Der Eklat und die Agentur

Drei Stimmen mehr für den NPD-Kandidaten in Sachsen – wer war’s und was schreiben Agenturen und Redaktionen? Eine Meldung, große Aufregung in den Redaktionen und Erregung bei einem Teil des Publikums.

Die Geschichte: bei St. Niggemeier und Th. Knüwer.

Eine Analyse: St. Niggemeier sieht einen Schuldigen für die medienübergreifende Kurzzeit-Aufregung:

„Spiegel Online” aber ist ein Boulevardmedium. Und das eigentliche Problem daran ist nicht, dass „Spiegel Online” Boulevardgeschichten breiten Raum gibt. Sondern dass „Spiegel Online” auch die anderen Themen nach den Regeln des Boulevard aufbereitet: Meldungen werden zugespitzt, Kleinigkeiten zu Sensationen hochgeschrieben, Themen personalisiert. Die Welt, wie sie ein „Spiegel Online”-Leser erlebt, ist hundertmal aufregender als die Welt, die tagesschau.de präsentiert. Im Minutentakt durchleben hier Politiker, Prominente und Wirtschaftsbosse persönliche Niederlagen und Triumphe; jagen einander Skandale und Eklats, historische Umfragetiefs und verheerende Katastrophen.

(…)

Ich kann es nicht beweisen, aber ich glaube, dass es diese Vorgabe von „Spiegel Online” war, die die Berichterstattung der anderen Medien so fatal beeinflusst hat. Das Wort „Eklat” oder auch „Skandal” zum Beispiel, das sie in so großer Zahl gewählt haben, taucht in Bezug auf die heutige Wahl in keiner Agenturmeldung auf.

Und noch ein wichtiger User-Kommentar bei Niggemeier:

Online Journalismus hat die Entwicklung von Agenturmeldungen sowie auch die Entwicklung eines Arikels (im Falle Spon hier sogar mit begründeten Korrekturen) sichtbar gemacht.
Wer weiß schon in vielen Print-Redaktion der Artikel auf der entsprechenden Seite im ersten Entwurf ebenfalls so zugespitzt oder eben auch falsch im Entstehungsprozess steht.

Außerdem sollte man bei allen Beobachtungen und Schlussfolgerungen nicht vergessen: Die eklatöse Aufregung in einigen Vorfällen wurde sicherlich durch das Halb-Vorwissen in den Redaktionen befeuert („So was gab’s doch schon mal da …) – und dann machten sich Lücken in den personellen Ressourcen und der Wettbewerbsdruck bemerkbar.

(Ich merke gerade, dass dieser Eintrag für Leser ohne Vorkenntniss alles andere als verständlich wirkt. Deshalb in diesem Fall bitte bei den angegeben Links vorbeischauen.)

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