„einestages“: „Gewicht wird sich verschieben“

Eines Tages (Screenshot/M: ojour)

Das Echo war überwiegend positiv, als Spiegel Online seine Zeitgeschichte-Community „einestages“ Anfang Oktober startete – auch bei uns. Inzwischen gibt es auch einige Stimmen, die die Erfolgschancen eher kritisch sehen. Projektleiter Hans Michael Kloth spricht im Interview über die Startphase, PageImpressions und Ausbaumöglichkeiten.

Wie sieht Ihr persönliches Zwischenfazit aus – und was sagen die Zahlen (Page Impressions, Nutzer, Artikel)?

Wir haben schon nach zwei Wochen die 20 Millionen Page Impressions erreicht, die wir uns als Traumziel für den ganzen Monat nur erhofft hatten. Insgesamt lagen wir im ersten Monat bei fast 30 Millionen PIs. Mindestens so wichtig wie die hohe Zahl der Leser: „einestages“ hat mittlerweile über 5200 registrierte Nutzer.

Welche Themen kommen an, welche eher nicht?

Unsere Leser interessiert die ganze Palette zeithistorischer Themen. Wir fassen Zeitgeschichte ja bewusst sehr weit und bringen gerne Themen aus Popkultur, Technik, Alltagsgeschichte – das wird sehr gut angenommen. Zwei unserer Renner waren Geschichten über die achtziger Jahre im Ruhrpott und ein Artikel von Smudo von den Fantastischen Vier über die Anfänge des deutschsprachigen HipHop – an dem entspann sich gleich eine heftige Debatte, ob nun in Stuttgart oder in Sachsen zuerst auf Deutsch gerapt wurde. Aber natürlich haben hier auch die klassischen zeithistorischen Themen ihre Leserschaft.

Klicken die User, die über einen Teaser auf der Spiegel-Online-Homepage kommen, noch andere „einestages“-Beiträge an, oder sind sie sofort wieder weg?

Nein, die bleiben gerne. Unsere Statistik zeigt, dass die Leser nach der Lektüre eines Artikels häufig auf Links zu weiteren einestages-Texten klicken. Unsere Zeitgeschichten machen offensichtlich Lust auf mehr.

Mein Eindruck: Die bei weitem meisten Beiträge auf „einestages“ stammen von der Redaktion oder beauftragten Gastautoren. Warum kommt nicht mehr von den Nutzern?

Am Anfang konnte das ja nicht anders sein. Dass Leser mal eben eine Text aus dem Ärmel schütteln wie ein professioneller Journalist ist eher selten. Es braucht für Hobbyautoren ein wenig, bis sie aus einer Themenidee eine Zeitgeschichte gemacht haben. Wir sind nicht unbedingt der Ort für Schnellschüsse. Aber das Gewicht wird sich allmählich in Richtung Leserbeiträge verschieben. Mit der Zahl der Mitglieder steigt auch die Zahl der eingereichten Texte und Fotos.

Sie legen viel Wert auf Qualitätssicherung. Vielleicht schrecken die Hürden Nutzer ab, sich zu beteiligten?

Das ist die zentrale Herausforderung für die Redaktion. Unsere Leser erwarten auf „einestages“ Spiegel-Qualität. Unsere Mitglieder wollen aber natürlich auch echte Mitwirkungsmöglichkeiten. Die Lehre der ersten Wochen ist: Wir werden nicht mit Müll überschwemmt, im Gegenteil. Wenn sich Leser die Mühe machen, zu einestages beizutragen, sind diese Fotos, Artikel oder Hinweise eigentlich so gut wie immer brauchbar. Das bedeutet: Wir fühlen wir uns ermutigt, unsere Leser noch stärker zum Mitmachen einzuladen. Das werden wir auch konsequent tun.

Auch die von Ihnen vorgesehene Debatte zu den einzelnen Beiträgen kommt nicht recht in Schwung. Woran liegt das?

Finden Sie? Haben Sie sich mal die Kontroverse um dir Ursprünge des deutschen HipHop angeschaut? Oder jetzt gerade über einen Leser-Artikel zu 35 Jahre „Die Genzen des Wachstums“ des Club of Rome? Da ging es hoch her! Aber natürlich sind die Debatten-Sektionen bei einestages weniger aktuelle Foren, wie man sie bei Spiegel-Online-Nachrichtengeschichten findet. Sie sind eher Orte, wo durch stetige Nutzerbeiträge nach und nach ein kollektives Gedächtnis entstehen wird. Auch hier gilt: Wir haben erst angefangen, wir haben jetzt 5200 registrierte Mitglieder. In ein paar Monaten wird das ganz anders aussehen.

Ihre Startseite sieht aus wie die eines normalen klassischen Online-Portals. Wie wäre es, hier vielleicht den Community-Aspekt deutlicher machen – z. B. durch direkte Hinweise auf neue Debatten-Kommentare oder viel gelesene Artikel – , um mehr Nutzer zum Mitmachen zu animieren?

Noch sind wir ja noch in der Public-Beta-Phase. Einestages wird ständig verbessert. Wir haben gerade vergangene Woche eine Reihe von neuen Funktionen eingeführt – unter anderem eine eigene Autoren-Seite mit allen Nutzern, die auf „einestages“ schreiben. Wir haben Bookmarking-Funktionen, Buddylisten und ein internes Nachrichtensystem für angemeldete Nutzer eingeführt. Und wir haben noch viele weitere Verbesserungen in Arbeit.

Können Sie etwas zu Plänen für die nächsten Monate sagen?

Wie gesagt, die klassischen Community-Tools werden sicherlich noch weiterentwickelt und ausgebaut werden. Wir arbeiten an explorativen Zugängen, mit denen der Nutzer schnell und intuitiv zu den Zeitgeschichten gelangt, die ihn besonders interessieren – auch wenn die Redaktion diese Themen vielleicht gerade nicht auf der Homepage platziert hat.

Das Interview wurde per E-Mail geführt.

Weitere Links
bei onlinejournalismus.de:

im sonstigen Internet:

  • Innenansichten: Das Tagesspiegel-Blog vermisst die Mitmach-Motivation bei „einestages“.
  • Blogbar: Don Alphonso reiht „einestages“ in eine Liste todgeweihter Neustarts ein.

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