Schirrmachers Geniestreich
Von Fiete Stegers am 31. Oktober 2007Der Puls des Mannes rast offenbar.
“Der Pulsschlag des Textes” (so der ursprüngliche Titel der in der Süddeutschen Zeitung abgedruckten Dankesrede von Frank Schirrmacher anlässlich seiner Auszeichnung mit dem Jacob-Grimm-Preis für Deutsche Sprache) heißt zwar inzwischen in seiner Online-Fassung versöhnlich “Wir brauchen eine Debatte”. So, als ob das Internet doch nicht mehr zwangsläufig den Untergang des Abendlandes bedeute. So wollte ich über die Äußerungen eigentlich schweigen, Gegenreden hat es auch schon genug gegeben (Stöcker, Boudgoust, Beckedahl).
Beim Studium der Rede ist uns aber aufgefallen, dass Kulturkritiker Schirrmacher den Preis für Deutsche Sprache im nächsten Jahre wahrscheinlich erneut bekommen wird: Denn der Adrenalinausstoß hat dafür gesorgt, dass er ein lange schmerzlich vermisstes Wort kreiert hat: “Aufschreibsysteme”.
Damit können nur Blogs gemeint sein, auch wenn Schirrmacher das Wort im Zusammenhang mit den Öffentlich-Rechtlichen fallen lässt (”staatlich-finanzierte Aufschreibsysteme”). Aber das ist eine andere Debatte.
[www.aufschreibsystem.de ist übrigens noch zu haben …]
Nachtrag, viel später:
Der Vollständigkeit halber hier auch Schirrmachers Replik auf Stöcker. Zitat:
“Das Internet ist an allem schuld”. Das ist eine Formel der Moral, es folgt eine der Zeit und des Ortes: “Nur Druckerpressen können das Abendland noch retten”. Das sind zwei Überschriften, die nichts mit der Rede zu tun haben. Sie stammen aus dem Kopf des Internetredakteurs, nicht aus dem Mund des Redners.
1. November 2007 um 12:32
na, ganz so originell ist schirrmacher auch da nicht. siehe: http://de.wikipedia.org/wiki/Aufschreibesystem