Anlaufstelle für O-Ton-Sammler


Screenshot “Dokublog” (Montage: ojour)
Mikrofon an, Record drücken. Dann hochladen und es vielleicht ins Radio schaffen: Das “Dokublog” des SWR ruft zum Mitmachen auf. Eine interesssante Idee mit bisher verhaltenem Web-Echo.

O-Ton-Jäger sammeln Geschichten, hören zu, lassen sich was erzählen und fragen nach. Sie wollen wissen, wie ein Auto heute surrt und wie es gestern knatterte, wie die Welt klingt im Zentrum von Stuttgart oder im pfälzischen Carlsberg. Solche Töne dokumentieren Zeitgeschichte ebenso wie der zufällig mit dem Handy aufgenommene Streit in der S-Bahn, das Gespräch mit der Oma für den Geschichtsunterricht, oder die Weihnachtsfeier im trauten Familienkreis.

Bürgerjournalisten, unabhängige und professionelle Autoren finden hier eine gemeinsame Plattform und zugleich den Weg in den öffentlich-rechtlichen Rundfunk

versprechen die Macher von zwei SWR-Radiosendungen. Technische Tipps für Radioneulinge gibt es auch.

Kurz zu den Nutzungsbedingungen: Wie zu erwarten trägt der Macher eines Audios die rechtliche Verantwortung. Was hochgeladen wird, kann von anderen Teilnehmern für eigene nichtkommerzielle Audioprojekte – allerdings nur im Rahmen des Dokublogs – weiter verwendet werden. “Der SWR kann Inhalte auswählen, die Eingang in das Programm von SWR2 finden” – und darf die Nutzungsbedingungen jederzeit ändern.

Beiträge daraus und andere eingesandte O-Töne lassen sich auf der Dokublog-Site anhören und herunterladen. Bisher finden sich dort unter anderem eine Hartz-IV-Protest-Umfrage, eine Minireportage über die Probleme eines Turnschuhimporteurs, Gespräche mit Jahrmarktsarbeitern oder das Geräusch einer Schnellschmiedpresse.

Inhalte zu zu versteckt

Leider lässt sich der Ursprung der jeweiligen Audios nicht erkennen (Wer hat’s gemacht? Und war’s ein professioneller SWR-Reporter oder eine Bürgerjournalistin?). Die Inhalte könnten auch deutlich besser zugänglich gemacht werden. Sie sind zwar verschlagwortet, hier wird aber kein attraktives Interface angeboten (Doch, doch: eine Tagcloud, bitte!). Einen RSS-Feed fürs Podcasting scheint es merkwürdiger Weise nicht zu geben oder er ist sehr gut versteckt. Aber man steht mit dem Projekt auch noch am Anfang. Bisher sind rund 180 Audios eingestellt, im Forum tut sich auch noch kaum etwas.

Fazit: Ein interessantes Projekt, aber für Nutzer längst nicht so interessant wie die Zeitgeschichte-Community von Spiegel Online, die auf Texte und Bilder setzt.

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