung erfordert, kam mir das Schützenfest in Meschede als Trainingslauf gerade recht. Erst war es eine Langversion in vier Teilen. Weil die nur für die am Ereignis beteiligten von Interesse ist, habe ich noch einmal alles in einer einzelnen Audio-Galerie zusammengefasst.
Wie haben die Schützen auf Ihr Multimedia-Projekt reagiert? Haben Sie sie mit dem Begriff “Blog” konfrontiert?
Der sauerländische Schütze ruht in sich selbst und ist auch durch Begeisterung nicht aus der Fassung zu bringen. Davon abgesehen waren die Reaktionen sehr positiv.
Kaum hatte ich die vier Teile der Langversion veröffentlicht, bat schon jemand per Mail darum, das Ganze auf CD-ROM zu bekommen. Es sollte, glaube ich, ein Geschenk für einen der Schützen sein. Und weil man sich hier kennt, wurde ich auch in der Stadt darauf angesprochen und gelobt.
Es wusste vorher niemand, warum ich außer mit der Kamera auch noch mit einem Mikrofon unterwegs bin. Die meisten haben wohl vermutet, dass ich jetzt auch noch Radio mache. Mit dem Begriff “Blog” brauche ich hier niemandem zu kommen. Kennt man hier nicht so, ist auch nicht wirklich interessant. Aber ich “blogge” ja auch nicht, sondern stelle nur meinen Zeitungskram und was sonst noch so rumliegt ins Netz.
“Alles alleine und gleichzeitig”
Sie haben also schon mehrere Soundgalerien erstellt. Wie gehen Sie bei der Arbeit vor? Wo liegen Schwierigkeiten?
Wann immer ich glaube, irgend etwas eigne sich dazu, als Soundslide erzählt zu werden, nehme ich das Mikrofon und den Minidisk-Rekorder mit. Die größte Schwierigkeit besteht dann darin, alles alleine und gleichzeitig zu machen. Ein Mensch am Mikrofon und einer für die Kamera wäre definitiv die bessere Arbeitsweise. So ist es mitunter ein furchtbares Gehampel aber mit etwas Übung geht es.
Wie unterscheidet sich Ihre die Produktion von Soundslides von Ihrer normalen journalistischen Tätigkeit? Sie arbeiten sonst zum Beispiel für die Westfälische Rundschau?
Die Westfälische Rundschau hat damit gar nichts zu tun. Dort liefere ich nur Texte und Bilder ab. Wie bei den meisten anderen Tageszeitungen (oder sind es alle?) beschränkt sich auch die WAZ Medien Gruppe bislang auf die bekannten Online-Bildergalerien.
Welchen Chancen sehen Sie für das Format Audio-Bildergalerie?
In Deutschland haben immerhin Stern und Spiegel dieses Format schon für sich entdeckt. Die Web-Angebote der deutschen Tageszeitungen haben da noch ein großes Entwicklungspotenzial. Angesichts der sehr dünnen Personaldecke in den meisten Redaktionen und dem damit verbundenen Drang, schnell und einfach zu produzieren, weiß ich aber beim besten Willen nicht, wie man Redakteure dazu bringen will, auch noch Audio-Galerien zu machen. Ein 1:30-Video-Filmchen geht schneller, wenn auch nicht besser.
Ich denke, Audio-Galerien sind eine wunderbare Sache, um das Angebot freier Journalisten und Fotografen zu bereichern. Ob dieses Angebot von den ganz normalen Tageszeitungen bezahlt wird, ist eine ganz andere Frage, aber die entscheidende.
Warum setzen Sie dann Soundslides ein?
Ich arbeite als freier Journalist. Da die Bezahlung in der Regel miserabel ist und Aufträge für größere Produktionen wie (richtige) Reportagen oder eben Audio-Galerien so selten sind wie ein Tsunami in der Eifel, ist Spaß an der Arbeit der einzige Luxus, den ich mir gönne.
Das Interview wurde per E-Mail geführt.
Weitere Links
bei onlinejournalismus.de:
- Audio-Slideshows in Deutschland. Wachsender Überblick des Einsatzes bei verschiedenen Medien. (09/2007)
- Soundslides: Kurzer Erfahrungsbericht. Tipps zum Einsatz der Software.
im sonstigen Internet
- Soundphotographer. Deutschsprachiges Blog zum Thema Audiogalerien.
- Sauerlandthemen. Audio-Galerien von Andreas Beer.
- Andreas Beer. Homepage des freien Journalisten.




Warum Audio-Slideshows nicht funktionieren……
… zumindest in Deutschland: Alle (wirklich alle) Newsseiten setzen zur Klick-Generierung (auch) auf Bildergalerien (auch wir). Das ist vollkommen legitim. Slideshows, z.B. erstellt mit dem genial-einfachen Soundslides, sind besser. Zugegeben. Si…