Whatsyourplace: Eine lehrreiche Luftnummer
Von Thomas Mrazek am 28. März 2008Don Alphonso mokiert sich in der Blogbar über eine Spammail, die offenbar er und andere Blogger (ich auch) erhalten haben. Darin stellt ein Münchner Unternehmer auf impertinente und zugleich dümmliche Art und Weise (Duziduzi …) sein dünnes “Geschäftsmodell” Whatsyourplace vor – es können dort reale Orte virtuell gekauft werden. Offenbar fanden weder ein Eintrag auf dem Whatsyourplace-Blog (10.03.08), noch eine Pressemitteilung vom 18.03.08 große Resonanz. Dann versucht man es eben so. Diese – zumindest als Negativbeispiel vorbildliche – Primitiv-PR ist das Eine.
Das Andere ist der Onlinejournalismus: Wieder mal negativ fällt mir in diesem Zusammenhang Deutsche Startups auf. Im November 2007 berichtete das Portal völlig kritiklos (die kuschelige Einleitung verstehe ich nicht als Kritik!) über den Start der vorgenannten Luftnummer: “Bei WhatsYourPlace wird Deutschland verkauft” (ja bravo, immer die in der Pressemitteilung gewünschte Schreibweise einhalten und auch sonst kräftig daraus zitieren!). Auch in einem zweiten Beitrag am 11.03.08 wird brav (von einem kleinen Fehler abgesehen) repetiert statt recherchiert und hinterfragt: “Die Landbesitz-Community WhatsYourPlace (www.whatsyourplace.de) verkündet in ihrem Unternehmensblog, dass “Ende letzter Woche wurde der 1.000. Hektar Land verkauft” wurde. Etwa drei Monate nach dem Launch stehe damit fest: Das Produktversprechen von WhatsYourPlace, reale Orte virtuell zu besitzen und in der Community exklusiv darzustellen, treffe auf große Nachfrage.”
Selbstverständlich gehe ich davon aus, dass Deutsche Startups nicht von Whatsyourplace “geschmiert” ist, aber diese Form des massenhaften Durchreichens von Pressemitteilungen aus der Internet-Gründerszene kann wohl auch nicht Sinn eines (wirtschafts-?)journalistischen Angebots sein, oder? Das müsste man mal genauer untersuchen.
28. März 2008 um 12:12
Natürlich werden wir nicht von Whatsyourplace “geschmiert”. Das Geschäftsmodell von Whatsyourplace kann man durchaus Whatsyourplace “dünn” finden. Wie aber bereits bei uns geschrieben, gibt es aber vergleichbare Dienste, die funktionieren. Darüber hinaus überlassen wir es unseren Lesern, die vorgestellten Dienste zu bewerten und zu kommentieren - was im Fall von Whatsyourplace auch ausgiebig gemacht wurde.
28. März 2008 um 13:17
@ Alexander: Eure Leser kritisieren und debattieren in der Tat eifrig darüber. Da ist einmal beispielsweise die Rede von “das grenzt arg an Betrug”. Spätestens da erwarte ich mir von Euch eben eine kritisches Einordnen, ein Nachfragen - mit den Spekulationen oder witzigen Verunglimpfungen der Leser ist mir leider nicht gedient. Monate später lese ich dann bei Euch die oben zitierte Trallalameldung: “Ende letzter Woche wurde der 1.000. Hektar Land verkauft” (…). Das ist zu wenig.
28. März 2008 um 13:55
Ich finde es - schlicht gesagt - sehr bemerkenswert und wenig vertrauenerweckend, wenn die kommentierenden Leser bei deutsche-startups.de die Aufgabe der Macher/Betreiber von deutsche-startups.de übernehmen. Für mich ist dann eine solche Plattform wie deutsche-startups.de einfach unseriös.
28. März 2008 um 16:13
Hallo Herr Mrazek,
zunächst möchte ich mich auch bei Ihnen für die offenbar unerwünschte Email entschuldigen. Diese war nicht als Spam gedacht. Ich habe Sie angeschrieben, weil ich Ihr Blog selbst auch gelegentlich lese, und dachte, dass WhatsYourPlace für Sie vielleicht interessant ist.
Sicherlich polarisiert WhatsYourPlace auch ein bisschen. Virtuelles Eigentum ist eben (noch) ein Reizthema, und die von WYP angebotene direkte Verknüpfung zwischen virtuellem Eigentum und realer Welt ist neuartig, und hat sich noch nicht als Massen-Konsumgut etabliert. Genauso wie ein Kinobesuch ist ein Grundstück auf WhatsYourPlace ein physisch nicht greifbares Gut, welches primär auf Unterhaltungszwecke ausgerichtet ist, und nicht darauf, den Käufer beispielsweise effizienter arbeiten zu lassen. Und das ist für mich das entscheidende: Macht das Grundstück dem Käufer Spaß (und bringt es ihm damit Nutzen)? Die bisherige Entwicklung zeigt, dass sich viele von unserem Angebot angesprochen fühlen.
Ob ein Produkt Spaß bringt, ist naturgemäß individuell unterschiedlich. Der eine hat Freude daran, monatelang durch eine künstliche WoW-Welt zu stapfen, dem anderen gefällt das WYP-Konzept.
Eindeutiger zu entscheiden ist, ob der Kunde volle Kostentransparenz und -kontrolle hat. Dies ist bei WhatsYourPlace der Fall. So verzichten wir ganz bewusst auf Abomodelle/Folgekosten - eine Premium-Mitgliedschaft bei Xing summiert sich mW über 2 Jahre auf knapp 150€. Der unbefristete Landbesitz auf WYP kostet einmalig knapp 10€. Natürlich ist der implizierte Kundennutzen der zwei Portale unterschiedlich, Xing geht Richtung Business/Info, WYP Richtung Entertainment. Mir geht es hier lediglich darum, die Kostentransparenz von WYP darzustellen: jeder Kunde weiß genau, was er kauft und hat absolute Kontrolle. So stellen wir sicher, dass jedes WYP Mitglied zufrieden ist.
Ich würde mir übrigens auch selbst Grundstücke auf WYP kaufen, wenn ich nicht Gründer wäre. Denn wenn mich das Konzept nicht selbst auch aus Kundensicht begeistert hätte, hätte ich nicht gegründet.
Auf Ihre Nachfragen antworte ich sehr gerne - meine Contacts haben Sie. Konstruktive Kritiken helfen uns am besten dabei, unser Produkt zu verbessern. Auch in der Vergangenheit konnten wir bereits viel aus Kritik lernen und daraus Verbesserungen ableiten.
PS: Hoffe, mir ist nicht versehentlich ein Du irgendwo in dem Kommentar untergekommen, antworte sonst immer per Du
28. März 2008 um 16:52
Sehr geehrter Herr Lampe,
Ihre Bemühungen in allen Ehren, aber haben Sie sich mal unsere Kommentarregeln vor dem Absenden Ihres Kommentars angeschaut?
29. März 2008 um 08:44
Also entschuldigung, Sie betonen doch, wie wichtig Ihnen das “Nachfragen” bezüglich WhatsYourPlace ist - zu Fragen gehört aus meiner Sicht eine Antwort, diese habe ich versucht zu formulieren. Auch wenn Sie bisher in keiner Weise konkretisieren konnten, woran genau Sie Anstoß nehmen - dies würde mich weiterhin interessieren.
29. März 2008 um 13:46
Gegen “Deutsche Startups” zu schießen finde ich ein bisschen simpel. Finanziert von den Finanziers der Berichtsgegenstände mit dem Ziel einer Berichterstattung über Gegenstände aus dem Arbeitsbereich der Finanziers würde ich sagen: kritischen Journalismus erwarte ich da nicht. Auch wenns unfair sein mag.
29. März 2008 um 15:22
@ Falk: Du schreibst: “Gegen “Deutsche Startups” zu schießen finde ich ein bisschen simpel.”
Ja selbstverständlich ist das “simpel”, ich halte es aber ab und zu mal für angebracht, auf solche Entwicklungen am Rande des Onlinejournalismus’ hinzuweisen - das ist der Sinn dieser Veranstaltung hier.
Gut, “kritischen Journalismus” (haha!) erwarte ich auch nicht von Deutsche Startups, ob allerdings das postulierte Versprechen, “umfassend und ausführlich über aufstrebende deutsche Startups [zu] informieren”, erfüllt wird, bezweifele ich.
30. März 2008 um 18:50
Naja. Dass es keine Berichterstattung über die nicht aufstrebenden geben soll, sagt doch irgendwie mehr als genug. Find ich mal so. :)