Der Westen und der WDR – Welche Folgen hat die neue Video-Partnerschaft?

Das ist sie also, die erste Audio- und Video-Kooperation zwischen einem öffentlichen-rechtlichen und einem privaten Medienunternehmen. DerWesten.de wird künftig fertige Beiträge, die bereits im WDR-Programm gelaufen sind, lizenzieren und auf seiner Seite “ausstrahlen”. Das teilten beide Partner heute mit (1, 2).

Für die Nutzung wird eine Lizenzgebühr fällig, über deren Höhe beide Vetragsparteien Stillschweigen vereinbart haben. WDR-Material soll aber teurer sein als das der privaten Anbieter.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten Mal von diesen Kooperationsplänen hörte, dachte ich: Ach, das läuft eh auf was ganz anderes hinaus. Die Öffentlichen-Rechtlichen werden ihre Videobeiträge früher oder später für jedermann freigeben, also – ähnlich wie YouTube – mit einem Embed-Code versehen, so dass Interessierte sie einfach in ihr Blog oder ihre Website einbinden können. Das ganze natürlich geknüpft an strenge Auflagen, zum Beispiel Werbefreiheit, nicht-kommerzielle Nutzung etc. Prinzipiell wäre das nur konsequent gewesen, denn die Gebührenzahler haben die Beiträge schließlich bezahlt.

Jetzt ist es ganz anders gekommen, und das wirft ein paar Fragen auf.

Darf der WDR überhaupt auf diese Weise kommerziell tätig werden? Den Privaten schwillt verständlicherweise der Kamm, juristische Schritte sind bereits angedroht.

Was macht der WDR mit den Erlösen? Beteiligt er die Autoren der weiterverkauften Beiträge?

Nach welchen Kriterien wählt der WDR seine künftigen Kooperationspartner aus? Schließlich dürften ja auch andere Online-Plattformen neben dem Westen Interesse haben. Hat der WDR das Recht, einem bestimmten Verlag abzusagen? Oder gilt gleiches Recht für alle?

Die verkauften Beiträge müssen übrigens verständlicherweise werbefrei bleiben. Doch was heißt das im Detail? Post-Roll- oder Pre-Roll-Werbung bzw. anderweitige Einblendungen im Video werden ganz sicher verboten sein. Aber ein Werbebanner über der Seite eines Artikels, in der irgendwo im Inline-Player ein WDR-Video integriert ist? Da bleibt viel Spielraum für Interpretation.

Könnte ja sein, dass das Kooperations-Modell erfolgreich ist und alle rechtlichen Hürden nimmt. Dann wird es ganz sicher von anderen öffentlich-rechtlichen Anbietern kopiert (das ZDF steht laut WDR kurz vor dem Abschluss eines Vertrages mit dem Süddeutschen Verlag, der Bayerische Rundfunk verhandelt angeblich mit Focus Online).

Nur was wiederum bedeutet das für die vielerorts erst kürzlich gestarteten und teils sehr ambitionierten Video-Aktivitäten der einzelnen Online-Redaktionen? Werden Formate eingestampft? Werden die neuen Online-VJs schlagartig überflüssig? Kommt die große Gleichförmigkeit? Werden dann überall dieselben Videos abgespielt? Oder schafft so eine Kooperation mehr Freiraum für die Umsetzung eigener interessanter Themen?

Und noch ein Punkt: In Fachblogs wird bereits seit längerem diskutiert, dass Online-Video eine ganz andere Bildsprache als TV hat: Schneller, näher dran, authentischer. Gerade durch die Experimentierfreude der Online-Videoproduzenten entsteht eine andere, oft viel ansprechendere und mutigere Ästhetik als die des durchformatierten Fernsehens. Wäre doch schade, wenn das künftig verloren ginge.

(Hinweis: Ich arbeite unter anderem selbst gelegentlich für die Video-Redaktion von DerWesten.de.)

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