Gut kombiniert: Video und Text im Westen

Video und Text nicht als getrennte, sondern als sich ergänzende Elemente sehen – darüber wird viel theoretisiert, in der Praxis läuft es dann doch meistens anders. DerWesten hat mit der längeren Reportage “Die verlorenen Straßen von Bruckhausen” jedoch eine gelungene Kombination veröffentlicht.
Die Reporter lassen sich von der Vorsitzenden einer Bürgerinitiative durch ihr Stadtviertel in Duisburg führen, das wie viele Gebiete des Ruhrgebiets langsam aber sicher mit den Folgen des demographischen Wandels konfrontiert ist (ein Häuserzug soll abgerissen werden – die Bürgerinitiative lehnt das ab). Damit hat die Geschichte eine klare Struktur. Die Videos von VJ Markus Hündgen lassen die Protagonistin (und ein paar andere Gesprächspartner) selbst zu Wort kommen, während Autorin Melanie Bergs vor allem im Textteil interpretiert und einordnet.
Dank der im Text integrierten Videos kommt der Text ohne eigene Fotos aus (tatsächlich habe ich die zusätzliche Bilderstrecke am Fuß der Seite zunächst glatt übersehen). Zum Produktionsaufwand (Videos: 0,5 Tage Dreh, 1 Tag Post-Produktion, Grafik ca. 1 Tag, Reportage/Interview: ca. 2,5 Tage) steht etwas im Blog von Markus Hündgen.
Kleine Schönheitsfehler, aus denen die Macher – und andere in der gleichen Situation – lernen können: Printreporter, die zusammen mit Videokollegen unterwegs sind, sind vielleicht noch nicht gewohnt, bei Interviews den Mund zu halten statt bestätigende “Mm-mms” hören zu lassen. Videoreporter, die von einer unschönen Wand wegschwenken wollen, sollten nicht unbedingt stattdessen eine halbe Printreporterin beim eifrigen Mitnotieren zeigen. Der Spannungsbogen baut sich etwas zu langsam auf (mehr Kontra früher im Text). Und die Karte der Region hätte auch schöner in den Text eingebunden werden können. Aber immerhin gibt es sie schon mal. Weiterführende externe Links auch. Insgesamt also: schönes Stück, für deutsche Verhältnisse auf jeden Fall.
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