Archiv für März 2008

Welt Online, YouTube und wo sind die Grenzen?

Von Fiete Stegers am 31. März 2008

Falk Lüke dachte kürzlich darüber nach, ob YouTube-Videos “Content-Freiwild für deutsche Nachrichtensites” sind:

Was mich immer wieder erstaunt: wie große Nachrichtensites Videos der Plattform YouTube einbinden. Ich sehe fast nie Copyright-Vermerke, wie sie bei Bildern Standard sind. Ob Spiegel oder Welt Online, Netzeitung, dass die Rechtefragen stets geklärt wurden, kann man wohl getrost bezweifeln

Da ist zum einen die rechtliche Grauzone zwischen dem Einbinden in ein kommerzielles Angebot (YouTube-FAQ hierzu, YouTube-AGB Abschnitt 6) bzw. was unter Zitatrecht-Embedding fällt.

Ebenso wichtig bleibt aber die dauernde Frage danach, wann denn das Einbinden von Videos journalistisch sinnvoll und wann überflüssig oder vielleicht sogar aus ethischen Gründen abzulehnen ist. Welt Online bietet heute mal wieder ein passendes Diskussionsbeispiel für sämtliche Aspekte: Ein Video von “News of the World”, bei YouTube veröffentlicht (schönes Detail am Rande: mit der “Flip4Mac Trial Version” konvertiert), dass den Formel-1-Chefmanager bei Sexspielchen mit Prostituierten im KZ-Outfit zeigen soll, wird direkt in den Artikel eingebunden. Aufklärung pur. Und in der URL wird der im Text noch vorsichtig formulierte Vorwurf schon mal zur Tatsache.

Und das Kommentarniveau bei Welt Online wird einem auch noch mal vor Augen geführt: Da argwöhnt jemand “irgendeine zionistische Finanzgruppe will Einfluss in der Formel 1 gewinnen. (…) Welcher Religionsgemeinschaft gehören eigentlich die YOUTUBE Eigner an?”

Whatsyourplace: Eine lehrreiche Luftnummer

Von Thomas Mrazek am 28. März 2008

Don Alphonso mokiert sich in der Blogbar über eine Spammail, die offenbar er und andere Blogger (ich auch) erhalten haben. Darin stellt ein Münchner Unternehmer auf impertinente und zugleich dümmliche Art und Weise (Duziduzi …) sein dünnes “Geschäftsmodell” Whatsyourplace vor – es können dort reale Orte virtuell gekauft werden. Offenbar fanden weder ein Eintrag auf dem Whatsyourplace-Blog (10.03.08), noch eine Pressemitteilung vom 18.03.08 große Resonanz. Dann versucht man es eben so. Diese – zumindest als Negativbeispiel vorbildliche – Primitiv-PR ist das Eine.

Das Andere ist der Onlinejournalismus: Wieder mal negativ fällt mir in diesem Zusammenhang Deutsche Startups auf. Im November 2007 berichtete das Portal völlig kritiklos (die kuschelige Einleitung verstehe ich nicht als Kritik!) über den Start der vorgenannten Luftnummer: “Bei WhatsYourPlace wird Deutschland verkauft” (ja bravo, immer die in der Pressemitteilung gewünschte Schreibweise einhalten und auch sonst kräftig daraus zitieren!). Auch in einem zweiten Beitrag am 11.03.08 wird brav (von einem kleinen Fehler abgesehen) repetiert statt recherchiert und hinterfragt: “Die Landbesitz-Community WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) verkündet in ihrem Unternehmensblog, dass “Ende letzter Woche wurde der 1.000. Hektar Land verkauft” wurde. Etwa drei Monate nach dem Launch stehe damit fest: Das Produktversprechen von WhatsYourPlace, reale Orte virtuell zu besitzen und in der Community exklusiv darzustellen, treffe auf große Nachfrage.”

Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass Deutsche Startups nicht von Whatsyourplace “geschmiert” ist, aber diese Form des massenhaften Durchreichens von Pressemitteilungen aus der Internet-Gründerszene kann wohl auch nicht Sinn eines (wirtschafts-?)journalistischen Angebots sein, oder? Das müsste man mal genauer untersuchen.

“Zeitenwechsel”: Sueddeutsche.de-Serie zur Zukunft des Journalismus

Von Thomas Mrazek am 27. März 2008

Zusammen mit dem Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik bereitete Sueddeutsche.de unter dem Titel “Zeitenwechsel” in den letzten Wochen Interviews mit namhaften Experten zur Zukunft des Journalismus auf. Heute endet diese Serie mit einem Interview mit dem “Guardian”-Chefredakteur Alan Rusbridger. Eine sehr gelungene Idee, alle elf Folgen sind unter www.sueddeutsche.de/zeitenwechsel nachlesbar.

Ähnlich informativ ist übrigens auch die Serie “Unter Druck. Medien in Zeiten des Umbruchs” bei Spiegel Online, die seit April 2005 auf über 200 Artikel (aufgelistet auf einer Seite!) angewachsen ist.

In Zeiten von mitunter oberflächlichen und unkritischen “2.0″-Mediendiensten sind solche Quellen manchmal eine regelrechte Oase.

Grimme Online Award, kleiner Verbesserungsvorschlag

Von Thomas Mrazek am 26. März 2008

Ja, ich weiß, es ist vielleicht unpassend, aber ich sag’s doch: Es wäre wünschenswert, wenn die Macher des Grimme Online Awards etwas mehr auf sprachliche Qualität achten: “Wir freuen uns, wenn Sie in Ihrer Berichterstattung auf den Wettbewerbscountdown hinweisen”, heißt es etwa in einer Pressemitteilung. Auch auf Wortungetüme wie “Brockhausabwanderung” kann ich gerne verzichten. Aber vielleicht bin ich da zu anspruchsvoll. Sprache spielt beim Grimme Online Award noch keine Rolle.

Ach, ja, hier ist die eigentliche Information: Bis zum 31. März 2008 können Internet-Nutzer und Website-Betreiber ihre Vorschläge für preiswürdige Internet-Angebote noch einreichen.

Bemitleidenswerte/r “Online Redakteur/in” gesucht

Von Thomas Mrazek am 20. März 2008

Eben in einem Kommentar in der Blogbar entdeckt, ein interessantes Stellenangebot aus dem Hause Burda (zur Sicherheit musste ich noch mal dort nachschauen, ob das wirklich so stimmt – es stimmt so!). Ich publiziere es mal kommentarlos mit Fehlern …

“(…) sucht zum nächstmöglichen Termin am Standort München eine/n

Online Redakteur/in

Ihre Aufgabe:

* Verfassen von monatlichen Teaser für aktuelle Artikel der Print-Ausgaben
* Verfassen von neuen Meldungen, Texten, Interviews, Events zu Genuss- und Gesundheits-Themen
* Rezept-Datenbank-Pflege (Verschlagwortung)
* Regelmäßig Gewinnspiele generieren und abwickeln, Sponsor-Akkquise, Verwaltung von Gewinner-Adressen
* Foren-Pflege (Chats, Umfragen etc.), Kontrolle der Kommentare, Auswertung von Umfragen, Nutzung der Ergebnisse in Print
* Redaktionelle Umsetzung von Online-Content im Rahmen von Cross-Media-Anzeigen-Kooperationen
* Generieren von neuen Blogs
* Direkt-Beantwortung von User-Anfragen”

Nachtrag 22.03.08
Don Alphonso hat das Thema in der Blogbar noch mal unter dem Titel “Burdas Online-Elend: Wenn Blogger und Journalisten zu Honkbespassern werden” aufbereitet.

Umfrage zu “Erfolgsfaktoren von Online Video Advertising”

Von Thomas Mrazek am 20. März 2008

Im Rahmen einer Diplomarbeit an der Rheinischen Fachhochschule Köln mit dem Thema: “Analyse der Erfolgsfaktoren von Online Video Advertising” bittet Tom Töpfer bei einer etwa zehnminütigen Umfrage mitzumachen.

Worum geht es?

“Online Videowerbung (Werbung innerhalb von Online Videos), als eine der gefragtesten und neusten Werbeformen im Internet, soll in meiner Diplomarbeit genauer analysiert werden. Dabei soll ebenfalls ein Zusammenhang zu dem Werbeumfeld, also den Online Videos auf Webseiten wie beispielsweise RTLnow, YouTube, Clipfish, Spiegel.de, Zeit.de, hergestellt werden.”

Hier geht es zu der Umfrage: www.unipark.de/uc/k_rfh_medien/50da.

An dieser Stelle auch ein Hinweis in eigener Sache: Wir veröffentlichen gerne solche Hinweise, wenn uns die Umfragen seriös und plausibel erscheinen. Gerne stehen wir natürlich auch für entsprechende Interviews bereit, wenn vorgenannte Voraussetzungen erfüllt sind. Wir würden uns selbstverständlich auch darüber freuen, wenn wir und vor allem unsere Leser dereinst über die Ergebnisse solcher Arbeiten informiert werden.

Hurra, ich bin in Geo

Von Frank Miener am 19. März 2008

Dankeschön. Für die netten Grüße, die G+J geschickt hat. Aus der Geo-Reisecommunity, einem neuen Projekt aus dem Verlagshaus. Das so richtig schön am Nutzer verdient.

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Sueddeutsche.de, mal wieder

Von Thomas Mrazek am 13. März 2008

Ich halte mich ja schon extra bei der Überschrift zurück, gelangweilte Leser ahnen hoffentlich schon, was jetzt kommt und drehen routiniert ab. Nun, erst mal will ich etwas loben: Trotz aller Feeds und sonstigen Werkzeugen habe ich gemerkt, dass der tägliche (Montag bis Samstag) Sueddeutsche.de-Newsletter mit den aktuellen Topnachrichten in Textform für mich eine feine Sache ist (Anmeldung ohne lästige Datensammlerei nur mit E-Mail-Adresse). Gut gemacht!

In der aktuellen Ausgabe von Turi2 las ich eben den Hinweis: “Online-Demo: Reporter ohne Grenzen lässt heute online gegen Internet-Zensur demonstrieren. sueddeutsche.de” (Kleiner Hinweis an Turi2: Die Online-Demo fand übrigens gestern statt. Aber der Fehler kann einem auch leicht unterlaufen, da bei Suddeutsche.de nur von “heute” die Rede ist und kein Datum erscheint und schließlich interessiert man sich bei Turi2 vor allem für das ganze Personaltrallala der Branche, da kann einem so ein Fehlerchen schon mal passieren. Ach, obendrein wird zwei mal auf den Artikel verlinkt: “Unterdrückt: 63 Internet-Dissidenten sind derzeit weltweit inhaftiert, kritisiert die Organisation Reporter ohne Grenzen. sueddeutsche.de”)

Und siehe da, bei Sueddeutsche.de landet man wieder mal in einer der berühmt berüchtigten Bildstrecken. Mit einigen Screenshots von der Website der Reporters without Borders wird die Meldung gleich wieder auf zehn Seiten aufgeblasen oder besser verhackstückt (mit vier Rechtschreibfehlern übrigens!); Ausdrucken kann man sich diese portionierte Meldung natürlich auch nicht am Stück.

Schade drum, aber Hauptsache es bringt wieder ein paar Klicks und das Bildmaterial gab’s ja auch kostenlos. Man kann die Kritik am Einsatz von Bildergalerien als übertrieben ansehen, es gibt wichtigere Probleme im Onlinejournalismus, aber solche brummkreiseldummen Klickfallen nerven einen durchaus wohlgesonnenen Leser und auch Zeitungsredakteure der “SZ” endlos. Ende der Messe.

Nachtrag
Und gleich in die nächste Klickfalle getappt: Das Titelthema des aktuellen “Stern” interessierte mich natürlich: “Wie viel verdienen Selbstständige?”. Im Anreißertext auf der Homepage heißt es: “Vom Apotheker bis zur Prostitutierten: Freiberufler, Handwerker und Künstler haben zwar kein geregeltes Einkommen, sind deswegen aber nicht unbedingt unglücklicher. Der stern schaute ihnen ins Portemonnaie.” Also draufgeklickt. Oha, nur zehn Berufe werden vorgestellt, freilich gibt es keine Übersicht dazu, nach dem drauf- nun also wieder durchklicken.

Optisch und inhaltlich gut gemacht (und vermutlich aus dem Heft übernommen): Es erscheint jeweils ein großes Portraitbild der Selbstständigen in Arbeitsmontur und darunter ein paar Fragen - kurze Antworten. Der freie Journalist ist leider nicht dabei. Bei Bild Nummer 10 erscheint die Titelseite des aktuellen Hefts und der Hinweis: “Mehr zum Thema im neuen stern. Darin: der große stern-Report. Hundert Freiberufler, Handwerker und Gewerbetreibende lassen sich ins Portemonnaie schauen.” Je nun, mich reizt diese Online-Wegelagerei nun nicht unbedingt zum Griff ins Portemonnaie. )-:

Der Westen und der WDR - Welche Folgen hat die neue Video-Partnerschaft?

Von Roman Mischel am 11. März 2008

Das ist sie also, die erste Audio- und Video-Kooperation zwischen einem öffentlichen-rechtlichen und einem privaten Medienunternehmen. DerWesten.de wird künftig fertige Beiträge, die bereits im WDR-Programm gelaufen sind, lizenzieren und auf seiner Seite “ausstrahlen”. Das teilten beide Partner heute mit (1, 2).

Für die Nutzung wird eine Lizenzgebühr fällig, über deren Höhe beide Vetragsparteien Stillschweigen vereinbart haben. WDR-Material soll aber teurer sein als das der privaten Anbieter.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal von diesen Kooperationsplänen hörte, dachte ich: Ach, das läuft eh auf was ganz anderes hinaus. Die Öffentlichen-Rechtlichen werden ihre Videobeiträge früher oder später für jedermann freigeben, also - ähnlich wie YouTube - mit einem Embed-Code versehen, so dass Interessierte sie einfach in ihr Blog oder ihre Website einbinden können. Das ganze natürlich geknüpft an strenge Auflagen, zum Beispiel Werbefreiheit, nicht-kommerzielle Nutzung etc. Prinzipiell wäre das nur konsequent gewesen, denn die Gebührenzahler haben die Beiträge schließlich bezahlt.

Jetzt ist es ganz anders gekommen, und das wirft ein paar Fragen auf.

Darf der WDR überhaupt auf diese Weise kommerziell tätig werden? Den Privaten schwillt verständlicherweise der Kamm, juristische Schritte sind bereits angedroht.

Was macht der WDR mit den Erlösen? Beteiligt er die Autoren der weiterverkauften Beiträge?

Nach welchen Kriterien wählt der WDR seine künftigen Kooperationspartner aus? Schließlich dürften ja auch andere Online-Plattformen neben dem Westen Interesse haben. Hat der WDR das Recht, einem bestimmten Verlag abzusagen? Oder gilt gleiches Recht für alle?

Die verkauften Beiträge müssen übrigens verständlicherweise werbefrei bleiben. Doch was heißt das im Detail? Post-Roll- oder Pre-Roll-Werbung bzw. anderweitige Einblendungen im Video werden ganz sicher verboten sein. Aber ein Werbebanner über der Seite eines Artikels, in der irgendwo im Inline-Player ein WDR-Video integriert ist? Da bleibt viel Spielraum für Interpretation.

Könnte ja sein, dass das Kooperations-Modell erfolgreich ist und alle rechtlichen Hürden nimmt. Dann wird es ganz sicher von anderen öffentlich-rechtlichen Anbietern kopiert (das ZDF steht laut WDR kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit dem Süddeutschen Verlag, der Bayerische Rundfunk verhandelt angeblich mit Focus Online).

Nur was wiederum bedeutet das für die vielerorts erst kürzlich gestarteten und teils sehr ambitionierten Video-Aktivitäten der einzelnen Online-Redaktionen? Werden Formate eingestampft? Werden die neuen Online-VJs schlagartig überflüssig? Kommt die große Gleichförmigkeit? Werden dann überall dieselben Videos abgespielt? Oder schafft so eine Kooperation mehr Freiraum für die Umsetzung eigener interessanter Themen?

Und noch ein Punkt: In Fachblogs wird bereits seit längerem diskutiert, dass Online-Video eine ganz andere Bildsprache als TV hat: Schneller, näher dran, authentischer. Gerade durch die Experimentierfreude der Online-Videoproduzenten entsteht eine andere, oft viel ansprechendere und mutigere Ästhetik als die des durchformatierten Fernsehens. Wäre doch schade, wenn das künftig verloren ginge.

(Hinweis: Ich arbeite unter anderem selbst gelegentlich für die Video-Redaktion von DerWesten.de.)

Ein Medienkodex für alle

Von Frank Miener am 10. März 2008

Soll er kommen? Soll er nicht? Der Onlinekodex ist im Moment ein wieder heißt diskutiertes Thema. In der aktuellen “Journalist”-Ausgabe gibt es Pro, Contra und ich weiß nicht. Dabei dreht sich die Diskussion ein wenig im Kreis. Denn eigentlich gibt es den Kodex schon - wenn auch als zahnloser Tiger.

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