„Müll von Qualität trennen“: Rede des DJV-Bundesvorsitzenden

Update 11.01.08
DJV-Qualitätsdiskussion: Niveau einer Christiansen-Sendung

Update 09.01.08: Die Podiumsdiskussion am Donnerstag, 10.01.08, ist bereits ausgebucht, kann aber live unter www.djv.de/livestream ab 19.00 Uhr bis zum vorgesehenen Ende gegen 21.00 Uhr verfolgt werden.

Update 27.11.07: Der DJV lädt zu einer Diskussion mit Michael Konken ein.
Der unten aufgeführte Text ist ein Ausschnitt aus der Rede des Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Michael Konken, anlässlich des DJV-Verbandstags, der vom 5. bis 7. November 2007 in Saarbrücken stattfand. Ich bin auch Mitglied im DJV und dort ehrenamtlich engagiert, an dem Verbandstag habe ich auch teilgenommen.

Mit Konkens Aussagen bin ich fast in keinem Punkt einverstanden, leider habe ich mich nicht dazu aufraffen können, beim Verbandstag Widerrede zu halten. Ich würde mich freuen, wenn hier eine sachliche Debatte über diesen Redeausschnitt stattfinden würde. Ich denke, dass es auch im Sinne des Verfassers, Michael Konken, ist, dass eine öffentliche Diskussion über diese Aussagen stattfindet. Bitte beachtet/beachten Sie unsere Kommentar-Regeln. Die vollständige Rede ist auf der Website des DJV abrufbar.

„Der Onlinebereich ist aber auch ein Bereich, den wir verstärkt unter qualitativen Kriterien werten müssen. Nicht jeder, der sich dort als Journalist bezeichnet, hat etwas damit gemeinsam. Uns steht es gut zu Gesicht, wenn wir Richtlinien finden, um Müll von Qualität zu trennen und dies den Internetkonsumenten deutlich machen. Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art. Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen, die aber Persönlichkeitsrechte verletzen, sich nicht an unsere Postulate wie Wahrhaftigkeit, Objektivität, Vollständigkeit halten. Sie treiben ihr mieses Geschäft mit Veröffentlichungen, gegen die wir oft rechtlich nicht vorgehen können, die aber nicht selten ihre Voyeure finden.

Blogs sind meines Erachtens nur in ganz wenigen Ausnahmefällen journalistische Erzeugnisse. Sie sind eher der Tummelplatz für Menschen, die zu feige sind, ihre Meinung frei und unter ihrem Namen zu veröffentlichen.

Der Online-Journalismus hat seinen festen Platz im deutschen Medienangebot. Ohne Medienethik ist er nicht denkbar. Die glaubwürdige journalistische Arbeit muss geschützt werden, damit die, die wirklich qualitative journalistische Arbeit leisten, geschützt werden. Wir müssen in den nächsten Monaten eine quantitative Entrümpelung vornehmen, müssen qualitativ ausdünnen und festlegen, was unseren journalistischen Ansprüchen genügt.“

Update 12.-20.11.2007 – einige Reaktionen von Blogs und anderer Medien
Nein, ich sitze jetzt nicht vor dem Rechner, und freue mich darüber, dass sich ein paar Leute Gedanken zu dem Thema gemacht haben. Ich bin weiterhin verärgert über diese Aussagen. Zumal ich als ehrenamtlich engagiertes DJV-Mitglied in einigen Veranstaltungen und Gesprächen versucht habe, ein differenziertes Bild von der Sache zu vermitteln. Für mich und viele andere war das Thema eigentlich auch schon „gegessen“. Auch habe ich mehrmals publizistisch versucht, unter anderem im „Journalist“, der Mitgliederzeitschrift des DJV, die Sache mit den Blogs, die ja so kompliziert nicht sein kann, sachgerecht zu vermitteln.

Es gibt wohl für alle, die sich mit Medien beschäftigen derzeit wichtigere Themen, wie man zum Beispiel an einigen Bannern auf u.a. Blogs erkennen kann.

So sehen es andere Blogger und Medien:

Update 14.11.2007 – Ibusiness: DJV: „Blogger sind feige Menschen“

  • Antwort des DJV-Bundesvorsitzenden Michael Konken auf die offene E-Mail von Thomas Knüwer im Blog Indiskretion Ehrensache.

  • Artikel bei IBusiness
    Im leider nur per kostenpflichtiger Registrierung zugänglichen Ibusiness heißt es im Teaser:
    „DJV verteidigt seine Aussage: „Blogger sind feige Menschen“

    14.11.07 Gegenüber iBusiness beharrt der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) auf seinen Aussagen, die im Web aktuell mächtig Staub aufwirbeln. So wimmelt es im Web nach wie vor von „Schmierfinken, die sich als Journalisten bezeichnen“. Und Blogs sind ein „Tummelplatz für feige Menschen“.“

Update 15.11.07, 8.00 Uhr – DJV: „Es gibt nichts zu relativieren“
Ich habe den IBusiness-Text zwischenzeitlich vorliegen. Die Überschrift musste von „DJV verteidigt seine Aussage: „Blogger sind feige Menschen““ geändert werden in: „DJV verteidigt seine Aussage: „Blogs sind eher ein Tummelplatz für feige Menschen““. Der zuständige Redakteur, Stephan Randler kommentiert das so:

„Die ursprüngliche Überschrift des Artikels lautete: DJV verteidigt seine Aussage: „Blogger sind feige Menschen“.

Der DJV war mit dieser Überschrift nicht einverstanden und fühlte sich falsch zitiert. Wir geben zu: Die Aussage „Blogger sind feige Menschen“ war so nicht in der Rede gefallen. Sie spiegelt aber unserer Meinung nach – nach wie vor – die Essenz der Argumentation von Michael Konken wieder.

Lustig: Herr Konken verunglimpft auf der einen Seite Millionen von Bloggern als feige, wird aber selbst sehr empfindlich, wenn man seine Attacke auf den Punkt bringt.“

Im mir vorliegenden Text aus IBusiness, der hauptsächlich nur die Rede paraphrasiert, fallen mir zwei Fehler auf:

„Das Internet ist eine Plattform für Schmierfinken ganz besonderer Art“, attackiert er Online-Journalisten in seiner Rede.“

Michael Konken hat in seiner Rede keine Online-Journalisten attackiert. Er sagte vielmehr: „Das Internet ist eine Plattform auch für Schmierfinken ganz besonderer Art.“ (Hervorhebung T.M.) Und es sollte jedem klar sein, dass er damit nicht Online-Journalisten meinte.

Eher marginal ist dieser Fehler:

„Thomas Knüver etwa, Autor beim Handelsblatt-Blog Indiskretion Ehrensache, schämt sich wegen Konken, Mitglied im DJV zu sein: „Konken gießt einen Kübel Mist über all denen aus, die ihr Hobby im Netz pflegen“, regt er sich in seinem Blog auf.“

Naja, Name und Funktion von Thomas Knüwer sollte man so langsam kennen, in seiner offenen E-Mail stellt er sich als „Reporter in der Redaktion Handelsblatt“ vor.

Der Artikel endet so:

„Für Konken aber alles andere als ein Grund, über seine Rede noch einmal nachzudenken: „Es gibt nichts zu relativieren“, verteidigt der DJV Konkens Aussagen gegenüber iBusiness.“
Frage: Sagte das Michael Konken oder der DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner? Mei oh mei … Ein Lehrstück.

Update 15.11.07, 18.30 Uhr – „Bettlektüre für Michael Konken“
Indiskretion Ehrensache, Thomas Knüwer: Die Achse der Feigen und DJV-Chef Konken

Update 18.11.07 – Hal Fabers Wochenschau Was war. Was wird.

„OK, wie Journalisten sprechen, ist von alltäglicher Kommunikation nicht zu unterscheiden. Es sei denn, Journalisten reden über Ethik und von der vierten Macht im Staate, die sie volle Kanne sind, während Blogger einfach nur feige [Link auf Michael Konkens Rede, T.M.] sind.“ Weiter …

Update 02.12.07 – Hal Fabers Wochenschau Was war. Was wird.

„Gerade in der zuletzt noch im Bundesrat angemahnten Idee, dass Rechteinhaber einen Auskunftsanspruch gegenüber Internetprovidern haben sollen, zeigt sich, wie schnell man vom Pfad der gegen die Terroristen kämpfenden Tugend abkommen kann. So verlegt sich der deutsche Buchhandel auf das, was nach dem Konken [Link auf Sagichdoch?, Sven Scholz: Neue Vokabeln I, T.M.] als Wiefelspützen Eingang in die deutsche Sprache hält.“ Weiter …

Update 27.12.07 – „Journalisten vs. Blogger“ – 17-minütiges Radio-Interview mit Michael Konken bei Radio Corax, Halle/Saale
Download und Streaming beim Audioportal Freier Radios.

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