Bereits Ende Juli wurde vermutet, dass die Berliner Netzeitung bald die Münchner “Abendzeitung” bei ihrem dahindümpelnden Internet-Auftritt unterstützen soll (wir berichteten). In der “Welt am Sonntag” bestätigt dies nun Kai-Hinrich Renner: “Die Netzeitung wird künftig den Internetauftritt der Münchner “Abendzeitung” produzieren”. Äußern wolle sich noch keiner der Beteiligten, heißt es weiter.
Schon vor vier Jahren haben wir über die Internet-Probleme der “Abendzeitung” berichtet, getan hat sich seither fast nichts auf der Seite. Die Netzeitung, deren Vertrag für die Produktion der Website des Nachrichtensenders N24 laut “WamS” Ende des Jahres ausläuft, kann hier also nur Boden gut machen. Die Zugriffszahlen des Webauftritts der Münchner sind im Keller, für den August weist die IVW-Statistik 86.246 Visits und 464.396 Pageimpressions aus. Zum Vergleich: Ein Hobbyprojekt, wie das Stadtblog Muenchenblogger, hat nach eigenen Angaben täglich 3.000 Besucher.
Die Netzeitung wird es schaffen, die Seite wesentlich aufzupeppen, die Besucherzahlen werden steigen. Im besten Fall entsteht für beide Seiten in finanzieller Hinsicht eine Win-Win-Situation auf niedrigem Niveau. Trotzdem ist ein Artmutszeugnis für die “Abendzeitung”, dass sie es nicht schafft, mit den eigenen Leuten einen vernünftigen Internet-Auftritt hinzubekommen. Journalistisches Potenzial dafür hätte es jede Menge gegeben. Die “Abendzeitung” verspielt wohl ein für alle mal die Chance, ihre Marke und ihre speziellen Stärken (wie etwa lokale Kompetenz) im Netz zu etablieren. Ob sich die an Auflageverlusten leidende Straßenverkaufszeitung dies leisten kann, darf bezweifelt werden. Das “Servus Minga!” aus Berlin kann noch einen ganz faden Beigeschmack entfalten.
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