Archiv für November 2007

So unrecht hat Michael Konken eigentlich gar nicht …

Von Thomas Mrazek am 29. November 2007

In seiner umstrittenen Rede zum DJV-Verbandstag sagte der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV) unter anderem:

“Der Online-Journalismus hat seinen festen Platz im deutschen Medienangebot. Ohne Medienethik ist er nicht denkbar. Die glaubwürdige journalistische Arbeit muss geschützt werden, damit die, die wirklich qualitative journalistische Arbeit leisten, geschützt werden. Wir müssen in den nächsten Monaten eine quantitative Entrümpelung vornehmen, müssen qualitativ ausdünnen und festlegen, was unseren journalistischen Ansprüchen genügt.”

Hm, wenn ich mir heute beispielsweise anschaue, wie “Kress - Der Mediendienst” unter der Überschrift “Studis zum Anfassen” einen StudiVZ-Kalender (mit Bildchen) anpreist:

“Das studiVZ erorbert (sic) die reale Welt mit einem “Eleganz-Kalender”. Hierfür ließen sich je 12 Studentinnen und Studenten von dem Fotografen Max Seam halbnackt ablichten. Heraus kam ein Wendekalender - je nach Vorliebe räkeln sich entweder leicht bekleidete Mädels oder Jungs in einem “eleganten Ambiente”. (…) Das gute Stück gibt’s ab 1. Dezember 19,90 Euro auf www.studivz-eleganz.net. Interessenten (sprich: Freunde und Bekannte der Models) müssen dann ganz schnell sein, die Auflage ist nämlich limitiert!”

Tja, und an anderer Stelle, in der Blogbar, arbeitet sich Don Alphonso auf andere Weise an StudiVZ ab, und hat dazu wohl nicht – mehr oder weniger lustvoll – im StudiVZ-Kalender (”Ihr persönliches Exemplar!” steht da bestimmt dabei) geblättert und als Dank dafür einen Anzeigentext geschrieben, er schreibt nämlich über: “Da lacht der Landser: StudiVZ und der Umgang mit Rechtsradikalen”.

So kommt halt jeder seinem Auftrag, seinen Interessen und natürlich den Interessen seiner Zielgruppen nach. Und die Richtlinien des Deutschen Presserats, beispielsweise Richtlinie 7.2 Schleichwerbung, gelten ja noch nicht für Online-Medien. Aber vielleicht gibt es ja in den nächsten Monaten tatsächlich eine “quantitative Entrümpelung”. Meinen journalistischen Ansprüchen (oha!) entspricht die Kress.de-Trallala-Berichterstattung schon seit längerem nicht mehr.

Nachtrag 30.11.07
Herrje, wie hätte man denn als Mediendienst ansatzweise anders über das Thema berichten können? So wie Olaf Kolbrück im Horizont-Blog Off the Record etwa, der im StudiVZ-Kalender ein Geschmacksverbrechen sieht und auch die braune Problemzone nicht zu erwähnen vergisst.

Mopeten ohne Moneten

Von Fiete Stegers am 29. November 2007

Stephan Fritsch von Mopeten.tv
Stephan Fritsch und seine Mitstreiter haben 2007 ihre eigene private Online-Video-Offensive gestartet - in Form von Mopeten.tv, einem Motorrad-Magazin im Internet. Obwohl sie in das Magazin einiges an Film-Erfahrung, manches Wochenende und viel Herzblut stecken, hat sich bisher für sie keine Möglichkeit aufgetan, auch Geld damit zu verdienen. Wie und warum sie Mopeten.tv trotzdem machen, erzählt Fritsch im Interview.

[Video, 4:10 min, ca. 15,1 MB, Creative Commons-Lizenz ]
Creative Commons License



Weitere Links

bei onlinejournalismus.de:

Im sonstigen Internet:

  • Mopeten.tv Das Motorradmagazin im Netz, Motto “Fast so schön wie selber fahren”.
  • Websehen. Weblog von Julia Schmid zum Thema Internet-TV.

DJV lädt zur Podiumsdiskussion “Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www” ein

Von Thomas Mrazek am 27. November 2007

Update 11.01.08
DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

Update 09.01.08: Die Podiumsdiskussion am Donnerstag, 10.01.08, ist bereits ausgebucht, kann aber live unter www.djv.de/livestream ab 19.00 Uhr bis zum vorgesehenen Ende gegen 21.00 Uhr verfolgt werden.

Nachdem der Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, sich kürzlich mit seinen umstrittenen Äußerungen über Blogs einige Kritik von Bloggern und Journalisten anhören musste (siehe: “Müll von Qualität trennen”: Rede des DJV-Bundesvorsitzenden), gibt es am 10. Januar 2008, 19 Uhr in Berlin-Mitte Gelegenheit unter anderem mit ihm darüber zu sprechen. Hier der Text zu der Veranstaltung “Regeln oder Anarchie? – Journalismus im www”:

Brauchen Online-Medien klar umrissene journalistische Grundregeln, vergleichbar dem Pressekodex für Zeitungen und Zeitschriften? Welche Rolle spielt Qualitätsjournalismus im Internet? Welche Bedeutung kommt im journalistischen Alltag den Blogs zu? Diese Fragen werden vor allem in Internetblogs immer wieder sehr strittig diskutiert. Der DJV will die Diskussion öffentlich mit Medienexperten und Praktikern führen. Über den Journalismus im world wide web diskutieren am 10. Januar unter anderem DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken, Hans-Ulrich Jörges vom Stern, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog und der Blogger Don Alphonso.

Bitte lassen Sie uns bis spätestens 21. Dezember 2007 per E-Mail an djv@djv.de wissen, ob Sie an der Podiumsdiskussion teilnehmen möchten. Weitere Details zu der DJV-Podiumsdiskussion teilen wir zu einem späteren Zeitpunkt mit.

Nachtrag 18.12.07
Das Podium ist nun vollständig: Hans-Ulrich Jörges vom “Stern”, Prof. Dr. Wolfgang Donsbach von der Universität Dresden, Thomas Knüwer vom Handelsblatt-Blog, Michaela May von N 24 (Chefkorrespondentin Politik), Björn Sievers von Focus Online, der Blogger Don Alphonso und DJV-Bundesvorsitzender Michael Konken.

Stattfinden wird das Ganze am Donnerstag, den 10. Januar 2008 um 19.00 Uhr im Automobil Forum Unter den Linden in Berlin-Mitte. Laut Pressemitteilung sind noch Anmeldungen unter djv@djv.de möglich.

“Historische Partnerschaft” bei On-Demand-Angebot

Von Fiete Stegers am 27. November 2007
TV rivals form on-demand service

The BBC, ITV and Channel 4 are to launch a joint on-demand service, which will bring together hundreds of hours of television programmes in one place.

(BBC)

Schlagwort-Stuß: zeit.de/themen

Von Fiete Stegers am 27. November 2007

Tags sind meiner Meinung nach als zusätzliche Möglichkeit zum Informationsmanagement grundsätzlich sehr sinnvoll - und auch Tagclouds würde ich nicht als überflüssige Spielerei schmähen, wie es mancher tut. So gibt die Tagcloud in der rechten Spalte von onlinejournalismus.de nicht nur einen schnellen Zugriff bei der thematischen Suche nach Artikeln, sondern zeigt neuen Nutzern auch gleich, was hier generell die thematischen Schwerpunkte sind.

Der Themenbrowser bei Zeit.de zeigt hingegen, wie man es nicht machen sollte. Über die Schlagworte kann man sich zwar immer weiter ins Detail klicken - aber erst auf der letzten Stufe werden auf einmal überraschend Artikel angezeigt, ohne dass klar wird, welchen Einfluss die jeweilige Auswahl des Nutzers hatte. Ob sich wirklich so viele User für den Unterpunkt “Verkehrsdelikte” interessieren? Eine thematische Gewichtigung ist auch nicht erkennbar. Dafür kann man sich die variable Tag-Teil-Wolke bildschirmfüllend anzeigen lassen - dann ist der Überraschungseffekt besonders groß …

Screenshot: Themenbrowser bei Zeit.de

Mehr bei onlinejournalismus.de:

Online-Magazin Echo Münster: In einem Jahr soll es sich über Werbung selbst finanzieren

Von Thomas Mrazek am 26. November 2007

Echo-Münster (Screenshot)

Anfang des Jahres wurde über Nacht die Lokalredaktion der “Münsterschen Zeitung” freigestellt (siehe Links am Ende der Seite). Neun der 19 so um ihren Job gebrachten Redakteure wagen seit Anfang November einen Neustart mit dem Online-Stadtmagazin Echo Münster. In einer Image-Broschüre heißt es dazu:

“Zusammen mit der Agentur Livingpage wurde echo-muenster entwickelt. Livingpage sorgt für Grafik, Technik und bildet die Redakteure in Zusammenarbeit mit der Petram (Personaltransfer- und Arbeitsmarktagentur) und der Agentur für Arbeit zu Online-Redakteuren aus. (…) Das gemeinsame Medien-Projekt wird Münster bis Ende 2008 begleiten, bis dahin haben Münsteranerinnen und Münsteraner entschieden, ob echo-muenster Zukunft hat.”

Wir stellten Stefan Clauser, einem der Redakteure, einige Fragen zu diesem Projekt.

Weiterlesen »

Auf einmal identifizierbar

Von Fiete Stegers am 21. November 2007

In einer kürzlich veröffentlichten Episode des Elektrischen Reporters gibt es eine interessante Prognose von Science-Fiction-Autor und Creative-Commons-Befürworter Cory Doctorow. Wer beim Anschauen des Videos nicht bis Minute 14 gelangt ist:

Als nächstes großes Ding kommt eine Serie von Einbrüchen in unsere Privatsphäre, ein paar große Knalls, einer nach dem anderen. Irgendjemand wird Gesichtserkennungssoftware richtig, richtig, gut hinbekommen. Und wenn das passiert, wird jedes Foto im Internet plötzlich mit einem Namen verbunden sein. Jede Person in jedem Foto wird identifizierbar sein. Das wird eine riesigen Bruch in der Privatsphäre bedeuten. Fotos, von den du dachtest, sie wären privat, weil sie nicht mit deinem Namen verbunden waren, werden plötzlich mit deinem Namen verbunden. Ehen werden zerbrechen, Kinder werden sicht mit ihren Eltern zerstreiten, Politiker werden stürzen, Leute werden ins Gefängnis kommen – einige zu Recht, andere nicht. Dissidenten werden zusammengetrieben und hingerichtet, verschwinden oder landen im Gefängnis. Und das sind nur einige der Sachen, die passieren werden.

Mit der Suchmaschine Riya.com gibt es ja bereits seit längerem einen Versuch in diese Richtung.

“einestages”: “Gewicht wird sich verschieben”

Von Fiete Stegers am 19. November 2007

Eines Tages (Screenshot/M: ojour)

Das Echo war überwiegend positiv, als Spiegel Online seine Zeitgeschichte-Community “einestages” Anfang Oktober startete - auch bei uns. Inzwischen gibt es auch einige Stimmen, die die Erfolgschancen eher kritisch sehen. Projektleiter Hans Michael Kloth spricht im Interview über die Startphase, PageImpressions und Ausbaumöglichkeiten.

Weiterlesen »

FAZ-Relaunch: Breit und blass

Von Fiete Stegers am 17. November 2007

Ich bin nur ein sporadischer Nutzer von FAZ.net. Auch nach dem Relaunch wird das nur so bleiben: nichts, was mich nach den ersten paar Klicks umgehauen und zum Dauernutzer konvertiert hätte. Zugegeben, viel Zeit um mich zu überzeugen habe ich den Frankfurtern nicht eingeräumt.

Aber was man sieht, sieht - wie schon erste andere Stimmen zum Relaunch sagen - wenig überraschend aus: Die Site ist in die Breite gegangen, setzt nur noch eine Top-Navigation ein (wie früher allerdings mit mit einer mich etwas verwirrenden, weil optisch wenig trennscharfen Subnavigation darunter), rechts oben wird ein Kommentar platziert (wie bei sueddeutsche.de), darunter das Videoangebot (gab’s das vorher schon? Vermutlich gut versteckt). Die Homepage wirkt weniger vollgepackt und ist es wahrscheinlich auch. Die vielen blauen Hintergründe sind verschwunden, stattdessen setzt man auf Weißraum - gut für die Lesbarkeit, böse formuliert aber blass, wie ein Kommentator im Jonet anmerkte.

Und die Gesamtwirkung?

Another news website in Germany looks like anybody else. (Talking about Spiegel.de, Focus.de, Suedeutsche.de, Welt.de,…)

Come to think of it, I should be rather proud, as the recipe everybody is converging upon is basically the same that we came up with nearly 10 years ago when we worked on the 1998 Spon5 relaunch.

schreibt Lorenz Lorenz-Meyer, seinerzeit Redakteur bei Spiegel Online - und noch ein paar weitere Sätze über Ähnlichkeiten und zur langfristigen Design-Entwicklung.

Ex-FAZ.net-Redakteur Peter Schumacher findet das neue Design seiner alten Kollegen gelungen, hat aber auch noch ein paar Verbesserungsvorschläge.

Zwei Sites, auf deren Meinung ich gespannt bin, haben sich noch nicht geäußert: das Design Tagebuch und Alexander Svenssons Wortfeld.

Update, 20.11.2007: Sieben Verbesserungsvorschläge bei Wortfeld - und hier die Analyse des Design Tagebuchs.

Zapp zu Video-Kooperationen zwischen Verlagen und Öffentlich-Rechtlichen

Von Fiete Stegers am 15. November 2007

Das NDR-Medienmagazin Zapp hat sich mit den Online-Video-Offensiven der Zeitungsverlage beschäftigt. Interessant sind die Statements von Vertretern beider Seiten zu möglichen Kooperationen, bei denen den Online-Redaktionen der Printhäuser TV-Material der Öffentlich-Rechtlichen zur Verfügung gestellt wird: ARD und ZDF führen nach eigenen Angaben schon Gespräche, die Zeitungsvertreter zeigen sich angetan, VPRT-Präsident Jürgen Doetz - na, was wohl? - wettert dagegen. Spannend, wohin diese Entwicklung geht - da stellen sich doch eine Menge Fragen, wer wie von wem proftieren würde und welche Gegenleistungen fällig wären …
Den Beitrag finden Sie online bei Zapp.

(Ich bin u. a. NDR- und WDR-Mitarbeiter.)