Düsteres Szenario: Viele Zeitungen werden nur noch wöchentlich erscheinen

Da hat er sich hoffentlich mal verschätzt, der neue Zeit.de-Chefredakteur Wolfgang Blau: „Im internationalen Vergleich gibt es hierzulande zu viele Tageszeitungen. Vieler dieser Zeitungen werden in Zukunft wahrscheinlich nur noch im wöchentlichen Rhythmus erscheinen.“ Gesagt hat er das am Dienstagabend in Hamburg beim Media Coffee der DPA-Tochter Newsaktuell (siehe Pressemitteilung).

Der Titel der Diskussionsrunde, „Im Sog des Internets – Was bleibt übrig von Print, TV und Radio?“, spitzte ja schon zu. Blau, der in der Vergangenheit häufig für öffentlich-rechtliche Sender arbeitete, sagte, dass er bei seinen langen Auslandsaufhalten zu einem „Befürworter“ dieses Systems geworden sei. Für ihn seien die wirklichen Konkurrenten für Verlage letztendlich nicht die öffentlich-rechtlichen Sender, sondern vielmehr Blogs oder reichweitenstarke Plattformen wie Youtube. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass Werben & Verkaufen heute meldet, dass eine Internet-Allianz von Zeit.de und ZDF unmittelbar bevorstehe.

Auch der Chefredakteur des Hamburger „Abendblatts“, Menso Heyl, gab bei der Diskussionsrunde zu erkennen, dass seine Zeitung einer Zusammenarbeit mit dem NDR nicht abgeneigt seit: „Ich wünschte, wir könnten mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mehr zusammen machen, ohne aber dabei unseren jetzigen Partner zu verdrängen. Allerdings geht das ja aus den verschiedenen Gründen noch nicht.“

„Spiegel“-Verlagsleiter Fried von Bismarck äußerte deutliche Kritik: „Ich halte es für ein Unding, dass die durch Gebühren finanzierten Rundfunkanbieter sagen, sie dürften im Netz alles machen, was zum Beispiel auch die Verlage tun.“ Es sei allerdings die Aufgabe der Politik, und nicht die der Sender, eine Antwort auf diese Fragestellung zu finden. Im eigenen Haus wachsen die Bäume auch nicht in den Himmel: Beim „Spiegel“ müsse man sich „auf sinkende Auflagen und Anzeigenerlöse einstellen“. Andererseits müsse man an den Online-Umsätzen „noch lange stricken, um die Erlöse zu erreichen, die wir im Printgeschäft erzielen“, sagte Bismarck.

Das Hohelied des Qualitätsjournalismus (ja, wir lieben dieses Wort alle!) stimmte indes Steffen Klusmann, Chefredakteur der „Financial Times Deutschland“, an („qualitativ hochwertiger Journalismus“, egal wo, sei gefragt). Bemerkenswerter war, dass er vor amerikanischen Verhältnissen warnte, wo bereits große Teile der etablierten Wirtschaftspresse verschenkt werden müssen, weil niemand mehr bereit sei, dafür zu bezahlen.

Nachtrag 10.04.08
Interessant zu Wolfgangs Blaus Untergangsthese ist Thomas Knüwers „Ob Zeitungen wohl Blau machen“.

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