Auf zum Revival der .orgs
Diese .orgs kämpfen für das Gute: Sechs Internetprojekte mit der Top Level Domain “.org” wurden als “”weltweite Sprachrohre in Deutschland” geehrt.
Von Jens Steiner
Die Public Interest Registry (PIR), die die “.org”-Domain seit 2003 vergibt, würdigte am am 14. Mai im Haus der deutschen Wirtschaft in Berlin das Weblog netzpolitik.org des re:publica-Organisators Markus Beckedahl, das emanzipatorische Nachrichtennetzwerk indymedia, die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und die Wikimedia-Stiftung. Geehrt wurden außerdem der nicht kommerzielle Behördenwegweiser bundesrepublik.org und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Schirmherren der Veranstaltung waren die investigativen US-Journalisten und Danny Schechter und Rory O’Connor. Die ehemaligen ABC-, und CNN-Reporter zählen zu den schärfsten Kritikern der US-Medien. Schechter drehte den Film Weapons of Mass Decepetion. O’Connor arbeitet zur Zeit an der weltweit ersten Wikimentary, einem Dokumentarfilm auf Wikibasis.
Mit der Aktion wollte die PIR gezielt in Deutschland auf die zivilgesellschaftliche Bedeutung dieser Top Level Domain hinweisen. “.org”-Adressen wurden ursprünglich nur an nicht kommerzielle Träger vergeben. Der Markt wurde jedoch in den letzten Jahren geöffnet. Etwa sechs Millionen “.org”-Adressen gibt es inzwischen. Während unabhängige Organisationen, Medien und Projekte, die öffentliche Interessen vertreten, den besonderen rechtlichen Status der internationalen “.org”-Domain schätzen, profitieren kommerzielle Anbieter von deren Ruf und Glaubwürdigkeit. Einerseits ist die Öffnung für kommerzielle Anbieter eine Möglichkeit der Finanzierung der .org-Domain und allem was daran hängt, andererseits liegt den PIR-Leuten, die zum Teil aus dem unabhängigen und kritiischen Journalismus kommen, viel daran, gemeinnützige soziale Netzwerke im neben kommerziellen und und länderspezifischen Top Level Domains, der .org ein dauerhaft festes Standbein zu geben. Weltweit bekannte Inhaber von “.org”-Top Level Domains sind etwa die Umweltschutzorganisation Greenpeace, das Firefox-Projekt oder das National Public Radio (NPR) aus den USA.
Das geringe Interesse deutscher Medienvertreter an der Veranstaltung bezeichnete Rory O’Connor als bedauerliches Armutszeugnis. “Viele deutsche Journalisten wissen nicht einmal, was eine .org-Domain ist”, fügte Danny Schechter hinzu, dabei hatte sich die PIR extra für das Haus der Deutschen Wirtschaft entschieden, um mehr Medienvertreter zu locken.
Die Journalisten würden, wenn sie überhaupt das Internet nutzen, nur den Webauftritt ihres Unternehmens kennen, sagte Schechter weiter. Die PIR will in den kommenden Monaten weitere engagierte “.org”-Seiten aus verschiedenen europäischen Staaten würdigen. Die nächste Ehrung findet in Paris statt.



