Videopunk aus Essen sucht Gleichgesinnte

Von Fiete Stegers am 28. Dezember 2007

Während wir brav unsere User auffordern, doch den Online-Redaktionen beim Formulieren von guten Vorsätzen für 2008 zur Hand zu gehen, hat sich Markus Hündgen über die Feiertage hingesetzt und unterm Tannenbaum aufgeschrieben, was er selbst im kommenden Jahr alles besser machen will.

Hündgen ist Bewegtbild-Redakteur beim WAZ-Portal DerWesten und hat seinen guten Vorsätzen gleich den programmatisch-dramatischen Titel “Das Videopunk-Manifest” verpasst. Weil’s alles einleuchtend klingt, hier seine guten Vorsätze im Volltext - und weil das Manifest gleich auch schon den Punkt “Wir geben nicht auf” enthält, sind wir gespannt, was aus deren Umsetzung in der bekanntlich wenig punkigen WAZ-Welt wird.

1. Kein TV

Wir machen kein Fernsehen. Wir wollen kein Fernsehen sein. Wir gehen neue Wege. Für uns sind bewegte Bilder ein journalistisches Mittel unter vielen. Wir arbeiten schnell. Wir arbeiten günstig. Qualität beginnt für uns bei der Geschichte und nicht bei der Verpackung. Wir nutzen Synergien, wann immer es geht.

2. Keine Regeln

Unsere Beiträge müssen nicht in ein Sendeschema passen. Wir müssen es nicht allen Recht machen. Wir kennen die Fernseh-Regeln. Wir brechen sie, wo immer es geht. Wir experimentieren.

3. Keine Quoten

Wir geben nicht auf. Auch wenn uns niemand zusieht. Wir kämpfen im weltweiten Netz nicht um Marktanteile. Wir versenden nichts. Wir setzen auf Zeit.

4. Eine Zukunft

Der multimedialen Konvergenz gehört die Zukunft. Wir schreiben, sprechen, filmen, animieren, fotografieren und kommunizieren. Wir sind bereit. Wir haben keine Angst.

7 Antworten zu “Videopunk aus Essen sucht Gleichgesinnte”

  1. Peter Giesecke sagt:

    Wir brechen sie, wo immer es geht. - Das hört sich ein wenig bemüht an. Danach, mit diesen Thesen Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei sollten das doch die Filmchen tun.

  2. Markus Hündgen sagt:

    Ohne Mühe wird das nix. Aufmerksamkeit überlass ich andern. Und an den Filmchen arbeiten wir. Im stetigen “Austausch” mit dem Establishment. Von heut auf morgen wird dat nix.

  3. Fiete Stegers sagt:

    [offtopic]: Kurze Münte-Sätze und/oder sauerländische Herkunft werden aber nicht Pflicht, oder? ;-)

  4. Katharina Borchert sagt:

    Wenn man sich bei uns so umsieht, könnte man fast meinen, dass sauerländische Herkunft Einstellungsvoraussetzung als Videopunk ist ;-)

  5. Markus Hündgen sagt:

    Übrigens komm ich aus dem gleichen Städtchen, dat wo der Münte geboren wurde. Wir Siuerlänner können auch lange elaborierte Sätze loswerden. Hebbe iek abber nit imma Lust zu.

    Und jetze [backtotopic] bitte :-)

  6. bittner sagt:

    Na ja. Das http://www.dogme95.dk/ hat ja auch nicht geklappt.

  7. Markus Hündgen sagt:

    Dogma war von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dogma wollte zuviel, wollte einem künstlichen Medium - dem Film - sein Wesen berauben. Keine Ausstattung, keine Effekte, kein dramatisierender Sound. Immerhin die Besinnung auf das Film-Objekt als wirkliches Subjekt (verfolgende Kamera). Alles Dinge, die besonders vor gut zehn Jahren noch am Publikum vorbeigingen.

    Mein Manifest zielt auf die, besonders durch das Internet, geänderten Sehgewohnheiten. Mehr Non-Linearität, mehr Subjektivität, einen wichtigen O-Ton nicht wegschmeissen, nur weil der Befragte zu dunkel im Bild erscheint.

    Ob sich dies alles jemals durchsetzen wird - wer weiß. Die Flinte gleich ins Korn werfen ist aber definitv der falsche, bzw. kein Weg.

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