Als Verlag ins Internet investieren? Find ich immer gut …
Im aktuellen Newsletter von News Aktuell (Download als PDF, 8 Seiten, 1,33 MB) heißt es: “Die meisten deutschen Journalisten sind der Meinung, dass sich die Investitionen der Verlage in Internetangebote und Web-Firmen lohnen werden. Das ergab der Medien-Trendmonitor der dpa-Tochter news aktuell und Faktenkontor”.
Die konkrete Frage lautete “Verlage investieren im großen Umfang in Internetangebote und Internetfirmen. Lohnt sich das?” Die Antworten waren in der Tat überwiegend positiv, wobei Mehrfachnennungen möglich waren (danach waren es sogar über 100 Prozent, die das Ganze irgendwie positiv sahen).
Ja eine gute Sache, investieren ins Internet, ist doch zukunftsweisend, und die meisten Online-Redaktionen sind doch eh noch personell chronisch unterbesetzt, wie kürzlich sogar die Umfrage zum Onlinejournalismus des arbeitgebernahen Institut der Deutschen Wirtschaft Köln (IW) belegte, wo resümiert wurde: “Für den hochwertigen Journalismus im Netz sind das nicht die besten Bedingungen.” Also, um es mal salopp zu formulieren: “Her mit der Kohle!”
Nur ist eben so, dass einige Verlage viel Geld in Objekte investieren, die ich gelinde gesagt für virtuelle Luftschlösser halte (ausführlicher hierzu etwa mein Artikel “Millionenschweres Provisorium” in “Journalist” 9/2007, leider nicht online). Weitere Kritik an Investitionen für gewisse Onlineplattformen äußerte in der März-Ausgabe des “Journalist” Falk Lüke: Damit sich das große Engagement der Verlage auch auszahlt, benötigen diese vor allem die Aufmerksamkeit der Nutzer. Folge: “Journalistische Angebote vermischen sich jedoch häufig mit den verlagseigenen ‘neuen Geschäften’. Auch in den Navigationen von zeit.de oder Spiegel Online sind die kommerziellen Verlagsangebote nicht als Werbung erkennbar”, schreibt Lüke.
Die meines Erachtens etwas blumige Fragestellung und Interpretation der oben genannten Umfrage könnte ein Gegenstand bei den kommenden Diskussionsrunden von News Aktuell innerhalb der Media Coffee-Reihe sein, die im gleichen Newsletter angekündigt werden. Darin wird erwähnt, dass “Verlage zunehmend Internetfirmen [aufkaufen], die mit dem eigentlichen Kerngeschäft wenig zu tun haben.”
Nachtrag 03.04.08
Als vernünftiges Investment eines Verlagshauses betrachte ich beispielsweise die gestern verkündete Beteiligung des Madsack MediaLabs an MyHeimat, eine der wenigen auch ökonomisch funktionierenden Bürgerjournalismus-Plattformen (wir berichteten).
Nachtrag 04.04.08
Eine Aufstellung der “Beteiligungen und Marken in den digitalen Medien – außerhalb des Markenkosmos der traditionellen Medien” entdeckte ich eben (via Hugo E. Martin) bei Werben & Verkaufen. Das von der Unternehmensberatung OC&C Strategy Consultants GmbH erstellte Papier ist auf dem Stand vom Februar 2008 (Download als PDF, 2 Seiten, 115 kb).




Eines der größten Probleme in diesem Kontext besteht doch darin, daß gar zu viele Verlagshäuser immer noch nicht begriffen haben, was “Communnities” und “Blogs” und Co eigentlich bedeuten.
Sie meinen, das läuft, also kauft mans auf, ändert ein bißchen etwas hier und da, um das für die Verlagsziele zurechtzuschnitzen, und dann kann man sich zurücklehnen und dem selbstlaufenden Goldesel zusehen. Daß das so eben nicht funzt, wird duch viele Pleiten belegt (tote blogs bei Unternehmen, Nutzer-Aufstand bei freundin, Ärger über die Nutzungsrechte-Raffgier-Mentalität der Verlagshäuser usw.).
Wenn Investitionen überhaupt sinnvoll sein sollen, dann wenn sie in Richtung bessere Bezahlung für Online-Redakteure gehen und höhere Budgets, um vernünftig recherchieren zu können, auch wieder selbst Bildmaterial beizusteuern, anstatt das für billig Geld dauernd irgendwo zu kaufen (Einheitsbrei, Austauschbarkeit, Beliebigkeit). Schärferes Profil tät ebenfalls gut.
Aber da alles das ja bereits im Printbereich abgeschafft oder zumindest arg beschnitten worden ist, sehe ich da keine sinnvolle Zukunft für die Medien im Netz. Alles nur Augenwischerei, solange das web nur unter dem Gesichtspunkt: Wie können wir noch mehr Kohle verdienen? Wie können wir wieder die Meinungsmacht zurückerobern? gesehen werden.