Netz-gegen-Nazis.de: Gut Gemeintes vs. Qualität
“Richtig klotzen” wollen laut “Zeit”-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo die Projektverbündeten des am Montag gestarteten Portals “Netz-gegen-Nazis.de“. Mitinitiatoren sind der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der Deutsche Fußball-Bund (DFB), die Deutsche Fußball-Liga (DFL) und der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) mitsamt der Jugendfeuerwehr. Als Fernsehpartner fungiert das ZDF, im Internet treten die wie “Die Zeit” zum Holtzbrinck-Verlag gehörenden sozialen Netzwerke StudiVZ, SchülerVZ und MeinVZ als Werbepartner an, schreibt Heise.
So weit, so gut. Aber schon beim ersten Blick auf das Portal sinkt meine Sympathie ein wenig: Die Inhalte des von der Agentur für soziale Perspektiven – ASP e.V. beigesteuerten “Versteckspiels” sind was die Rubrik Bekleidung betrifft, sehr fragwürdig. Zum Beispiel wird die Schuhmarke Doc Martens in der Rubrik “Woran man Nazis erkennt” so vorgestellt:
Doc Martens ist eine englische Schuhmarke, die traditionell schwere Arbeiterschuhe mit Stahlkappen produziert. Die Schuhe werden in der gesamten Skinhead-Szene getragen. Maßgeblich dafür sind sowohl Kult-Gründe als auch die Stahlkappen, die als Waffen eingesetzt werden können.
Ich trage übrigens auch Doc Martens und betrachte mich nicht als Nazi. Allein zum Thema Kleidercodes gibt es wohl hunderte fundiertere Beiträge in anderen Foren und Websites, die hier durchdachteres Beschreiben und Einordnen fordern. Aber nein, es muss ja, um noch mal Giovanni di Lorenzo zu zitieren, “richtig geklotzt” werden, und außerdem – und zum hundersten Mal – es soll ja alles gut gemeint sein! Da erwarte ich mir von der “Zeit” und von Zeit Online doch etwas mehr Qualität bei der Auswahl von Inhalten und Partnern.




Was Brillianz und Schärfe des intellektuellen Vermögens
angeht,hatte Giovanni di Lorenzo schon mal bessere
Zeiten.
Weitgehend saturiert durch die Schmeicheleien bestimmter
Medien, befriedigt durch Quoten-Run, denkt er augenschein-
lich nicht mehr viel, sondern freut sich: diesmal über das
Netz gegen Nazis.
Je mehr ich von diesen Nazi-Fänger-Gruppen zu Gesicht
bekomme, um so mehr zweifle ich an der Ersthaftigkeit
ihres Vorhabens. Es fehlt die Leidenschaft dabei, die
Aktionen erstarren in Formelhaftigkeit.
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