Innovation als Hindernislauf

In Gesprächen schwärme ich gerne von einem der größten Vorzüge des Mediums: Ausprobieren ist so einfach. Wer ein neues Format oder eine neue Technologie einsetzen will, kann einfach loslegen – auch wenn vielleicht erst mal nur ein Teil der User mit der Neuerung was anfangen kann. Neue Features können modular aufgesetzt werden, und weil die Darstellungs- und Stilformen nicht so gefestigt sind, kann man wild und ohne große Kosten rumprobieren, während so etwas bei den alten Medien enormen organisatorischen, finanziellen oder persuasiven Einsatz erfordert.

So weit die Theorie. Wer von ihr ausgeht, kann entsprechend mit Recht kritisieren, dass viele große Online-Medien dann doch recht zögerlich beim Einsatz innovativerer Formate sind. Außenstehende haben aber vielleicht kein Bild davon, welche Schwierigkeiten dann doch auftauchen, wenn man ab und an etwas abseits der normalen Meldungen mit Bordmitteln realisieren will. Das ist gar nicht mal böser Wille. Da fehlt dann die Routine bei der Umsetzung oder nur einzelne Kollegen verfügen über das nötige Geheimwissen. Weil alles außerhalb des Tagesgeschäfts läuft und in den seltensten Fällen Techniker oder Grafiker allein für das Projekt zur Verfügung stehen, tauchen Verzögerungen auf, die Einzelkämpfer nicht haben. Tools, die beispielsweise in Blogs perfekt funktionieren, sind nicht CMS-kompatibel oder funktionierten nur mit der früheren Version des CMS. Software darf nicht mal eben zum Ausprobieren installiert werden. Auf Design-Styleguides und Barrierefreiheit muss geachtet werden. Auf Rechtefragen sowieso – wenn’s etwa darum geht, Archivcontent aufzubereiten … und was nicht noch alles.

Gibt’s wahrscheinlich überall. Aber einfach nicht unterkriegen lassen. Wir brauchen mehr Schmuckstücke, die zeigen, wo’s langgehen sollte.

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