Google, oh Google, bei dir muss ich vorne sein

Schreiben für die Suchmaschine – dieser “Trend” erfasst immer mehr Agenturen, Medienunternehmen und auch Autoren. Suchmaschinenoptimierung. Oder: Wie schaffe ich es, mit meinem Artikel bei Google ganz nach oben zu kommen?

Warum dieser Wunsch besteht ist klar: Die meisten Surfer steuern nur die ersten beiden Seiten der Suchmaschine an, schauen sich die Ergebnisse auf den hinteren kaum an. Wer also nicht auf der Startseite ist, hat schon verloren, ist zwar gelistet, findet virtuell aber nicht statt. Vermeintlich.Die Lösung liegt für Unternehmen, die sich auf Search Engine Optimization (SEO) spezialisiert haben, im Einsatz von “Keywords”. Diese ReizSchlüsselworte sollen, so die Theorie, denen entsprechen, die der Nutzer in das Suchfeld eintippt. Schlüsselworte sind also Schlüsselreize. Dieser Logik entsprechend dürften die ersten Worte des Textes keinen sinnvollen Satz ergeben, sondern eine Aufzählung sein. Irgendwie erinnert das an Spam-Mails. Kein Wunder, dass es auch Suchmaschinen-Spamming gibt.

Nur entspricht das leider überhaupt nicht journalistischen Grundsätzen. Denn nach denen gehören nicht irgendwelche Reizwörter in den Vorspann, sondern die Antworten auf die W-Fragen. In ganzen, lesbaren, knackigen Sätzen. Die Keywords sind dagegen in den Meta-Tags der Seite zu verankern, den Schlagworten, die die CMS-Systeme alle anbieten.

Vor allem, da die Suchmaschinen gar nicht mal ihren Schwerpunkt auf die obskuren Schlüsselreize legen. Marktführer Google hat in seinem geheimen Algorithmus ganz andere Kriterien an erster Stelle als Keywords. Es geht nach Verlinkungen. Wichtigstes Element sind Backlinks – Kommentarfunktionen sind deshalb so im Kommen, nicht unbedingt wegen verbesserter Leserbeteiligung. Will man nach oben, sollten Trackbacks möglich sein. So kommt man von Google, Seite 5, auf Seite 1.

Erst dann gehen die Suchmaschinen nach Aufrufen. Und dann erst nach den Inhalten. Crawler und Bots suchen zuerst die Metadaten ab. Außerdem haben Medien ja in der Regel ein weiteres unschlagbares Argument: Sie haben eine Marke.

SEO mutet dabei viel mehr nach einer Marketingstrategie an. Denn es sind Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben. Auch wenn es tatsächlich notwendig ist, in Suchmaschinen gefunden zu werden – die journalistische Qualität sorgt für die Wiederkehr. Das ist wichtiger.

Statt also zu fordern, dass jeder Text mit “Sex”, “Gewalt”, “Sparen” oder “Download” anfängt, sollten sich die Administratoren überlegen, wie sie ihre Autoren dazu bringen, vernünftig zu verschlagworten. Dort gehören Schlüsselworte hinein.

Und nur dort.

Zum Nachlesen:

  • Facebook
  • Twitter
  • StumbleUpon
  • Diigo