Online-Magazin Echo Münster: In einem Jahr soll es sich über Werbung selbst finanzieren

Echo-Münster (Screenshot)

Anfang des Jahres wurde über Nacht die Lokalredaktion der “Münsterschen Zeitung” freigestellt (siehe Links am Ende der Seite). Neun der 19 so um ihren Job gebrachten Redakteure wagen seit Anfang November einen Neustart mit dem Online-Stadtmagazin Echo Münster. In einer Image-Broschüre heißt es dazu:

“Zusammen mit der Agentur Livingpage wurde echo-muenster entwickelt. Livingpage sorgt für Grafik, Technik und bildet die Redakteure in Zusammenarbeit mit der Petram (Personaltransfer- und Arbeitsmarktagentur) und der Agentur für Arbeit zu Online-Redakteuren aus. (…) Das gemeinsame Medien-Projekt wird Münster bis Ende 2008 begleiten, bis dahin haben Münsteranerinnen und Münsteraner entschieden, ob echo-muenster Zukunft hat.”

Wir stellten Stefan Clauser, einem der Redakteure, einige Fragen zu diesem Projekt.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Echo Münster, was wollen Sie in einem Jahr erreicht haben?

In einem Jahr soll sich echo-muenster über Werbung selbst finanzieren können. Die Schaffung einer bescheidenen Zahl von Arbeitsplätzen ist beabsichtigt.

Die Konkurrenz in Münster erscheint mir übermächtig: Zwei Tageszeitungen, Stadtmagazine, einige Websites – alle mehr oder weniger etabliert. Wie wollen Sie sich da binnen eines Jahres etablieren, wo sehen Sie Ihre Chance?

Wir haben nicht vor, zu den Print-Medien in Konkurrenz zu treten, sondern wollen die besonderen Möglichkeiten des Internet nutzen, um einen festen Nutzerkreis zu gewinnen.

Wie werben Sie für das Online-Stadtmagazin?

Die Markteinführung erfolgte per “soft launch”, also zunächst ohne begleitende Werbung. Mittlerweile hat sich echo-muenster auf der Messe business online in Münster präsentiert. Über gezielte Öffentlichkeitsarbeit und auf Münster konzentrierte Werbemaßnahmen hoffen wir unsere Popularität zu steigern.

Wie lange haben Sie bis zum Start vor zwei Wochen an Ihrem Portal gearbeitet?

Die Idee, echo-muenster ins Leben zu rufen, ist aus einer Schulungsmaßnahme heraus entstanden. Letztlich ging es bei der Umsetzung darum, zuvor bereits am grünen Tisch entwickelte Ideen in die Tat umzusetzen. Das gelang relativ kurzfristig.

Ihr Redaktionsteam setzt sich aus neun ehemaligen “MZ”-Redakteuren zusammen, diese bringen viel Lokalkompetenz mit, wie aber steht es um die Online-Kompetenz (lernen die Redakteure das bei der Arbeit, wie es in einer Meldung heißt)?

Genau so ist es. Die Arbeit wird begleitet durch die Medienagentur Livingpage, die das erforderliche know how für einen professionellen Internet-Auftritt einbringt. Die Redaktion erlernt den Umgang mit dem Medium unter Anleitung Zug um Zug. Das ist zwar anstrengend, aber
didaktisch hoch effizient.

Mit Journalismus im Internet Geld zu verdienen ist sehr schwierig, das wissen wir alle. Sie arbeiten mit einem Redaktionsteam mit neun Redakteuren, für Technik und Grafik benötigen Sie auch noch Kräfte. Wie und wann wollen Sie es schaffen mit so einem relativ großen Aufwand schwarze Zahlen zu schreiben?

Das steht aus heutiger Sicht wirklich in den Sternen. Darüber, welche Personalausstattung sich echo-muenster künftig leisten können wird, entscheidet der Erfolg.

Nach welchem Tarif erfolgt die Bezahlung der Redakteure?

Gegenwärtig sind die Redakteure bei einer Transfergesellschaft beschäftigt, insofern also für die Dauer eines Jahres finanziell nicht von echo-muenster abhängig.

In welchem Rhythmus erfolgt die Aktualisierung des Magazins, wird auch am Wochenende aktualisiert?

Erklärtes Ziel ist, täglich in allen Ressorts zu aktualisieren. Auch an den beiden Wochenendetagen.

Hatten Sie Vorbilder für Ihr Projekt, wenn Ja, welche?

Vorbilder im engeren Sinne haben wir nicht, da wir mit einem rein lokalen und journalistisch anspruchsvollen Portal unseres Wissens Neuland betreten.

Sie kündigen in Ihren Mediadaten noch Blogs, Fotogalerien, Podcasts und Videos aus Münster an, wann werden wir das sehen/hören können?

Fotogalerien und Videos sind zu einzelnen Themen bereits zu bewundern, Blogs folgen in Kürze. Podcasts sind in technischer Vorbereitung.

Hatten Sie bei der Konzeption auch an eine crossmediale Variante gedacht (wie etwa beim wirtschaftlich erfolgreichen Bürgerreporter-Angebot MyHeimat)?

Bisher nicht. Wir sind allerdings für jede Idee offen, die das Projekt echo auf solide Füße zu stellen vermag.

Wie ist die bisherige Leserresonanz, wie viele Leute besuchen Ihr Magazin täglich, welche Kritik – positiv, wie negativ ist Ihnen aufgefallen?

Als Newcomer erfahren wir momentan sehr positive Resonanz, Kritik wird kaum geäußert. Wir verzeichnen aktuell 8000 bis 12000 Seitenaufrufe/Tag bei rund 1200 bis 1600 Besuchern. Tendenz steigend.

In einem Artikel ist auch von einem Redaktionsstatut die Rede, kann man das auch online sehen; wie unterscheidet sich die von Ihnen gewählte Form der Redaktionsorganisation von anderen (spielen da auch Ihre negativen Erfahrungen bei der “Münsterschen Zeitung” eine Rolle)?

Unser “Statut” (ein großes Wort!) ist eher eine gemeinsam vereinbarte Richtlinie. Kernsatz: “Die Redaktion sieht sich einer kritischen Grundhaltung verpflichtet und stellt eine unkonventionelle, originelle Berichterstattung über lokale Themen sicher”. An der Einlösung dieses Anspruchs arbeiten wir als gleichberechtigte Mitglieder eines Teams.

Das Interview wurde per E-Mail geführt. Leider, denn ich hätte doch noch einiges genauer gewusst. Aber ich habe mich dafür entschieden, das Interview in dieser Form zu veröffentlichen. TM

Update 08.12.07
Ich kommentierte einen – wie ich finde – mißlungenen Artikel bei “Echo Münster” u.a. so: Ich habe mir “Echo Münster” nach diesem Interview weiterhin regelmäßig angeschaut, über das Layout könnte man streiten, je nun, das ist mir nicht so wichtig. Mir geht es um den Journalismus, den Journalismus im Netz. Und ganz ehrlich, auch wenn es betrüblich klingt, so hat das Magazin niemals eine Chance, auf dem Markt Fuß zu fassen und wird im Frühjahr oder spätestens wenn die Förderung ausläuft nach und nach auseinanderbrechen. Andererseits: Ich habe den Onlinejournalismus selbstverständlich auch nicht erfunden und lerne täglich dazu – freilich wäre ich froh, wenn sich meine düstere Prognose als falsch erweist!

Weitere Links

bei onlinejournalismus.de

im sonstigen Internet

  • Pottblog: Echo Münster: Keine Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung?

  • Pottblog: Ehemalige Münstersche Zeitung-Redakteure starten Echo Münster
  • Deutscher Journalisten-Verband (DJV): “MZ-Special” des Pressevereins Münster-Münsterland im DJV Nordrhein-Westfalen
  • Verdi: Schwarzbuch Lensing-Wolff über Arbeitsbedingungen beim Medienhaus Lensing
  • Wikipedia: Medien in Münster
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